da hai hat geschrieben: 08.10.2023, 18:53
Statistik 2019 für China
Falls ich in einem sozialen Brennpunkt in Deutschland wohnen würde, etwa Berlin-Kreuzberg, und über das Recht der freien Schulwahl kein vernünftiges Ergebnis erhielte, würde ich mich für eine Privatschule für mein Kind entscheiden.
Durchschnittlich werden dort 250-300 Euro im Monat verlangt und einen solchen Betrag können viele schultern.
Das durchnittliche Haushaltsbruttoeinkommen beträgt in Deutschland 5.476 Euro, das "ausgabefähige" Einkommen 4.268 Euro.
Da sind 250-300 Euro für die Privatschule keine Überforderung, zumal dies auch noch von der Steuer abgesetzt werden kann.
Besserverdienende streichen einfach einen Besuch in einem guten Restaurant im Monat und die Sache ist erledigt.
Deine verlinkte Webseite ist eine der Veröffentlichungen des zur Propaganda verpflichteten Bildungsministeriums von China, denen ich natürlich skeptisch gegenüber stehe. In diesem Falle scheint man bei der Wahrheit geblieben zu sein, von den Klassengrößen einmal abgesehen.
In Deiner Quelle heisst es: "Landesweit erhöhten sich die privaten Bildungseinrichtungen 2019 um 8.052 auf 192.000, das waren 36,1% aller Schulen und Hochschulen. [...] Die Gesamtzahl der Lernenden und Studierenden stieg um 2.384.000 (4,4% in Prozenten) auf 56.166.000. Das waren 19,9% aller Schüler und Studierenden in China."
Dies deckt sich ja zu fast 100% mit meinem Recherce-Ergebnis:
"rund 200.000 private Schulen gibt, an denen 56,4 Millionen chinesische Schüler eingeschult sind".
Tolle Sache!
Nur, mit dem Streichen eines Familienabendessens in einem guten Restaurant ist die Ausbildung auf einer Privatschule nicht erledigt.
Der finanzielle Stress geht ja schon im Kindergarten los. Viele der besseren Grunschulen setzen den Besuch eines "guten" Kindergartens voraus. Eltern verausgaben sich hier bereits, um die erste wichtige Weiche zu stellen. Und "99,3% aller eingeschulten Kinder haben zuvor die Angebote der frühen Bildung in Anspruch genommen.", sagt Deine Quelle.
In städtischen Gebieten haben knapp 30% der Kindergärten eine private Trägerschaft (wie Deine Quelle ausführt), sind also privat und kostenpflichtig, wie übrigens auch die "am Gemeinwohl orientierten" Kindergärten.
An Preisangaben habe ich gefunden: 30.000 RMB / Jahr gilt als billig, 150.000 RMB / Jahr für einen Kindergarten als teuer.
Die große Masse der "Trainingschools", Nachhilfeschulen, Ferienschulen, usw., die an Wochenenden und in der Schulferien die Schüler bilden, entweder um fehlende Leistung der staatlichen Schule auszugleichen oder um Vorteile ggnüber Mitschülern zu erreichen, sind in Deine Quelle ausgeklammert (Fussnote [2]).
Gerade in diesem Segment werden wohl die höchsten Umsätze erzielt.
Statt Google kann man einfach betroffene Menschen befragen.
Dies habe ich in den letzten Tagen mal unter meinen chinesischen Kollegen gemacht, die hier zur innerbetrieblichen Schulung sind.
Einige von denen sind selbst Eltern.
Trotz regionalen Unterschieden geben alle an, dass eine ordentliche Ausbildung eines Kindes einige Hundertausend RMB kostet, wer Eliteschulen oder -Universitäten in Betracht zieht, auch ein Mehrfaches davon.
Die Frage, ob dies auch kostenfrei oder für kleines Geld geht, wurde mit einem Lächeln quittiert.
Für mich ist damit dieses überschaubare Thema auch erschöpfend behandelt.
Es ist offensichtlich, dass man bereits einen "guten" Kindergarten benötigt, um von einer "guten" Grundschuld akzeptiert zu werden, mal ganz abgesehen von anderen Fragen wie etwa dem Wohnsitz. Dies setzt sich dann über Mittelschule, Oberschule und Universität fort.
Fast alle Kinder nehmen schulergänzende Leistungen in Anspruch oder besuchen gleich private Schulen. Dies führt zu enormen finanziellen Belastungen der Familien, die dann auch noch hoffen müssen, dass kein Krankheitsfall in der Familie auftritt mit längerem, stationärem Aufenthalt, was in den Ruin führen kann.
Alles in der Hoffnung, später zu der kleineren Gruppe zu gehören, die einen gut besoldeten Job ergreifen kann.
Um es allgemein zu sagen: Ordentliche Bildung ist China meist nur von reichen Eltern für ihr Kind erreichbar, wobei das Bildungsniveau internationale Standards nicht erreicht.
P.S.: Deine "Einordnung" dient eher der Verwirrung.
Belgien beispielsweise hat keine Schulpflicht.
Eltern dort entscheiden selbst, wie ihr Kind ausgebildet wird, etwa durch Hausunterricht. Oder später durch private Bildungseinrichtungen.
Dies ergibt folgerichtig einen hohen Anteil in privaten Schulen (öffentliche gibt es wenige), der die chinesischen Zahlen Deiner Quelle offensichtlich relativieren soll.
Dies ist gewollt und gehört in die Kategorie "fake news".
In China ist ohne Moos nix los.
Insbesondere nicht in der Ausbildung eines Kindes.