hobbyhistoriker hat geschrieben:Hallo Martin
Es klingt alles einleuchtend was du schreibst und man sieht, dass du nicht zum ersten Mal über solche Themen diskutierst. Mit einigen Aussagen (die Hypothesen sind, weil nicht bewiesen) und Schlussfolgerungen bin ich persönlich nicht einverstanden aber das ist eben auch nicht wichtig, da ich auch persönlich nur ein Hobbyhistoriker bin und mich nicht zu weit vorlehnen möchte so wie du.
Auf dieser Art kommt eine gewisse Überheblichkeit deinerseits rüber wie die Aussage, "was ich eben erzählt habe ist nur ein Vorschlag von vielen". Damit machst du verständlich, dass die einzige Lösung und Wahrheit bei dir zu finden ist. Glaube mir, dem ist nicht so, aber ich habe weder Zeit noch die Geduld jetzt deinen Beitrag zu zerpflücken und deine hyphotetischen Ansätze, Satz für Satz zu kommentieren.
Ich glaube hier hast du mich falsch verstanden. Mit dem Satz, "das ist nur ein Vorschlag von vielen" habe ich einen Vorschlag aufgegriffen, der nicht von mir, sondern von Chinesen selbst stammt, mit denen ich mich unterhalten oder gelesen habe.
Wie ich bereits gesagt habe, halte ich die Chinesen für klug genug ihre Probleme selbst zu lösen. Allerdings weiß ich auch, dass viele Chines eben Demokratie oder mehr rechtsstaatliche Freiheit als einen Weg der Lösung vieler Probleme erkennen oder sehen und auch fähig sind, auf diesem Wege Probleme zu lösen ODER zu diskutieren. (Siehe Internet-aktionen, Mauer der Demokratie, Demokratiebewegung etc...alles was ich schon erwähnt habe). Das einzige, was ich kritisiere, ist die KP, die alle diese Bewegungen im Keim erstickt. Ich bin überhaupt nicht dafür, dass ICH die Lösung sage, einfach deswgen, weil ich der Überzeugung bin, dass es genug kluge Köpfe gibt - selbst soga innerhalb der Partei (in Form von Mitgliedern) - die vernünftig sind, die derzeitige Situation richtig einschätzen und die das Land auf einen besseren Weg bringen könnten - aber nicht gelassen werden. Ich zwänge das Land weder in einer Richtung, noch verlange ich das China, dies und jenes tut. Und so ist auch meine Homepage zu verstehen: ich mache nur auf Dinge aufmerksam, die politisch so und so laufen. Ich schreibe nicht, wie man es besser machen sollte, sondern verweise auf Posititionen von Dissidenten oder kritisiere unsere Außenpolitik.
Hingegen tun meine Diskussiongegner hier im Forum genau das, was sie mir vorwerfen: sie glauben zu wissen, was für China gut ist und was nicht, denn sie behaupten sinngemäß z.b. der "Konfuzianismus macht Demokratie in China unmögich" oder "Die Bildung der Chinesen reicht nicht aus, für dieses oder jenes". Ich sage einfach: die KP soll das Volk mal etwas ernster nehmen und auf es eingehen und sich an die verfassungsgegebenen Rechte halten und diese mal dem Volk auch zugestehen.
Was Menschenrechte angeht: ich glaube in dem Punkt wären wir uns einig, dass es sicherlich falsch ist, Menschen zu foltern oder zu quälen. Da braucht man nicht darüber diskutieren, das ist einfach unmenschlich und auch Chinesen haben ein Recht auf Menschenrechte. Diese einzufordern ist kein Einmischen in innere Angelegenheiten oder das Vorschreiben eines politischen Systems. In dem Punkt, glaube ich, muss man differenzieren können.
Es gibt Fragen die lauten könnten,:
Woher willst du genau wissen wie sich die KP verhält und was für eine Intention sie heute und für die Zukunft hat?
Nun, wie die KP sich jetzt verhält ist für jeden ersichtlich. Welche Intention sie mit Zensur in Internet oder Verbot von Satelliten-schüsseln bezweckt, sollte auch erkenntlich sein.
Woher willst du denn so genau wissen, dass das Volk heute nicht schon mehr Freiheiten Rechte erhielt als es vorher hatte und das es nicht noch mehr bekommen wird.
Du schreibst selber dass, Demokratie nicht von heute auf Morgen geschaffen werden kann, dass heute schon die Menschen besser leben als noch vor einpaar Jahrzehnten.
Woher willst du wissen, dass diese positive Entwicklung sich nicht später mit ein wenig Zeit über das gesamte Land ausweitet? Das ganze hat doch erst vor 20 Jahren angefangen. Unglaublich wie China bei dieser Entwicklung in 20 Jahren aussehen wird.
