krebsandreas hat geschrieben:
Es ist sicherlich so, dass es bei Betrachtung des TV Programms schon auffällig ist wie sehr auch auf die Probleme Chinas hingewiesen wird. Manchmal kommt es einem sogar vor es würde gerade zu nur nach Negativem gesucht.
Finde ich nicht. Klar, in Nachrichten etc. berichtet man hauptsächlich von den negativen Dingen, aber das ist bei Nachrichten ja nicht unnormal. Ansonsten gibt es sehr viele Dokus über China, die sich mit der schönen aber auch der unschönen Seite Chinas befassen. Wir haben hier einen riesigen TV-Ordner mit massenhaft hinweisen auf Dokus mit dem Thema "China". Wer da also nur schlechte Dokus und reisserische Hetzerei finden will hat leider seinen Verstand nicht eingeschaltet.
krebsandreas hat geschrieben:
Man nehme nur die Kommentatorin Frau Mayschberger bei der Eröffnungsfeier (Zitat: "militärischer Drill, überperfekt....). Dazu sollte man vielleicht schon kritisch anmerken, dass es bisher sicherlich noch kein Land gegeben hat, welches bei einer olympischen Veranstaltung nicht besonders gut wegkommen und einen perfekten Eindruck machen wollte. Das ist ja auch nur mehr als normal. Bei allen Problemen die es sicherlich gibt, sollte man zwischen gerade bei einer solchen Veranstaltung zwischen dem Staat an sich und den Leuten unterscheiden denen es einfach eine Freude ist die Welt zu Gast zu haben und einfach etwas darzubieten was es bisher nicht gegeben hat. Ich muss zugeben, dass mich gerade diese Kommentierung auch sehr geärgert hat. Ich habe mich einfach an dieser perfekten Inszenierung erfreut.
Sehr viele Menschen haben sich über diese Inszenierung gefreut. Und wenn man sich den Ordner dazu durchgelesen hätte, wäre auch dieses Thema längst erledigt. Viele finden, die Kommentare von Frau Maischberger waren unangebracht gewesen - ich persönlich finde das nicht. Allerdings habe ich da auch nicht so viel reininterpretiert wie manch andere Leute. Und im Gegensatz zu vielen anderen bin ich der Meinung es ist richtig, bei aller Schönheit und Perfektion die dort gezeigt wurde auch darauf hinzuweisen das z.B. die Tibeter wahrscheinlich nicht so viel Grund zur Freude an den Spielen hatten - allein wegen der Unruhen kurz vorher.
krebsandreas hat geschrieben:
Dagegen kann man natürlich argumentieren, dass China durch die perfekten Inszenzierungen versucht hat die offensichtlichen Probleme in der Vorbereitung (Fackellauf, Tibet etc. ) zu kaschieren. Dies führt meiner Meinung zu der Frage inwieweit man sich bei diesen Problemen überhaupt auf schwarz-oder weiss festlegen kann bzw. sollte.
Natürlich wollte China sich besonders gut darstellen - so wie jede andere Nation es auch will, wenn sie die Chance dazu haben.
krebsandreas hat geschrieben:
1. Menschenrechte- Sicherlich ist es so, dass in China die Menschenrechte mit Füßen getreten werden. Ich selbst habe in China die Willkür des Staates zu spüren bekommen.
Würde mich (und bestimmt auch andere) mal interessieren, was dir dort widerfahren ist, erzähl doch mal.
krebsandreas hat geschrieben:
Auch wir haben die Entwicklung hin zum Rechtsstaat und zur Demokratie durchmachen müssen. Auch wir haben in der Vergangenheit Menschenrechte mit Füßen getreten und machen dies immer noch.
Aus welchem Land kommst du? Ich bin mir natürlich nicht 100% sicher, aber das wir in Deutschland Menschenrechte mit Füssen treten wäre mir neu. Dafür ist unsere Medienlandschaft zu präsent und reisserisch
krebsandreas hat geschrieben:
Abschließend würde ich gerne noch auf die Ein Kind Problematik eingehen. Sicherlich ist es so, dass es sich bei dieser Politik um ein Zweischneidiges Schwert handelt. Vorteilhaft ist sicherlich, dass man die Bevölkerungsentwicklung verlangsamt. Negativ wirkt sich aber aus, dass die demographische Entwicklung in den nächsten 50 Jahren stark der der europäischen Union ähnelt. China hat also zusätzlich mit dem Problem zu kämpfen, dass die Bevölkerung altert und keine Jungen Leute nachkommen. Dazu muss man auch bedenken, dass China über kein soziales System für alte Menschen verfügt. Alte werden durch die Jüngeren versorgt. Dieser Kreislauf ist damit unterbrochen.
Die Ein-Kind-Politik als solche wird auch nicht so stark kritisiert. Das Schlimme daran ist die Art und Weise, wie sie (zumindest lange Zeit) durchgesetzt wurde - mit Zwangsabtreibungen etc. Damit wären wir aber wieder beim Thema Menschenrechte.
krebsandreas hat geschrieben:
Erwähnt werden muss aber auch, dass die 1-Kind Politik schon seit Jahren nicht mehr bis in letzter Konsequenz durchgehalten wird. Auf dem Land kaufen sich viele Familien von dieser Beschränkung frei; in Peking habe ich beispielsweise von vielen Familien gehört, dass in den großen Städten garkeine Beschränkung mehr vorherrscht.
Das wiederum habe ich etwas anders in Erinnerung.
Auf dem Land war es schon immer schwer, die Ein-Kind-Politik kosequent zu verfolgen. Aber die Meldepflicht ist auch dort vorhanden. Daher soll es sehr viele "illegale" Kinder auf dem Land geben, da die Bauern auch keine andere Chance haben. Denn wie du auch geschrieben hast gibt es in China kein Sozialversicherungssystem wie wir es kennen, und die Kinder sorgen für die Eltern.
In der Stadt existiert die Ein-Kind-Politik immer noch - und wird auch konsequent verfolgt. Aber:
Paare die selbst Einzelkinder sind dürfen zwei Kinder haben. Ärzte dürfen zwei Kinder haben. Und wer genug Geld hat um Strafe zu zahlen dürfen auch zwei (oder mehr) Kinder haben. Ich kenne selbst jemanden, der für das zweite Kind Strafe zahlen durfte.
krebsandreas hat geschrieben:
So jetzt habe ich mir aber ganz schön die Finger wund getippt. Ich habe einfach mal versucht, Argumente einzubringen und so objektiv wie möglich zu betrachten.
Beste Grüße
Andreas
Hoffe deine Finger heilen schnell wieder
