Re: Kleinkind zweimal überfahren und liegengelassen
Verfasst: 21.10.2011, 17:19
Warum wird die Story in Deutschland so ausgeschlachtet? Wiedermal Stimmung für den totalen Krieg machen? 
Forum rund um die VR China
http://www.forum.chinaseite.de/
Deinem Smilie zufolge findest Du das lustig, seltsame Art von Humor.beowulf hat geschrieben:Warum wird die Story in Deutschland so ausgeschlachtet? Wiedermal Stimmung für den totalen Krieg machen?
Lange genug in China gelebt und lange genug in Österreich und war auch genug in Ländern der "dritten Welt" unterwegs. Finde es traurig das du dich wegen soetwas extra in einem China Forum anmeldest um deinem Entsetzen Luft zu machen. Finde es immer wieder interessant wie leicht sich Deutsche emotional instrumentalisieren lassen. Ich glaube das hängt mit dem extremen Regelrelativismus in unserem Breitengraden zusammen (schliesse hier Österreich durchaus ein, aber Deutschland ist noch eine Spur radikaler).violija hat geschrieben:Ich lebe in Deutschland und habe mich extra auf diesem Portal angemeldet, um meinem Entsetzen Luft zu machen. Kein Kind auf dieser Erde sollte auf solche Weise sterben müssen!
Dein Kommentar ist wirklich fehl am Platze, lebst du in China und hast dich bereits den Sitten und Gebräuchen des Landes angepasst?
Hat sehr viel mit unserer Vergangenheit zu tun. Negative Stereotypisierung, verbunden mit der gleichzeitigen Betonung der Überlegenheit der eigenen Kultur, die Schlussendlich in eine Kategorisierung aller Herren- und Untermensch abgleitet, ist die Kern von Rassismus und vor allem der Nazi Ideologie. Und die findet vor allem auf einer Emotionalisierenden Ebene statt - pseudowissenschaftliche Abhandlungen dazu, dienen nur zur Verstärkerung. Das ist natürlich nichts Deutsch(-Österreichisch)spezifisches, aber wenn wir schon immer wieder betonen, dass wir aus der Vergangenheit gelernt haben, überrascht es durchaus wie schnell wir doch wieder in alte Muster zurückfallen.violija hat geschrieben:Ich verstehe nicht, warum du auf unserer Vergangenheit herumreitest. Die hat doch nichts mit diesem Vorfall zu tun. Und was heißt hier "wegen so etwas" hier anmeldest?
Natürlich bin ich emotional, finde ich besser, als abgestumpft und gefühllos. Wir können doch nicht alle die Augen verschließen und so tun, als ob dieses Ereignis uns nicht berührt. Wenn alle schweigen und wegschauen, wird sich nie etwas ändern.
Dass du in Österreich einem jungen Mädchen geholfen hast, finde ich wirklich ehrenhaft. Auch bei uns in Europa zählt ein Menschenleben oft nicht viel, aber auch dann nehme ich mir die Freiheit, meine Empörung darüber zu äußern.
PS. Die Medien in Deutschland haben sehr wenig darüber berichtet, hauptsächlich verbreitet wurde es über Facebook, youtube und Mundpropaganda.
Jetzt reicht's aber.Wissen Sie, was mich total nervt?Das ist, wenn jeglicher Bericht eines deutschen Mediums über schlimme Vorfälle in China REFLEXARTIG von manchen Chinesen und insbesondere auch von sogenannten deutschen "China-Kennern" als Hasspropaganda gegen China abgetan werden.Zu deiner Erinnerung, der Vorfall in Foshan wurde nicht nur von manchen deutschen Medien verfolgt, sondern vorallem auch von Medien aus China, Japan oder Medien aus englischsprahigem Raum.Im Vergleich zu englischsprachigem Raum wird in Deutschland viel zu wenig über die Vorfälle in China berichtet.beowulf hat geschrieben:Hat sehr viel mit unserer Vergangenheit zu tun. Negative Stereotypisierung, verbunden mit der gleichzeitigen Betonung der Überlegenheit der eigenen Kultur, die Schlussendlich in eine Kategorisierung aller Herren- und Untermensch abgleitet, ist die Kern von Rassismus und vor allem der Nazi Ideologie. Und die findet vor allem auf einer Emotionalisierenden Ebene statt - pseudowissenschaftliche Abhandlungen dazu, dienen nur zur Verstärkerung. Das ist natürlich nichts Deutsch(-Österreichisch)spezifisches, aber wenn wir schon immer wieder betonen, dass wir aus der Vergangenheit gelernt haben, überrascht es durchaus wie schnell wir doch wieder in alte Muster zurückfallen.violija hat geschrieben:Ich verstehe nicht, warum du auf unserer Vergangenheit herumreitest. Die hat doch nichts mit diesem Vorfall zu tun. Und was heißt hier "wegen so etwas" hier anmeldest?
