Jetzt mal meine 2 Cent:
Ich bin Student der Rechtswissenschaften, meine Freundin auch.
Ich habe ein Jahr in China studiert, meine Freundin wird ein halbes Jahr in Deutschland studieren.
Ich beziehe nachfolgend Geschriebenes allein auf dieses Gebiet.
Unser Jura-Studium fängt etwa mit dem 19. (Männer wg. Bundeswehr- oder Ersatzdienst meist 20.) Lebensjahr an.
Meine Freundin fing' mit 17 an.
In Deutschland werden von Anfang an nur rechtswissenschaftliche Vorlesungen angeboten. Ein interdisziplinäres Fach muss für ein Semester besucht werden (Vwl für Juristen, Mediation, etc.).
Das ganze Studium ist sehr wenig verschult, alles ist mehr oder weniger freiwillig (keine Anwesenheitskontrolle, keine Kontrolle, wer was wo wie schreiben sollte oder müsste, etc.).
In China sind die ersten zwei Jahre mitunter sehr verschult, fast wie die deutsche Oberstufe am Gymnasium, es gibt Sport, studienfachferne Unterrichtseinheiten, vorbereitende Kurse auf das "wirkliche" Studium.
Wir müssen 3 Monate Praktika vorweisen können.
In Beijing ist dies mehr oder weniger freiwillig, ein Monat.
Unser Studium dauert (bei perfekter Planung und keinen Fehlschlägen): 8 Semester, Staatsexamen.
4 Semester Referendariat, 2. Staatsexamen. Komplett: Mindestens 12 Semester, eher mehr - sprich: über 6 Jahre. Deutsche (Voll)Juristen sind deshalb mindestens 25, eher älter. Die meisten werden wohl mit 27-30 Jahren in den Beruf einsteigen (Auslandssemester, Master-Degree, Promotion, etc.).
Das juristische Studium dauert in China auch 8-10 Semester. Allerdings sind davon die ersten 4 auch anderweitigen Fächern geöffnet. 4 bis 5 Jahre. Chinesische Juristen sind demnach 22 bis 23 Jahre alt. Mit Auslandssemestern, Master-Degrees, Promotion: 25-26. Also bis zu 5 Jahre jünger als deutsche Juristen bei Berufseinstieg.
Studieninhalt:
Das deutsche und chinesische Studium der Rechtswissenschaften gleicht sich in einem Punkt (leider) komplett: fehlender Praxisbezug. "Wir" sind Fachdeppen, die im Beruf erst einmal eingelernt werden müssen.
Unterschiede: deutsche Juristen lernen das System, lernen die Fähigkeit, unbekannte Sachverhalte so zu bearbeiten, dass diese anhand des Gesetzes gelöst werden können. Klausuren sind oftmals Fälle. Dies stellt zwar keinen Praxisbezug her, hat aber den Vorteil, dass man nur mit dem Wissen um des Systems "alles" lösen kann. Der Student wird aber wie so oft sich völlig selbst überlassen, Eigenständigkeit geschult.
China: hier wird oftmals Theorie abgefragt. Also wenig Fälle, sondern Lehrbuchwissen. Dies ist sicherlich auch wichtig, aber leider ein Auswendiglernen. Jedoch gibt es einzelne Gebiete, in denen ein fallorientierteres Lernen stattfindet. Dem Student wird aber auch hierbei oftmals eingetrichtert, wie er was zu tun hat. Unbekanntes wird zum unüberwindlichen Hindernis.
Fazit:
Vorteil Deutschland: Systemverständnis, Eigenständigkeit.
Vorteil China: großes Hintergrundwissen, früherer Abschluss.
Nachteil Deutschland & China: fehlende Praxis.
Die Studienwege unterscheiden sich zum Teil sehr. Allerdings ist in meinen Augen beides durchaus verbesserungswürdig
Gruss,
TaugeNix^widmet sich dann erstmal dem Sport um sich dann seinem verbesserungswürdigen Studium hinzugeben