Ich kann nicht sagen, was in 20 Jahren passiert, aber ich kann sagen, was die Partei derzeitg macht: ihre Macht sichern. Man muss bei China ganz klar zwischen wirtschaftlichen Erfolgen, die unbestritten vorhanden sind, und der Rechtsstaatlichen Entwicklung unterscheiden können. Selbst die Grünen haben nach einer Anfrage von mir zugegeben, dass es Rechtsstaatlich und in der Menschenrechtsfrage KEINE Verbesserung seit 1989 gegeben hat.
Ist es nicht so, dass du voreingenommen bist und es dir schwer fällt, die KP als die Regierung Chinas zu akzeptieren und ihr in manchen Fällen Lob auszusprechen? Du sprichst dieser Regierung die Fähigkeit ab, sich ändern zu wollen und zu können.
Nein, ich glaube schon, dass die KP einem Wandel unterliegt. Das ist schließlich auch eine Generationenfrage. Ob aber dieser Wandel dazu führen wird, dass die Partei sich freiwillig einem Wettbewerb stellt und die strenge Zensur, die in den letzten Jahren immer weiter ausgebaut wird, wieder zu lockern, das bezweifle ich. Sollte die Partei WIRKLICH die Zensu z.b. im Internet lockern, so werde ich sicherlich zu den ersten gehören, die dies positiv erwähnen. Aber derzeit ist in allen rechtsstaatlichen Beschlüssen eher eine negative Entwicklung zu beobachten. Auch bei der Todesstrafe, die einer Delikterhöhung in den letzten Jahren unterlag.
Du siehst ein, dass die KP nun offenbar eine intelligentere Führung hat, aber hälts die Vorwürfe, die sich seit den Anfängen nicht geändert haben der KP immer noch vor. Ich höre immer Mao, Kulturrevolution, Grosser Sprung nach vorne, Jiang Zeming usw. Gehören diese Ereignisse nicht endlich der Vergangenheit an?
Ja, diese Ereignisse gehören der Vergangenheit an. Aber es geht ja nicht um diese Positionen. Ich erwähne ja auch Tibet, Ost-Turkestan, Hongkong, Internetzensur, Todesstrafe, Folter an Angehörigen freier Religionsgruppen, Taiwan-Konflikt und Tiananmen-Massaker, welches immer noch in die Gegenwart durch die Gefangen hineinreicht.
Klar gibt es immer noch Mißstände in China, aber auch diese werden von der Regierung angepackt. Aber sturr Leuten immer etwas vorhalten, was deren Vorgänger getan haben zeugt von Ignoranz.
Sagen wir es mal so: die wirtschaftlichen Mißstände werden in der Tat angepackt. Die Rechtsstaatlichen nicht. Auch in Hongkong ist keine Besserung, sonder ein Verschlechterung der politischen Situation zu beobachten - das reicht bis zu Morddrohung und Büroverwüstungen von durch Volk gewählter Hongkonger Abgeordneter. Auch in der Außenpolitik mischt sich China in innerstaatliche Angelegenheiten immer häufiger ein - selbst dann, wenn es nur um eine Briefmarke in Österreich geht, die den Dalai Lama zeigt und ihm zum Geburtstag gewidmet ist. Briefmarke wurd auf Druck China in Österreich nicht mehr veröffentlicht.
China hat verstanden, dass es Dank des Großen Marktes selbst Bedingungen stellen kann und sich selber nicht mehr an Bedingungen halten muss. Das haben sie auch Schröder gegenüber bei der Diskussion um die Aufhebung des Waffenembargos klar gemacht. Das ist mitnichten eine positive Entwicklung. Wirtschlaftlich Erfolg - keine Frage! Rechtsstaatlicher Erfolg ist aber praktisch nicht vorhanden.
Besonders in diesem Jahr wurden sehr viele Reformen verabschiedet. Nein, nicht nur in Deutschland. Der Polizeit ist es NICHT mehr erlaubt willkürlich Verdächtigte lange festzuhalten. Die Subventionen für die ärmeren Provinzen wurden aufgestockt und mehr Geld fließt in den armen Westen des Landes um die Wirtschaft dort aufzubauen. Die KP hat sich mittlereweile ganz aus dem Privatleben der Chinesen zuückgezogen, was damals nicht so selbstverständlich war. Man bleibt nicht so untätig wie du es beschreibst.
