Ein Grossteil der Bevoelkerung kann nur innerhalb des von der Fuehrung vorgegebenen Schemas argumentieren.
Das liegt aber auch an der Kultur. Du kannst auch nur innerhalb Deiner kulutrellen Denkweise argumentieren. Die chinesische Kultur wurde nicht von der Führung vorgegeben - der Staat ist nur einer von vielen kulturprägenden Faktoren.
Kultur ist ein dynamischer Prozess, keine statische Tatsache. Er ist hoch komplex, weswegen er nicht einfach von der Regierung oder den Freimaurern oder wem auch immer vollständig kontrolliert werden kann. Es ist bereits schwierig, unter 10 Leuten die Kultur in eine bestimmte Richtung entwickeln zu wollen - nicht zu vergleichen mit 1,3 Milliarden Menschen.
Die Chinesen argumentieren auf Grund ihre Erfahrungen so, wie sie argumentieren. Und ein Europäer tut dasselbe. Nur merkt nicht jeder, dass er ebenfalls einem bestimmten Schema beim Argumentieren folgt. Das ist auch gut so - denn wer keinem Schema folgt, besitzt auch keine Integrität und Kohärenz aus.
Viele Europäer verteidigen beispielsweise ihren Sozialstaat, ihr Arbeitsgesetz (das es schwer macht, Leute zu entlassen), Zölle, Subventionen und alles mögliche vehement und sind immun gegen wissenschaftliche Fakten. Ich kenne auch viele Leute, die den Fehler für die Finanzkrise oder die Griechenlandkrise jeweils bei den Akteuren innerhalb des wirtschaftlichen Systems (Banken, Ratingagenturen, Kreditnehmer oder wem auch immer) suchen, ob wohl klar ist, dass der Fehler beim System liegt.
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Kleiner Exkurs: Ich teile übrigens die Auffassung, dass es in China (und in diversen anderen Drittweltländern) eine Zensur braucht, um die Stabilität des Landes und des Systems zu wahren. Selbst in Europa existiert noch eine Zensur, nur ist diese viel schwächer Ausgeprägt. Über das genaue Ausmass an Zensur, welche benötigt wird, lässt sich streiten. Aber wenn Du nicht an die Zensur in Deutschland glaubst, mach einmal eine Website, auf welcher Du (objektive) Beweise sammelst, dass der Holocaust nicht stattfand. Dann wirst Du die Zensur schon kennenlernen...
Grundsätzlich gilt für mich persönlich: manche Dinge sind besser in China (freiere Märkte, weniger Dekadenz, mehr kleine Strassenstände die Essen verkaufen usw), andere widerum besser in Europa (hiervon wurden genügend genannt). Ich habe zwei Möglichkeiten: ich kann mich entweder über das Nichtvorhandene ärgern oder mich über das Vorhandene freuen. Eine dritte Möglichkeit wäre, das Nichtvorhandene bereit zu stellen und entsprechend kräftig Geld zu verdienen, aber das ist nicht so einfach also geniesse ich einfach die Dinge, die ich habe.
Hier darum etwas, was ich in China besonders mag: die mögen keinen wirklich guten, schweren Wein. Im Restaurant bekomm ich also immer den guten Wein und die Chinesen trinken den süssen Dessertwein. Enjoy life
