Da kann man sehen wie weit die Demokratie in China fortgeschritten ist
Dies ist eher eine rechtsstaatliche als eine politische Frage. Meiner Meinung nach sind derartige Vorfälle traurige Zeugnisse der Qualität des chinesischen Justizsystems, welches nicht nur wegen der Baubranche dringend reformiert werden sollte.
In China gehört grundsätzlich das ganze Land dem Staat und es werden nur Baurechte für bestimmte Zeiträume vergeben. HIer muss man sich fragen, warum es nicht möglich ist, die Baurechtsvergaben so auszugestalten, dass man auch noch genügend öffentlichen Grund zwischen den Bauplätzen hat, um eine vernünftige Infrastruktur zu errichten. Zu nächst einmal ist also im vorliegenden Fall dem zuständigen Planungsbüro ein grober Fehler unterlaufen, der die ganze Geschichte unnötig mühsam macht. Aber wo Menschen arbeiten passieren Fehler und jetzt muss eben das Land enteignet werden - womit wir bei der juristischen Problematik sind.
Die Frage ist halt, ob es wirklich stimmt, dass der Hausbau 600.000RMB gekostet hat, die Regierung aber 260.000 nur geben will.
Ich glaube dem Besitzer schon, dass dies der Baupreis war. Oft wird, wenn man weiss, dass man bald enteignet wird, noch einmal kräftig investiert, um die Wohnfläche zu vergrössern - sodass man nacher mehr Entschädigungszahlungen erhält. Nur blöd, dass die Regierung dieses Spiel seit 2010 nicht mehr mitspielen möchte
Mir sind da bereits ähnliche Fälle mit derselben Schlaumeierei im Bekanntenkreis zu Ohren gekommen...
Gegeben der heutigen Immobilienpreise in China halte ich eine Entschädigung von 260.000 Yuan aber für sehr wenig und glaube kaum, dass man sich damit eine neue, ähnlich grosse Wohnung in der Nähe kaufen kann. Daher dürfte hier wiederum ein rechtsstaatliches Problem vorliegen und somit ein Patzen der zuständigen Behörde.
Hätte China eine unabhängige, anständig funktionierende Justiz, könnte der Hausbesitzer ein Verwaltungsverfahren anstrengen und die Situation nach nationalem Recht klären. Entweder würde er dann leer ausgehen (wenn er offensichtlichen Rechtsmissbrauch begannen hat, in dem er das Haus baute, nachdem der Bau der Strasse bereits feststand, um die staatlichen Gelder zu kassieren) oder er würde anständig entschädigt (schadloshaltung auf Grund des Eigentumsschutzes). Und vorallem müssten sowohl der Lokalfunktionär wie auch der entsprechende Bürger einmal offenlegen, was hier wirklich gelaufen ist - und wir armen Chinainteressierten müssten nicht mutmassen, wessen Schuld das nun ist.
Das hauptsächliche systemische Problem liegt also für mich persönlich bei der Rechtsunsicherheit in China und nicht bei der Tatsache, dass man ausnahmsweise mal jemanden enteignet. Enteignungen passieren sogar in Europa, wenn eine Strasse gebaut werden soll - und meist bezahlen die Anstösser sogar noch den Bau der Strasse! Aber da wir hier das Land selber besitzen, ist das umliegende Land nacher viel mehr Wert und alle profitieren.