Hier unterliegt man meiner Meinung nach einer gewissen Täuschung, da wir die Terminologie dieses Staates nur schwer verstehen. Wenn Schröder sagt, "Wir unterstützen das Ein-China-Prinzip, solange ihr das friedlich umsetzte" und China sagt dem zu, dann muss man das in der Terminologie China betrachten. China vertritt heute noch die Position, Tibet "friedlich befreit" zu haben. Sie sprechen bzgl. Taiwan von "Wiedervereinigung", meinen darunter aber eine mögl. Invasion. Sogar was Atombombentests angeht - sie haben Unterschrieben, keine militärischen Tests weiter durchzuführen - haben sie es sich offengehalten, "friedliche Atombombentests" weiterhin durchzuführen (Explosion für angeblich unterirdische Bauten...etc)
Was bedeutet also nun "grundlos" im obigen Falle? Grundlos hat doch die Partei noch nie etwas gemacht. Die Polizei darf doch weiterhin dann einschreiten, wenn die "Sicherheit des Staates" bedroht ist - und die kann schon durch eine bloße Meinungsäußerung, die "Seperatismus" (z.B.: "Taiwaner sollen selbst entscheiden, wohin sie gehören" - > siehe Film&Ton, oberste Doku meiner Homepage) oder die einen "Umsturzversuch beinhalten" (z.B. "Tiananmen 1989 war ein riesenfehler", oder eine eigereichte Petition oder angemeldete Demonstration) bedroht sein und so wird es weiterhin zu extremen und in unseren Augen willkürlichen Maßnahmen führen, die wunderbar begründet bleiben. Genau das war die geplante Änderung in HK, die durch eine Demo aufgeschoben wurde. Rechtsstaatlich ist also diese Änderung nur ein Papiertiger, genauso wie die verfassungsgegeben Möglichkeit der Demonstration und Petition.
Was die wirtschaftlichen Änderungen angehen und die nun verstärke aufmerksamkeit auf ärmere Provinzen, so sind diese durchaus zu begrüßen.
Ach ja, die Weltraummission, dient nicht nur dem Image des Landes, sondern hat auch eine nicht geringe wirtschaftliche Bedeutung für das Land. Nur nebenbei bemerkt.
Das kann sein. Allerdings nur, wenn die Chinesen mit eigenen Erfindungen und eigenen Entwicklungen, ohne die RUssen zu kopieren, diese Mission anpacken, und so neue Patente einbringen können, über deren Lizenzen man wieder Geld reinholt. Dazu gehört dann sicherlich aber auch, sich selbst an fremde Patente zu halten.
Du kannst Negativschlagzeilen schreiben und Hyphothesen aufstellen (woraus der größte Teil deiner Beiträge bestehen, denn beweisen kannst du sie nicht) aber bist nicht in der Lage auch die positven Aspekte zu sehen (und erzähl mir nicht dass es keine gibt). Das treibt dich nur in eine Ecke. Die China Hass Ecke.
Ich bin kein China-Hasser - das verbitte ich mir. Wenn ich das wäre, würde ich alles über einen Kamm scheren. Du kannst mich von mir aus KP-Hasser nennen, wenn es dich zufriedenstellt, aber China selbst halte ich für ein schönes Land - eine Sektion "die Sonnenseiten Chinas" ist sogar für meine Homepage geplant.
Auch richtet sich meine Kritik nicht nur an die KP, sondern auch an unsere Politiker, die ihre Ideale wiedermal über Bord geschmissen haben und wiedermal vergessen haben, was sie 1998 noch alles so rumgetönt haben. Dazu siehe hier:
http://home.t-online.de/home/torsten.ch ... nschen.htm , wo auszugsweise steht:
"3. April 1998 - 0447
Internationales aus der SPD-Bundestagsfraktion
Dialog über Menschenrechte in China nicht wirtschaftlichen Interessen unterordnen
Nach einem Gespräch mit dem chinesischen Dissidenten Wei Jingsheng erklärt der Koordinator für internationale Politik der SPD-Bundestagsfraktion, Günter Verheugen:
Die Begegnung mit dem bedeutendsten Vertreter der chinesischen Demokratiebewegung, Wei Jingsheng, unterstreicht das Eintreten der SPD-Bundestagsfraktion für Demokratie und Menschenrechte in China.
Eine sozialdemokratische Bundesregierung wird gegenüber China eine Politik verfolgen, die den politischen Dialog über Menschenrechte wirtschaftlichen Erwägungen nicht unterordnet. Es ist falsch, gegenüber der chinesischen Staats- und Parteiführung die eigenen Werte und Ideale zu verschweigen, weil man sich davon Aufträge erhofft. Was während der letzten Chinareise Helmut Kohls mit dem Besuch bei der Volksbefreiungsarmee an Schaden angerichtet worden ist, darf sich nicht wiederholen."
Tja, so schnell ist alles vorbei und vergessen. Und wenn man das neben den letzten Chinabesuch von Schröder stellt ist das ganze schon eine ziemlich peinliche Farce, was?
Gruß,
Martin