Kurzer persönlicher Blick nach China
Verfasst: 14.10.2023, 21:01
Hallo ihr,
da derzeit viel drüber gesprochen wird und ich gerade aus China zurückkomme, wollte ich Euch hier meine Erfahrungen mitteilen.
Gereist bin ich vom 29.9. bis zum 13.10. und war an einigen Orten.
Bin von Frankfurt über Peking nach Hong Kong mit Air China geflogen und schon in Frankfurt wurde ich darauf hingewiesen, dass ich per Smartphone eine Gesundheitserklärung ausfüllen muss und dann einen QR Code brauche. Man kann in Peking diese Erklärung auch an riesigen Touchscreen-Displays unter Hilfe englischkundiger Chinesen ausfüllen, ich war nur überrascht, dass man das auch für eine Reise nach HK machen sollte. Besonders, weil dann eine Mainland Telefonnummer gefordert war. Wenn ich jetzt nur nach HK reisen würde, hätte ich vllt. keine Mainland Nummer zum angeben. Zum Schluss hat sich dann auch nie jemand für diesen QR Code interessiert und ich musste ihn nirgends angeben.
Die Einreise in Lo Hu stellte sich schon als schwieriger heraus. Für "Foreigners" war genau 1 Schalter geöffnet und der Schalterbeamte brauche für jeden Ausländer 6 Minuten Bearbeitungszeit. Fingerabdrücke abgeben und dann wurden sehr langsam Fragen gestellt. Wo man jetzt hinfährt, wo die chin. Familie wohnt etc. Ich hatte nirgends einen chin. Namen angegeben und wurde nochmal gefragt, ob ich wirklich keinen chin. Namen habe...Vor mir wurde ein Reisender mit Visum wieder zurückgeschickt, weiß aber nicht, warum.
Zugfahren mit Pass war ganz okay, ich ging immer zum manuellen Schalter, wo ein Bahnmitabeiter meine Passnummer eingab und dann mein Ticket angezeigt wurde. Hatte sich dann später herausgestellt, dass ich zu doof war, das automatische Gate zu benutzen. Wenn man seinen Pass richtig hineinhält, erkennt auch das automatische Gate den Ausländerpass und man kommt hinein.
In Guangzhou waren die Leute ablehnend. Wo man früher mal angestarrt wurde, später dann einfach zur Menge dazugehörte, wird man entweder feindlich angeschaut oder total ignoriert. Meiner Frau ist das auch aufgefallen und sie meinte dazu, so ähnlich würde sie bei uns hier im Landkreis Zwickau auch manchmal im Bus angeschaut.
Positiv: Entweder habe ich nie darauf geachtet, aber es gibt sogar in U-Bahnstationen Wickelräume und Still-Räume. Wir waren im Science Centre in einem, da war sogar ein Babybettchen, ein bequemer Stuhl und Mütter und Babies können dort schlafen! Auch in Bahnhöfen fielen mir die Spielbereiche für Kinder mit Spielgeräten und Rutschen auf, sehr positiv.
Wir sind dann auch Nachtzug-Hardsleeper-gefahren und ich bin ja vieles gewohnt, aber so dreckig und abgerockt habe ich es noch nicht erlebt. Meine Frau fand es auch unangenehm, der Zug wurde in Guangzhou eingesetzt und es gab in unserem Wagen nicht mal Wasser. Auch auf der Rückfahrt war mein Hardsleeper sehr schmutzig.
Man konnte immer mit Bargeld bezahlen, ich konnte Alipay verwenden, wenn ich WiFi hatte. Das hatte ich nicht immer, aber mit meiner Frau waren die Leute freundlicher und gaben uns auch mal ihren Wifi-Zugang oder einen Hotspot.
