NHR hat geschrieben:Warum das Bildungssystem immer schlechter wird? Ich sehe da zwei Gründe:
Immerhin
ganze zwei Gründe...
NHR hat geschrieben:1. Antiautoritär ist noch immer in. Meine Mutter ist Lehrerin und naja, vergessen wir das. Die Elternvertretung hat da teils 20 mal mehr Macht als jeder Lehrer.
Irgendwie ist bei mir in den letzten Jahren, was die Medienwirksamkeit angeht, eher der gegenläufige Trend im Gedächtnis verhaften geblieben. In zahlreichen Medien (Fernsehen, Internet, Presse, Buchmarkt, Rundfunk) propagierten Pädagogen, (Kinder-)Psychologen und andere eine "neue" Hinwendung zu mehr Disziplin im Leben von Kindern, zu einer stärkeren Führung durch die Erwachsenen im Sinne einer Rahmensetzung.
Und populäre Kindererziehungsmethoden mit alternativem Touch wie z. B. Montessori-Pädagogik missversteht man meines Erachtens, würde man das mit "antiautoritärer" Erziehung gleichsetzen.
Die Rückfragen lauten daher also: Was verstehst Du unter "antiautoritär"? Und: Ist das nach Deiner Ansicht oder der Erfahrung Deiner Mutter für die Gesinnung der Schüler-Eltern prägend? Falls ja, an was für einer Schule unterrichtet denn Deine Mutter?
NHR hat geschrieben:2. Deutschland hat es sich zur Aufgabe gemacht, alle "nicht so gebildeten" Ausländer aufzunehmen. Hoffe, das war politisch korrekt genug.
Ich würde behaupten, dass auch die "nicht so gebildeten" Ausländer den pejorativen Aspekt dieser - in dieser Form(ulierung) sicherlich falschen - Behauptung durchaus erfassen könnten. In diesem Sinne war die Aussage, da der Subtext offen zu Tage tritt, eher nicht "politisch korrekt genug". Aber ob letzteres der Fall ist, entscheidet wiederum wohl weniger die Formulierung selbst, als der Empfänger der Nachricht. Ich sehe das dementsprechend also wahrscheinlich anders als eine unbestimmte Anzahl von Mitlesern dieses Postings...
Der eigentliche Anlass dieser Antwort gilt aber eigentlich der meines Erachtens falschen Behauptung, Deutschland habe "es sich zur Aufgabe gemacht, alle "nicht so gebildeten" Ausländer aufzunehmen." Aus der Sicht eines im Ausländerrecht tätigen Rechtsanwalts darf ich wohl behaupten, einen gewissen Einblick in die deutsche Ausländerpolitik zu haben und kann diese Behauptung nicht unwidersprochen lassen. Bereits die ersten drei Absätze des Kurzeintrags bei Wikipedia zum
Asylrecht widerlegen meiner Meinung nach Deine Behauptung. Bereits 1993 wurde das grundgesetzlich geschützte Asylrecht einschneidend begrenzt und es ist kein Zufall, dass seither die Zahlen von Asylantragstellungen rückläufig sind und 2007 sogar auf den niedrigsten Stand seit 1977 sanken.
Nur eine geringe Anzahl der Asylantragsteller kann mit einer positiven Asylentscheidung rechnen; eine etwas größere Zahl - evtl. die 10 Prozent aus dem Wikipedia-Artikel - kommt in den Genuss eines Abschiebungsschutzes mit der Folge eines dauerhaften Bleiberechts.
Das von Dir als Grund der Bildungsmisere ausgemachte Problem liegt also nicht in der deutschen Zuwanderungspolitik. Insoweit könnte man allenfalls die Aussage treffen, dass es den deutschen Behörden faktisch oft schwer fällt (bzw. von den Betroffenen schwer gemacht wird), abgelehnte Asylantragsteller wieder in ihr Heimatland abzuschieben. Mittel der Wahl ist für einen abgelehnten Asylantragsteller der NICHT-Besitz von Personaldokumenten. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, nimmt ohne Feststellung der Identität (Personalien, Staatsangehörigkeit usw.) nämlich kein Staat einen "vermeintlichen" Staatsbürger bei sich (wieder) auf.
Im Übrigen dürfte es sich auch so verhalten, dass die meisten Asylantragsteller, seien sie gebildet oder nicht, bereits deshalb nicht zum Problem für das deutsche Bildungssystem werden, weil sie zumeist eher direkt in den Arbeitsmarkt, dort wohl meist in den Niedriglohnsektor, streben.
Für die geduldeten Ausländer ohne dauerhaftes Bleiberecht dürfte Ähnliches gelten, wobei oftmals eine Erwerbstätigkeit durch die Ausländerbehörde nicht gestattet wird.
Eine gewollte Öffnung Deutschlands für Zuwanderungswillige begrenzte sich auf den Bereich von Hochqualifizierten. Und die sind nun wirklich kein Problem der behaupteten deutschen Bildungsmisere.
Das Bildungssystem in Deutschland muss stattdessen wohl eher diejenigen Ausländer zu integrieren versuchen, was mit Folgeproblemen verbunden ist, die aus Familien stammen, deren Angehörige oft bereits seit mehreren Generationen in Deutschland leben und auf die daher die Beschreibung, Deutschland habe es sich zur Aufgabe gemacht, "nicht so gebildete" Ausländer ins Land zu holen, gleich doppelt nicht passen will.
JD