Aha, man ist also doch böse geworden:
bossel hat geschrieben:
& jetzt können wir uns wieder losschnallen & diese Soße vergessen. Linguistik ist nunmal zu weiten Teilen keine exakte Wissenschaft & Weinrichs Nexusadverbien als solche alles andere als allgemein akzeptiert.
... so einen übermäßig komplizierten (relativen) Nonsens wie Regeln für "Nexusadverbien"
Die Mitteilung, dass Linguistik "zu weiten Teilen" keine Chemie ist, will ich dahingestellt sein lassen. Die weiteren Folgerungen aus dieser schlichten Erkenntnis allerdings nicht. Dazu müsste man mir zumindest erklären, wo in der folgenden "Gegenempfehlung" eigentlich das "gegen" steckt:
bossel hat geschrieben:Meine Gegenempfehlung:
Partikeln - Übersicht
"Die jeweils angesetzten Kriterien bzw. Betrachtungsperspektiven spielen eine wichtige Rolle bei den Einteilungen: So schreibt Engel (1988) im Zusammenhang zu seinen Erläuterungen zu den Rangierpartikeln - denen er bspw. Attribute wie Vorfeld- bzw. Erststellenfähigkeit, Ausdruck der Sprechereinstellung zum Sachverhalt, Bewertungsfähigkeit durch Bezug auf Normen und In-Beziehung-Setzung von Sachverhalten sowie fehlende Fähigkeit, als Antwort fungieren zu können, zuschreibt - zu den Wörtern auf -weise, die ansonsten meistenteils den Modalpartikeln/Modalwörtern zugeordnet werden: "Wie die Beispiele zeigen, verteilen sich die Wörter auf -weise auf Adverbien, Modal- und Rangierpartikeln, je nachdem, ob sie bestimmte Antwortfunktionen übernehmen können oder nicht." (ebd.: 763).
Dass diese Kategorie eine ähnlich problematische wie die der Abtönungspartikeln ist, zeigt auch der Vergleich zu Weinrich (1993). Dort werden im Rahmen der Argumentations-Adverbien - neben der Kategorie der Geltungs-Adverbien - sogenannte "Nexus-Adverben" (dort in Klammern auch Konjunktional-Adverbien genannt) angeführt (vgl. ebd.: 600 ff.), die aufgrund ihrer jungierenden Kraft eine "Zwischenstellung zwischen Adverbien und Konjunktionen" einnehmen würden und denen syntaktisch (Vor- und Mittelfeldfähigkeit) wie semantisch (In-Beziehung-Setzung, adversative und konzessive Funktionen der Begründung, nur applikative Verwendung) ähnliche Attribute zugeschrieben werden, deren Elemente allerdings wiederum stark heterogen sind und zudem von denen der anderen Grammatiken abweichen."
Hier wird nicht der Verfasser der "Textgrammatik" als problematisch bezeichnet, sondern eine bestimmte Kategorie von Wörtern. Dass man dazu zwei verschiedene linguistische Ansichten zitiert, ist ein Beleg für die Vertracktheit des Gegenstands und will weder Engel noch Weinrich an den Karren fahren. Im Gegenteil unterstellt die Gegenüberstellung eine ausgesprochene Wertschätzung für beide Seiten.
Dass der Freund der exakten Wissenschaften ausgerechnet auf dieses - für seine Stoßrichtung ungeeignete - Zitat verfiel, erklärt sich mir nur so, dass er den von mir in die Runde geworfenen Begriff "Nexusadverb" einfach mal in die Suchmaschine getippt hat. Wenn man das tut, stößt man tatsächlich gleich an zweiter Stelle - an der ersten steht jetzt dieser thread aus dem China-Forum - auf den Link, den er sich zu seiner "Gegenempfehlung" heranzieht. Wieso der für sich eher unschuldige Begriff jemanden in solche Erregungszustände versetzen kann, dass er gleich einen ihm sichtlich wenig bekannten Wissenschaftler verunglimpfen muss, weiß ich nicht. Die Praxis des wild Herumgoogelns ist allerdings nicht so geeignet, den erkennbaren Anspruch auf allumfassende Kompetenz zu stützen.
Zu den eher sachbezogenen Äußerungen:
Hendrik hat geschrieben:bossel hat geschrieben:
corneta hat geschrieben:Das sagt aber noch lange nichts über das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein einer Regel aus.
