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Sinologie + ? = ???
Verfasst: 11.02.2010, 20:16
von chángdí
Hallo,
auch auf die Gefahr hin, dass das hier die 99246. Anfrage in Bezug auf das Sinologiestudium wird, muss ich diesen trotzdem stellen: ich gedenke, eben selbiges Studium aufzunehmen, bin mir jedoch unsicher, womit ich es kombiniere.
Nun waren Kultur/Kunst/Sprachen schon immer meine Raison d'être, und so verwundert es wohl auch nicht, dass ich mich auf diesen Gebieten spezialisieren will; Wirtschaft fällt somit eigentlich schon als Nebenfach raus, da es mich absolut nicht interessiert und ich dagegen eine mentale Allergie hab.
Was gäbe es denn für Einsatzmöglichkeiten mit kultureller Ausrichtung und Chinabezug? Wär man mit Kulturmanagement in Bezug auf die Berufschancen gut beraten? Welche anderen Möglichkeiten gibt's da noch?
Als Alternative könnte ich mir aber auch Linguistik als Nebenfach vorstellen, oder wär das doppelt gemoppelt (wie weit spielt der sprachwissenschaftliche Aspekt i.S. allgemeiner Linguistik in der Sinologie selbst eine Rolle)? Ich könnte mir vorstellen, im Bereich der Sprachforschung zu arbeiten, zumal es für mich kaum spannendere Themen gibt, als z.B. die Rekonstruktion des Altchinesischen; oder wie sahen die Dialekte des klassischen Chinesischs aus, wie wurden Gedichte der Tangdynastie rezitiert, hatte Konfuzius einen Sprachfehler

, ... oder um wieder ernst zu werden: die Dokumentation/Analyse wenig erforschter Dialekte chinesischer Minderheiten.
Ich hoffe, ihr könnt mir einige Ratschläge geben; vielleicht studiert von euch jemand Sinologie mit Schwerpunkt Kultur oder Sprache?
liebe Grüße
Re: Sinologie + ? = ???
Verfasst: 11.02.2010, 20:34
von wuseltiger
Also ich weiß ja, dass ich mich gleich wieder unbeliebt mache, aber wenn: ? = Linguistik, dann lässt sich die Gleichung wohl folgendermaßen ergänzen:
Sinologie + Linguistik = Arbeitslosigkeit
Ne nur Spaß, Sprachwissenschaftler haben natürlich tolle Berufschancen.. Naja das war jetzt Spaß
Keine Sorge, da die Sinologen hier die Oberhand haben, werden noch viele Beiträge folgen, die etwas aufbauender sind als meiner

Re: Sinologie + ? = ???
Verfasst: 11.02.2010, 22:37
von robbe
Ich kann mir gut vorstellen, dass viele Absolventen mit Sinologie und Linguistik oder auch ein anderen Sprache gleich an der Uni bleiben und dort weiterarbeiten. Der Rest hat dann vielleicht im Beruf nicht zu 100% mit seinen Studieninhalten zu tun, abgesehen von Übersetzen. Journalismus ist vielleicht dann auch noch eine Alternative. Naja ist eher nur so eine Vermutung.
Geh doch am besten mal zu einer Fachstudienberatung an einer Universität oder geh zur Arbeitsagentur und habe großes Glück, dass du einen wirklich kompetenten Mitarbeiter zu diesem Thema erwischst (eher unwahrscheinlich).
Ich habe mal eine Statistik im Internet gesehen (war glaube ich von der ZEIT oder einer anderen Zeitung), mit der dargestellt wurde, ob Absolventen eines Studiengangs dann tatsächlich einen so fachspezifischen Beruf ausüben. War aber nur eine kleinere Auswahl von Studiengängen. Vielleicht mal nach sowas googlen.
Re: Sinologie + ? = ???
Verfasst: 11.02.2010, 22:54
von andy
robbe hat geschrieben:Ich kann mir gut vorstellen, dass viele Absolventen mit Sinologie und Linguistik oder auch ein anderen Sprache gleich an der Uni bleiben und dort weiterarbeiten.
Viele Absolventen?
Wohl die wenigsten Absolventen werden an der Uni bleiben um dort zu arbeiten, so eine Universität ist eine Wissenschaftliche Einrichtung und stellt nicht jeden "Hansel-Pansel" ein.