In Hunan waren die Leute wieder freundlicher. Wo jedoch früher ein Ausländer eine willkommene Möglichkeit war, Englisch zu üben, können junge Chinesen kein Englisch mehr. Wir waren an einer Highschool zu Besuch mit unserem Baby und natürlich sind viele Schüler auf uns zugekommen. Die konnten aber fast kein Englisch. Ich durfte dann auch mal Aufsätze von Schülern lesen und genauso wie hier in D waren wohl einige mit einem Übersetzungsprogramm geschrieben worden. Oder gleich von einer KI. Denn selbst einfachstes Englisch konnten die nicht. Ich erwarte als Englischlehrer, dass ein Abiturient zumindest das Wort "Math" versteht. Das Material war aber auch grausam, 4 Zeilen englischer Text und drunter gleich die chinesische Übersetzung. Laut einer Freundin meiner Frau soll eben der Kontakt mit der Außenwelt erschwert werden.
Die Familie meiner Frau war leicht seltsam wie immer. Von immer mehr Chinesen wird wohl erwartet, dass ein Ausländer die Sprache zu lernen hat. Ich hatte einen Kurs bei der VHS gemacht und auch privat etwas mit Apps gelernt. Meine Schwiegereltern waren dann fast schon ermpört, dass ich mich mit ihnen nicht "ganz normal " auf Chinesisch unterhalten kann...die reden aber auch zu schnell.
Mein Schwager kann so gut wie kein Englisch, war nur sehr überzeugt von "China Number One". Hatte ihn dann auch mal auf Chinesisch gefragt, ob er schon mal irgendwo anders war außer in China...
Ansonsten: Das gerade 9 Jahre alte Haus, in dem eine Wohnung der Familie ist, hat schon jetzt ein kaputtes Ziegeldach und Wasserschäden. Bauqualität ist nicht so gut.
Mein Sohn geht jetzt im Haus in einen chin. Kindergarten, sehr laut dort und für Chinesen wohl mit knapp 1000 RMB/Monat recht teuer. Wo man in D lieber keine Fotos von den Kindern macht, schickt uns der Kindergarten viele Videos über WeChat. Ist auch goldig und ich finde, die Erzieher sind sehr nett.
Generell mag ich es, wie die Leute sich auch für Babies begeistern.
Allgemein muss ich sagen, dass China wohl leider seinen Reiz für mich verloren hat. Wenn ich nicht Familie drüben hätte, würde ich wohl nicht mehr kommen.
VG,
Dominik
da derzeit viel drüber gesprochen wird und ich gerade aus China zurückkomme, wollte ich Euch hier meine Erfahrungen mitteilen.
Gereist bin ich vom 29.9. bis zum 13.10. und war an einigen Orten.
Bin von Frankfurt über Peking nach Hong Kong mit Air China geflogen und schon in Frankfurt wurde ich darauf hingewiesen, dass ich per Smartphone eine Gesundheitserklärung ausfüllen muss und dann einen QR Code brauche. Man kann in Peking diese Erklärung auch an riesigen Touchscreen-Displays unter Hilfe englischkundiger Chinesen ausfüllen, ich war nur überrascht, dass man das auch für eine Reise nach HK machen sollte. Besonders, weil dann eine Mainland Telefonnummer gefordert war. Wenn ich jetzt nur nach HK reisen würde, hätte ich vllt. keine Mainland Nummer zum angeben. Zum Schluss hat sich dann auch nie jemand für diesen QR Code interessiert und ich musste ihn nirgends angeben.
Die Einreise in Lo Hu stellte sich schon als schwieriger heraus. Für "Foreigners" war genau 1 Schalter geöffnet und der Schalterbeamte brauche für jeden Ausländer 6 Minuten Bearbeitungszeit. Fingerabdrücke abgeben und dann wurden sehr langsam Fragen gestellt. Wo man jetzt hinfährt, wo die chin. Familie wohnt etc. Ich hatte nirgends einen chin. Namen angegeben und wurde nochmal gefragt, ob ich wirklich keinen chin. Namen habe...Vor mir wurde ein Reisender mit Visum wieder zurückgeschickt, weiß aber nicht, warum.
Zugfahren mit Pass war ganz okay, ich ging immer zum manuellen Schalter, wo ein Bahnmitabeiter meine Passnummer eingab und dann mein Ticket angezeigt wurde. Hatte sich dann später herausgestellt, dass ich zu doof war, das automatische Gate zu benutzen. Wenn man seinen Pass richtig hineinhält, erkennt auch das automatische Gate den Ausländerpass und man kommt hinein.
