Passt eine Religionsdebatte in diesen Thread? Ethik, Moral...? Hmmm, JA! Also los...
@beowulf:
Ein Agnostiker hängt (sic!) mit Sicherheit nicht seinen eigenen Goettern an. Da ein Agnostiker offen zugibt, dass er es nicht weiß.
Ja, so dachte ich auch. Bis ich merkte, dass ausserhalb der philosophisch-theologischen Debatte, wo man sich so elegant in eine Position des Zweifelns zurueckziehen kann, ich im taeglichen Leben mich auf so einiges fest verlasse, angefangen damit, dass auch morgen wieder die Sonne aufgeht.
@Taiyang:
Ein Beispiel: mein Herz hängt an meinen 3 Meerschweinchen; demnach wären sie für mich Gott (bzw. die Dreifaltigkeit )...
Genau. In meinem Fall sind es meine Frau, meine Familie, meine Freunde, meine Aufgaben, mein Erfolg... Auf diesen Stuetzen steht meine Welt, an diesen Goettern haengt mein Herz.
aber ich habe bisher noch nicht mitgekriegt, dass meine Meerschweinchen mir auferlegen würden, ich müsse andere missionieren, umbringen weil sie lieber ihren Hund verehren, oder sie selbst fünf Mal am Tag anbeten.
(Dass ich ihnen dennoch 3 mal am Tag eine Gurke opfere zählt mal nicht )
Das ist jetzt der alte Zirkelschluss: Da Du definierst, dass Religion intolerant sein muss, dann darf es keine Religion sein, wenn es nicht intolerant ist...
Viele Religionsfeinde fallen in dieses Denkmuster: Sie konstruieren sich einen Strohmann, was Religion bedeutet, und wie schlimm Religion ist, den sie dann genuesslich verbrennen koennen. Nur, dass sich wohl kein Glaeubiger einer Religion jemals an diesen selbstgebastelten Strohmann so glauben wuerde.
@devurandum
Wie sagte Luther? Woran der Mensch sein Herz hängt und worauf er sich verlässt, das ist sein Gott.
Die Vorrausgegangene Annahme dieser Aussage ist "jeder Mensch braucht einen Gott". Logisch gesehen ist diese Aussage also voellig sinnlos, wie so einiges, was Luther von sich gegeben hat. Logik war ja nicht ohne Grund der Wegbreiter der Aufklaerung.....
Deine Logik musst Du mir nochmal erklaeren. Wo zauberst Du denn ploetzlich das „brauchen“ her? Das irgendwer einen Gott „braucht“, ist in keiner Weise eine Annahme, die Luther hier vorraussetz. Er sagt lediglich, dass jeder einen oder viele Goetter
hat, und sagt sogar ganz genau, wer oder was diese Goetter sind.
Anders ausgedrueckt: Wir alle verlassen uns letzlich auf eine Vielzahl von Massstaeben und Sicherheiten, die wir zwar vielleicht „rationalisieren“ koennen, wenn wir sie hinterfragen, die wir aber nicht aus selbst-evidenten Axiomen logisch ableiten koennen (wie das so einige der etwas verblendeteren Kinder der Aufklaerung gehofft hatten) oder „wissen“, sondern die wir einfach glauben. Um die Kurve zum Thread-Titel wieder zurueckzufinden: Unser Wertsystem, unsere Ethik, faellt in diese Kategorie. In Deinem Fall, so scheint es mir, faellt auch in diese Kategorie Dein Glaube an das Nicht-Brauchen von Goettern, sowie ein Glaube an Logik und Szientismus.