Als Ich vor meiner Studienwahl stand, saß Ich während eines China Aufenthalts in Shanghai, zusammen mit einem Sinologen (Botschafter für die Provinz Shandong) in einer Bar.
Der sagte mir Wort wörtlich, "spar dir ein Studium der Sinologie, du lernst dein ganzes Leben lang nichts vernünftiges und jagst irgendwelchen Jobs mit China Bezug hinterher, die nicht mal toll bezahlt werden".
Weiß nicht, ob das wirklich so erstrebenswert ist.
Re: Sinologie + ? = ???
Verfasst: 11.02.2010, 23:07
von wuseltiger
andy hat geschrieben:
Der sagte mir Wort wörtlich, "spar dir ein Studium der Sinologie, du lernst dein ganzes Leben lang nichts vernünftiges und jagst irgendwelchen Jobs mit China Bezug hinterher, die nicht mal toll bezahlt werden". Weiß nicht, ob das wirklich so erstrebenswert ist.
Ketzer...

Re: Sinologie + ? = ???
Verfasst: 11.02.2010, 23:46
von wuseltiger
Ich will meine Kritik auch nicht übertreiben und niemand beleidigen.. Ich frage mich nur, was so ein Sprachstudium bringen soll... Nach 5 Jahren harter Arbeit (und das glaube ich sofort, dass das hart ist) kann ich so gut chinesisch wie ein Schüler aus der 11. Klasse (oder sehe ich das falsch?) und sonst irgendwie nichts.. Kein Wunder, dass der Arbeitsmarkt sich nicht um so jemand reißt...
Wenn ich das mit Chinesen, die in D studieren (oder D die in China studieren) vergleiche: Die können meist gut (oder passabel) Deutsch, gut Englisch, perfekt Chinesisch und haben noch etwas studiert, einen Beruf...
Aber ich weiß, in D werden Studienfächer einfach nur nach Interesse ausgesucht, nicht danach, ob der Abschluss einen auch ernähren kann...
Re: Sinologie + ? = ???
Verfasst: 12.02.2010, 00:00
von Linnea
wuseltiger hat geschrieben:Aber ich weiß, in D werden Studienfächer einfach nur nach Interesse ausgesucht, nicht danach, ob der Abschluss einen auch ernähren kann...
Ich habe einen ganz anderen Eindruck als du. Der Anteil derer, der sich tatsächlich das Studeinefach rein nach Interesse aussucht, erscheint mir verschwindend gering - auch unter den Sinologiestudenten.
andy hat geschrieben:Wohl die wenigsten Absolventen werden an der Uni bleiben um dort zu arbeiten, so eine Universität ist eine Wissenschaftliche Einrichtung und stellt nicht jeden "Hansel-Pansel" ein.
Wer will den schon an der Uni bleiben? Halbe Stelle, ganzer Job bis zum Post-Doc, ständige Umzüge und befristete Stellen danach, hohe Arbeitsbelastung für eher wenig Geld? Die wenigen Menschen, die ich kenne, die sich dafür entschieden haben, hängen alle mit viel Herzblut an ihrem Fach - egal ob Naturwissenschaftler oder Geisteswissenschaftler. Alle anderen sind spätestens nach dem Dr. weg.
Zurück zur Ausgangsfrage:
Zu Magisterzeiten hieß es in der Regel man solle ein Methodenfach und ein Fach rein nach Interesse als Nebenfach wählen. Zu Bachelorzeiten würde ich das Fach nach Interesse streichen.
Re: Sinologie + ? = ???
Verfasst: 12.02.2010, 00:05
von Hendrik
Ich frage mich nur, was so ein Sprachstudium bringen soll...
Wenn es denn so wäre. In der Tat ist Sinologie nur ein Teil Sprache. Und ein Teil dieses Sprachteils ist vorzeitliches Chinesisch.
Wie wärs mit Sinologie + Politik und dann bei UNO/NGO/Diplomat/Botschaft zu arbeiten?
Re: Sinologie + ? = ???
Verfasst: 12.02.2010, 00:17
von no1gizmo
Sinologie + Japanologie = Du bist durch und durch Kultur- und Sprachwissenschaftler und lernst zwei interessante, kulturell nahe Länder und Sprachen kennen. China wird das wichtigste Land in Asien, Japan wird noch sehr lange das zweit wichtigste bleiben.
