Was viele nicht begreifen ist, dass merkantilistische Wirtschaftspolitik nur in einem System mit Warengeld funktionieren kann. Vereinfacht gesagt: wer mehr Gold hatte, hatte mehr Macht, da er ein grösseres Heer finanzieren konnte.
Im heutigen Fiatgeldsystem hingegen schadet sie einer Volkswirtschaft. Der Wechsel zu einem freien Handelssystem (resp. im Falle Chinas zu langsam mehr Importen) hätte viele Vorteile.
Die Gründe dafür lieferte Xi in seiner Rede vom 10. Juni (siehe
LINK) gleich selber (übersetzt & zusammengefasst von mir, Fehler vorbehalten):
1) Die Lebensqualität des Mittelstandes würde verbessert
2) Der internationale Wettbewerbsdruck würde nationale Unternehmen zwingen, wettbewerbsfähiger zu werden und höherwertige Produkte zu bauen
3) Auch würde der Wettbewerbsdruck zu einer höheren Effizienz nationaler Unternehmen führen
4) Der Finanzsektor könnte internationalisiert werden, sodass mehr internationale Investitionen nach China gelockt werden könnten.
Für China machte die merkantilistische Politik Anfang der 90er Jahre dennoch Sinn, da der Renminbi vor 30 Jahren keinerlei Ansehen genoss und an den Dollar gebunden werden musste. Heute hingegen ist sie ein Problem, welches China langsam lösen möchte - aber nur schwerlich lösen kann.
Für die USA (oder Europa) hingegen macht die merkantilistische Politik überhaupt keinen Sinn - das jeweilige Land schwächt damit nur seine eigene globale Position. Dazu kann man bereits Ricardos absolut grundlegende ökonomische Theorie zu den komparativen Kostenvorteilen beiziehen. Dieses Wissen ist bereits 200 Jahre alt und sollte langsam aber sicher auch zur breiten Masse im Westen durchdringen.
Aber es hört sich eben einfach zu gut an wenn man die bösen Chinesen dafür verantwortlich machen kann dass man sein leben lang zu faul war sich weiterzubilden und in der heutigen wissensbasierten Wirtschaft weniger verdient.