In Guangzhou waren die Leute ablehnend. Wo man früher mal angestarrt wurde, später dann einfach zur Menge dazugehörte, wird man entweder feindlich angeschaut oder total ignoriert. Meiner Frau ist das auch aufgefallen und sie meinte dazu, so ähnlich würde sie bei uns hier im Landkreis Zwickau auch manchmal im Bus angeschaut.
Positiv: Entweder habe ich nie darauf geachtet, aber es gibt sogar in U-Bahnstationen Wickelräume und Still-Räume. Wir waren im Science Centre in einem, da war sogar ein Babybettchen, ein bequemer Stuhl und Mütter und Babies können dort schlafen! Auch in Bahnhöfen fielen mir die Spielbereiche für Kinder mit Spielgeräten und Rutschen auf, sehr positiv.
Wir sind dann auch Nachtzug-Hardsleeper-gefahren und ich bin ja vieles gewohnt, aber so dreckig und abgerockt habe ich es noch nicht erlebt. Meine Frau fand es auch unangenehm, der Zug wurde in Guangzhou eingesetzt und es gab in unserem Wagen nicht mal Wasser. Auch auf der Rückfahrt war mein Hardsleeper sehr schmutzig.
Man konnte immer mit Bargeld bezahlen, ich konnte Alipay verwenden, wenn ich WiFi hatte. Das hatte ich nicht immer, aber mit meiner Frau waren die Leute freundlicher und gaben uns auch mal ihren Wifi-Zugang oder einen Hotspot.
In Hunan waren die Leute wieder freundlicher. Wo jedoch früher ein Ausländer eine willkommene Möglichkeit war, Englisch zu üben, können junge Chinesen kein Englisch mehr. Wir waren an einer Highschool zu Besuch mit unserem Baby und natürlich sind viele Schüler auf uns zugekommen. Die konnten aber fast kein Englisch. Ich durfte dann auch mal Aufsätze von Schülern lesen und genauso wie hier in D waren wohl einige mit einem Übersetzungsprogramm geschrieben worden. Oder gleich von einer KI. Denn selbst einfachstes Englisch konnten die nicht. Ich erwarte als Englischlehrer, dass ein Abiturient zumindest das Wort "Math" versteht. Das Material war aber auch grausam, 4 Zeilen englischer Text und drunter gleich die chinesische Übersetzung. Laut einer Freundin meiner Frau soll eben der Kontakt mit der Außenwelt erschwert werden.
Die Familie meiner Frau war leicht seltsam wie immer. Von immer mehr Chinesen wird wohl erwartet, dass ein Ausländer die Sprache zu lernen hat. Ich hatte einen Kurs bei der VHS gemacht und auch privat etwas mit Apps gelernt. Meine Schwiegereltern waren dann fast schon ermpört, dass ich mich mit ihnen nicht "ganz normal " auf Chinesisch unterhalten kann...die reden aber auch zu schnell.
Mein Schwager kann so gut wie kein Englisch, war nur sehr überzeugt von "China Number One". Hatte ihn dann auch mal auf Chinesisch gefragt, ob er schon mal irgendwo anders war außer in China...
Ansonsten: Das gerade 9 Jahre alte Haus, in dem eine Wohnung der Familie ist, hat schon jetzt ein kaputtes Ziegeldach und Wasserschäden. Bauqualität ist nicht so gut.
Mein Sohn geht jetzt im Haus in einen chin. Kindergarten, sehr laut dort und für Chinesen wohl mit knapp 1000 RMB/Monat recht teuer. Wo man in D lieber keine Fotos von den Kindern macht, schickt uns der Kindergarten viele Videos über WeChat. Ist auch goldig und ich finde, die Erzieher sind sehr nett.
Generell mag ich es, wie die Leute sich auch für Babies begeistern.
Allgemein muss ich sagen, dass China wohl leider seinen Reiz für mich verloren hat. Wenn ich nicht Familie drüben hätte, würde ich wohl nicht mehr kommen.
VG,
Dominik