Oder:
Sinologe + BWL = BWL kann man immer gebrauchen und BWL ist als Wirtschaftswissenschaft nicht total weit weg von der Geisteswissenschaft. Sinologie + Technik z. B. ist doch zu unrealistisch und hat keine eindeutige Richtung.
Sinologie + Politik = auch okay, aber meiner Meinung lässt sich BWL mehr mit monetären Zielen (Familie ernähren?) vereinbaren. Und man muss zudem auch nicht Politik studieren um Politik machen zu dürfen

Re: Sinologie + ? = ???
Verfasst: 12.02.2010, 00:23
von Hendrik
no1gizmo hat geschrieben:Sinologie + Japanologie = Du bist durch und durch Kultur- und Sprachwissenschaftler und lernst zwei interessante, kulturell nahe Länder und Sprachen kennen. China wird das wichtigste Land in Asien, Japan wird noch sehr lange das zweit wichtigste bleiben.
Wer verdient mehr:
Der Manager mit einem Übersetzer im Schlepptau
oder
der Übersetzer im Schlepptau eines Managers?
no1gizmo hat geschrieben:
Sinologe + BWL = BWL kann man immer gebrauchen und BWL ist als Wirtschaftswissenschaft nicht total weit weg von der Geisteswissenschaft. Sinologie + Technik z. B. ist doch zu unrealistisch und hat keine eindeutige Richtung.
chángdí hat schon geschrieben, auf keinen Fall BWL
no1gizmo hat geschrieben:
Sinologie + Politik = auch okay, aber meiner Meinung lässt sich BWL mehr mit monetären Zielen (Familie ernähren?) vereinbaren. Und man muss zudem auch nicht Politik studieren um Politik machen zu dürfen

Der Vorschlag kam von mir auch nur, weil BWL bereits ausgeschlossen wurde.
Re: Sinologie + ? = ???
Verfasst: 12.02.2010, 00:28
von Linnea
no1gizmo hat geschrieben: Sinologie + Technik z. B. ist doch zu unrealistisch und hat keine eindeutige Richtung.
Diese Kombination, auch die mit einer Naturwissenschaft, ist durchaus interessant für Menschen, die sich tatsächlich für beides interessieren, sich jedoch nur eine Richtung (meist wohl eher nicht die Sinologie) als Beruf vorstellen können. Das Problem dürfte in dem Fall vermutlich eher darin bestehen eine Uni zu finden, an der man das auch studieren kann. Aber das scheint ohnehin nicht den Interessen von chángdí gerecht zu werden...
Re: Sinologie + ? = ???
Verfasst: 12.02.2010, 01:20
von Taiyang
Kraken hat geschrieben:
Das Problem ist bei reiner Sinologie, Japanologie und div. anderen Regionalstudien ähnlich. Japanologen/Sinologen werden ihr Fach anpreisen und versuchen zu verdeutlichen, wie wichtig doch eine wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Land ist.
Oder auch nicht. Ich hab auch beides studiert (plus Linguistik) und würde im Bachelor-Zeitalter niemandem raten, ein Sinologiestudium aufzunehmen...
Früher im Magister gab es noch mehr Möglichkeiten, sich auch wirklich im Land (Japan, China...) weiterzubilden, aber jetzt im BA produzieren sie doch nur Fachidioten am Stück ohne irgendwelche Kenntnisse außerhalb des Studienplans.
Aber gut, wer sich wirklich interessiert, und auch gegen endloses Schriftzeichenlernen und Aussprachefrustration nichts hat und obendrauf noch vollstes Interesse an der chinesischen Geschichte und Kultur hat, und "ein Leben haben" als überbewertet ansieht.... der solls machen. Lieber noch einen Sinologen als noch einen BWLer mit hochgestelltem Poloshirtkragen
Die Sache ist nur, um es hinterher wirklich zu etwas zu bringen (wenngleich das auch persönlicher Definition bedarf),
muss man irgendwie herausstechen. Leute, die nach 10 Semestern Grundkenntnisse der Sprache und Faktenwissen über Geschichte, Politik usw haben gibt es mehr als genug, und nach denen kräht kein Hahn.