Natürlich bin ich emotional, finde ich besser, als abgestumpft und gefühllos. Wir können doch nicht alle die Augen verschließen und so tun, als ob dieses Ereignis uns nicht berührt. Wenn alle schweigen und wegschauen, wird sich nie etwas ändern.
Dass du in Österreich einem jungen Mädchen geholfen hast, finde ich wirklich ehrenhaft. Auch bei uns in Europa zählt ein Menschenleben oft nicht viel, aber auch dann nehme ich mir die Freiheit, meine Empörung darüber zu äußern.
PS. Die Medien in Deutschland haben sehr wenig darüber berichtet, hauptsächlich verbreitet wurde es über Facebook, youtube und Mundpropaganda.
Das ich dem jungen Mädchen geholfen habe, finde ich jetzt nicht großartig ehrenhaft. Hätte genauso gut anders kommen können - wie gesagt, wir waren schon 100 m weg, als wir uns dann doch noch umgedreht haben. Unser Zögern hat aber nichts mit "Menschenverachtung" zu tun gehabt, sondern eher mit Verwirrung und Überforderung in der Situation. Verbunden mit dem Bedürfnis sich jetzt nicht in irgendetwas verwickeln zu lassen und Probleme am Ende davon zu tragen. In so einer Situation spielen viele Faktoren eine Rolle und es gehen einem viele Gedanken durch den Kopf. Ich habe dem Mädchen am Ende geholfen und bin sehr froh darüber. Keine Frage. Würde ich es wieder tun? In der selben Situation wie damals ja und vor allem schneller und besser. Aber das liegt halt daran, dass diese Situation für mich nicht neu wäre und mich nicht überfordern würde. Wenn die Situation ganz anders ist? Ich weiß es nicht - wird sich dann zeigen. Ich kann nur hoffen, dass ich das richtige machen werde.
Ich muss bei sotwas immer an das Milgram Experiment denken. Wo fast jeder der das Video dazu sieht, davon überzeugt ist, es nicht zu tun. Wenn aber 99% sich so sicher sind, wie ist dann das erschreckende Ergebnis zu erklären?
Wenn du keinerlei Bezug zu China hast, versteh ich nicht warum du unbedingt deine Empörung dazu äußern musst. Tagtäglich sterben in den Slums von Calcutta (Strassen-, aber nicht nur) Kinder und keinen scherrt. Weder die Menschen vor Ort noch hier in unseren Breitengraden. Empörend nicht? Finde ich auch, aber ich laufe nicht gleich überall herum, wenn ich mal auf ein Video auf Youtube dazu stosse. Ich kenne halt die Welt schon gut genug, um mir nichts vorzumachen. Das bedeutet aber nicht, dass ich abgestumpft bin oder brav immer die Schnauze halte. Aber ganz ehrlich, was bringt es denn überhaupt wenn ich mich im Dorf über etwas aufrege, was 10.000 km weit weg entfernt passiert ist.
Ich frag jetzt bewusst, was das bringen soll? Ich kann hier nur erkennen, dass Hass geschürrt wird. Das hat aber für mich absolut nichts positives.
Ich war schon in einigen Ländern der Welt unterwegs und hab genug negatives gesehen. Natürlich auch und vor allem bei uns. Ich sag dir ganz ehrlich, es ist sehr leicht, wirklich äußerst leicht, eine Land, eine Kultur, eine Gruppe oder ein Individuum in ein Hassobjekt zu verwandeln. Besonders, wenn man Rückendeckung von anderen dabei hat und das Land, die Kultur, die Gruppe oder das Individuum davon nichts direkt mitbekommt oder sich dagegen nicht wehren kann. Und noch leichter ist es, wenn man das Land, die Kultur, die Gruppe oder das Individuum kaum oder nur wenig kennt oder als Konkurrenten/Fremde auffasst. Die Differenzierung nimmt automatisch ab und die negative Stereotypisierung nimmt zu.