Das Vorhandensein einer Regel sagt aber noch lange nichts über deren Wert für den Lernenden aus.
Ist das aber nicht auch eine Frage des Lernstils?
Natürlich ist es das. Die Lerner unterscheiden sich doch nach Alter, Vorbildung und gewohntem Unterricht: Kinder lernen anders als Erwachsene, Leute, die die Erfahrung mit einer Fremdsprache bereits hinter sich haben anders als solche, die womöglich erst alphabetisiert werden müssen. Und chinesische Lernende haben mit der deutschen Sprache andere Probleme als Schweden - in vielerlei Hinsicht. Regeln ja oder nein und wenn ja, dann wie - das entscheidet sich nach solchen Kriterien (und nicht nach der Abzählmethode, die hier vorgeschlagen wird: Einzelunterricht so und Klasse anders).
Dass für erwachsene Lerner mit dem Anspruch über ein "Überlebensdeutsch" hinaus zu kommen, Regeln eine Ökonomisierung darstellen, hat
Hendrik mit seinen zwei Beispielen ja deutlich gemacht. Mindestens in der deutschen Sprache braucht man, um zu wissen, wohin ein Wort im Satz gehört und wie es sich da gegebenenfalls verändert, auch ein Wissen um die Wortart (in seinem Beispiel war es das Adjektiv). Dass die Einordnung mitunter schwierig wird, hat
Royaltramp in seinem Eingangspost sehr plastisch vorgestellt: Schüler stoßen auf "nämlich", das wie ein Adverb ausssieht und funktioniert und plötzlich zu einer Art Konjunktion mutiert und schreien dann "why?" Na schön, dann sucht man halt herum, um was für ein Dings es sich hier handelt. Meistens findet sich eine Erklärung. Die bei Weinrich heißt "Nexusadverb". Wie man es benennt, ist eigentlich shitegal, aber meistens wollen die Namen was sagen, hier: Januskopf - es verbindet wie eine Konjunktion und verhält sich dann wieder wie ein Adverb.
Mit solchen Fragen schlagen sich also die "zu weiten Teilen" unexakten Linguisten herum (allerdings tun sie das - unexakt, wie sie sind - unter Verzicht auf Worte wie "Soße" oder "Nonsens")
Dass diese Fragen dem Muttersprachler erst mal unbekannt sind, ist klar. Er lebt - völlig zu Recht - den Unterschied von "können" und "kennen": Er kanns - das Sprechen, Schreiben und Verstehen in seiner Sprache. Aber er kennt sie nicht, die Regeln und Ausnahmen, die Fallstricke und die Erklärungsmodelle. Stimmt deshalb diese Schlussfolgerung?
Taiyang hat geschrieben:
Das bekräftigt aber auch das Argument, dass die besten Sprachlehrer (für Grammatik) tatsächlich eben gerade nicht Muttersprachler sind. Für Aussprache usw. ist ein Muttersprachler unabkömmlich, aber zum Grammatikerklären definitiv nicht.
Nö, ich würde den Satz schon anders gewichten: Muttersprachlichkeit allein garantiert in der Tat überhaupt nichts. Aber dass die Zielsprache für den Lehrer schon einmal Fremdsprache war, auch nicht. Er hat dem Muttersprachler nur das voraus, was der sich für seinen Beruf noch antun muss: Die eigene Sprache von außen ansehen, als wäre sie eine fremde. Das macht übrigens Spaß. Ist aber etwas aufwändiger als eine Suchmaschine anzuwerfen.
Ingos Frage
ingo_001 hat geschrieben:1. Warum sagt man zu kleinen Maden nicht Mädchen?
habe ich mit Entzücken gelesen und unter "Dada lebt" verbucht. Die Antwort des Spezialisten für alles Exakte bot allerdings schon wegen ihres wichtigtuerischen Gestus weniger Hoffnung auf vergleichbare Komik:
bossel hat geschrieben:Schlechtes Beispiel. Simple Erklärung: Wegen der Verwechslungsgefahr.
Geht auch komplizierter. Spare ich mir aber. (Sowieso keine Zeit.)
In welchem Kontext dräut da die Gefahr? Vielleicht beim "Klagelied eines Knaben auf ein totes Mädchen/eine tote kleine Made?"
Na gut, belassen wirs bei "Ist halt so".
Angelika