Zur Threaderöffnerfrage, inwiefern der sprachwissenschaftliche Aspekt eine Rolle spielt: Uni-angebote vergleichen! Nicht jedes Programm ist gleich. In Bochum zB. wird (wurde früher) extrem viel Augenmerk auf die Sprache, Sprachgeschichte, Sprachformen usw gelegt, an anderen Seminaren steht eher Geschichte und/oder Wirtschaft bzw. Politik im Vordergrund.
Wenn du danach in der Sprachforschung arbeiten willst, dann lerne ab jetzt nichts anderes mehr als Chinesisch, mache Urlaub, Praktika, Aupair in China, schaff dir einen chinesischen Freund an und tausche alles deutschsprachige gegen Chinesisches... weil, ob Konfuzius einen Sprachfehler hatte, oder zum Erforschen chinesischer Minderheitendialekte kommst du um hervorragende Sprachkenntnisse nicht herum & die werden dir in einem normalen 2-Fach BA Sinologie wohl eher weniger vermittelt.
Re: Sinologie + ? = ???
Verfasst: 12.02.2010, 02:59
von PAX
Also ich habe gerade 3 Semester Japanologie und Sinologie hinter mir. Davon kann ich dem Bachelor sei Dank *Kotz* nur abraten. Es ist eine beinahe unschaffbare Masse an Zeichen, Lernstoff, ect. die in kürzester Zeit mehr als nur mies vermittelt werden. Sprachkurse von 40 Leuten und mehr sind keine Seltenheit im Bachelorsystem und generell sind deine Jobchancen danach sehr gering. Selbst wenn du als "Fachidiot" an der Uni bleiben würdest.
Da ich aber sowieso nicht vor hatte dieses Studium zu Ende zu bringen, habe ich mir so zumindest einen ordentlichen Grundschatz an sprachlichem Können zugesichert, den ich jetzt in meiner neuen Fächerkombination - ab Winter Medienwissenschaften+Politikwissenschaft - durch Zertifikate (Deutsch als Fremdsprache, Ostasienstudien) weiter bereichern werde.
Dazu noch einige Praktika und dann klappts auch mit dem Job danach. (Habe ja auch schon eine technische Ausbildung absolviert und in China gelebt).
Kannst du nicht irgendwas außergewöhnliches in deinem Lebenslauf vorweisen, dass dich von anderen potentiellen Bewerbern abhebt, bringt dir auch ein Sinostudium nichts. China ist nicht mehr die goldene Gans die geschlachtet werden kann. Das wirtschaftliche El Dorado ist schon gut erschlossen, wenn auch noch ausbaufähig.
Daher mein Tipp:
Studier ein Hauptfach deiner Wahl und wähle Sinologie, wenn dann nur als Nebenfach, bzw. als Fremdsprachliche Ausbildung nebenher. Jede Dorfuni bietet inzwischen Japanisch- oder Chinesischkurse an die denen der Nebenfächler bis auf ein, zwei Prüfungen gleichen.
Re: Sinologie + ? = ???
Verfasst: 12.02.2010, 03:36
von HK_Yan
Kraken hat geschrieben:Wer Sinologie studiert, um sich davon einen Karrierekick zu erhoffen (und davon gibt es eine Menge), liegt völlig verkehrt, auch wenn die Medien China als unkaputtbaren Riese mit Traumjobs hochgeschaukelt. Es stimmt so einfach nicht.
Die Kunst ist eben nicht 'Sinologie', sondern seine total irrelevanten und für das Berufsleben unbrauchbaren Kenntnisse trotzdem verkaufen zu können.
Mein Vorschlag für eine bessere Zukunft: Sinologie + Taxischein. Mit dem Letzteren hast du dann etwas handfestes was dich in deiner Zukunft weiter bring. Auf das Erstere würde ich eher ganz verzichten und "Assimil - Chinesisch ohne Mühe" kaufen.
Re: Sinologie + ? = ???
Verfasst: 12.02.2010, 07:39
von happyfuture
wäre doch interessant, wenn sich hierzu ein in China erfolgreicher "Sinologe" zu Wort meldet und seinen "Erfolgsweg" - und was daraus geworden ist - beschreibt