Und das ist etwas was mich ziemlich nervt. Wir sind in Deutschland und Österreich einfach so unglaublich schnell mit negativen Sterotypen zur Hand. Egal ob Muslime, Russen oder Chinesen. Alles wird so schnell politisiert, instrumentalisiert und in ideologische Systemfragen umgemünzt.
ps. zur Metakommunikation. Ein Unfall mit Fahrerflucht+Bypasser Effekt. Das passiert jetzt genau in diesem Moment überall auf der Welt. Ja, sogar in Deutschland. Vielleicht weniger extrem, vielleicht sogar noch extremer - Kind liegt tagelang tot auf der Strasse (empfehle mal einen Ausflug in diverse dritte Welt Länder, z.B. Indien).
Es stellt sich hier neben der Frage wie es soweit kommen konnte (Bypasser Effekt, Rechtsunsicherheit, Entfremdung&Anonymisierung in Großstädten, kulturelle Faktoren etc.) auch die Frage warum es sowohl in China als auch bei uns so ein Thema ist. Natürlich, dass das Thema in China so groß ist, führt dazu, dass es auch in anderen Ländern behandelt wird. Das erklärt aber nicht die extreme gehäßigkeit in den deutschen Medien. Auf z.B. CNN wurde der Fall um Welten objektiver behandelt als bei uns.
versuch es mal mit Hirnbeowulf hat geschrieben:Warum wird die Story in Deutschland so ausgeschlachtet? Wiedermal Stimmung für den totalen Krieg machen?
beowulf hat geschrieben:violija hat geschrieben:
Werte, die über Jahrhunderte in einer Gesellschaft bestand hatten, können nicht binnen weniger Jahrzehnte zerstört werden. Und selbst wenn es so sein sollte, warum soll es dann ...punisher2008 hat geschrieben:[...]Aber es gab ja auch den Buddhismus der in China lange Zeit seinen Einfluß hatte. Zumindest der hätte doch in den Jahrhunderten gewisse Werte im Denken der Leute vermitteln müssen. Egal ob Konfuzianismus oder Buddhismus, diese Werte wurden größtenteils unter Mao zerstört. Die Jahre unter der KP sehe ich als Hauptursache für den heutigen Egoismus in der chinesischen Gesellschaft.laogai hat geschrieben:Und in der Tat, da wurde in den Jahrzehnten unter Mao nichts zerstört, weil es schon vorher nicht vorhanden war. Konfuzius hin, Buddhismus her.
... Jahrhunderte dauern, bis sie wieder restauriert werden?punisher2008 hat geschrieben:Nein, ich persönlich habe nicht die geringste Hoffnung dass sich hier so schnell (sagen wir in den nächsten Jahrhunderten?) was ändern wird.
Dafür, dass du "Die hässlichen Chinesen" im Original gelesen hast, weißt du aber ziemlich wenig über den Autor. Er hat neun Jahre als politischer Gefangener im "relativ freien Taiwan" verbracht, sechs davon, als Taiwan keineswegs "frei" war, sondern eine Diktatur.punisher2008 hat geschrieben:Er hatte das Glück, im relativ freien Taiwan aktiv sein zu können.laogai hat geschrieben:Leseempfehlung: Bo Yang.
Abgesehen davon, das Du relativierst ist das ist mal eine gewagte These, zumal diesbez. auch noch ordentlich pauschalisiert wird - so zumindest der Eindruck. Sollte dies nicht so sein, so wäre es mir neu, wenn sich, wie von Dir beschriebene rassenideologische Merkmale und Assoziationen während einer Zeitschleife dermaßen fest im mind etablieren (wir reden hier von einer Zeitschleife von einige Jahren in denen eine entsprechende Indoktrinierung stattfand), das diese sich auf folgende Generationen auch noch übertragt bzw. unterbewusst verflechtet sind. Gibt es dazu eine Quelle?Das ist natürlich nichts Deutsch(-Österreichisch)spezifisches, aber wenn wir schon immer wieder betonen, dass wir aus der Vergangenheit gelernt haben, überrascht es durchaus wie schnell wir doch wieder in alte Muster zurückfallen.
Du relativierst auch hier, wieder einmal.Und das ist etwas was mich ziemlich nervt. Wir sind in Deutschland und Österreich einfach so unglaublich schnell mit negativen Sterotypen zur Hand. Egal ob Muslime, Russen oder Chinesen. Alles wird so schnell politisiert, instrumentalisiert und in ideologische Systemfragen umgemünzt