Tja, irgendwie habe ich den Eindruck, dass yohanesu keine Lust mehr hat, hier weiter zu schreiben.
Aber trotzdem, muss ich doch auf sein Schreiben mal Stellung beziehen.
yohanesu hat geschrieben:Eine sehr gewagte These, mir Gepräche als falsches Mittel im Umgang mit China zu unterstellen.
Ja, die These kommt nicht von ungefähr, sondern ist einen Schlüssel, den ich aus Ihren Posting gezogen habe. Wenn Sie Dialoge zwischen Chinesen und Deutschen, sowohl zwischen den Privatpersonen als auch auf der Regierungsebene nicht für störend empfinden würden, dann frage ich mich, wozu soll diese Pöbelei hier in Forum dienen?
Nach Ihrer Ansicht gehören die Mitglieder dieses Forums zu den Menschen, die (nach Ihrem Ausdruck) "von seinem schönen Sessel aus alles schön verharmlosen". Wie kommen Sie denn darauf? Weil die Menschen hier durch ihre Arbiet oder aus Liebe eine bestimmte Beziehung zu China haben? Einen anderen Grund kann ich nicht finden, denn fast jeder hier in Forum schreibt auch über die Missstände in China und ärgert sich über fatale Menschenrechtslage dort. Viele davon haben Verwandten und Bekannten, die direkt davon betroffen sind, andere Diskutieren ebenfalls darüber, wie die Zukunft des Landes wohl aussehen mag. Nicht zu vernachlässigen sind auch die Verständigungsversuche zwischen Chinesen und Deutschen hier in Forum. Der ein oder andere chinesische User erfährt auch dadurch die Situation in eigenem Land aus einer anderen Perspektive und entgeht ein wenig die staatliche Zensur. Wie gesagt, Sie können hier tausende von Beiträge und Diskussionen im Forum finden, die nur mit der Menschenrechtslage und Missstände in China beschäftigen.
Was möchten Sie denn noch mehr? Doch sämtliche Beziehungen zwischen Deutschen und Chinesen verurteilen und am bestens auch noch von der/dem Partnerin/Partner trennen, weil sie aus einem "verbrecherischen" Land kommen? (Übrigens, ich selbst gehöre auch dazu!)
Wie gesagt, tappt fast jeder hier immer noch im Dunkel, was Sie eigentlich von uns möchten und aus welchem Grund Sie uns vorwerfen, Mitläufer der Kommunistischen Partei Chinas zu sein.
yohanesu hat geschrieben:Wie schon so oft geschrieben: Mir geht es um die Verharmlosung !!! Außerdem behandelt China ausländischen Unternehmen so wie es grad aus der eigenen Situation am besten ist. Und kaum wird Kritik geübt muss man sich wieder beugen. Ich will nicht gleiches mit gleichem vergelten, aber wenigstens Kritik darf erlaubt sein.
Also, haben Sie das Gefühl, dass irgendwer die Situation in China verharmlost. Und China behandelt ausländische Unternehmen nicht fair.
Die deutsche Presse verharmlost die Situation sicherlich nicht, ganz im Gegenteil, sie machen es gern zum Hauptthema des Tages in der letzten Zeit.
Oder meinen Sie die deutsche Wirtschaft? Ein bisschen habe ich (auch durch Ihren Anfangsbeitrag) das Gefühl, dass Sie auch ein Problem damit haben, dass China wirtschaftlich stärker wird, wahrscheinlich nach Ihrer Meinung auf Kosten der westlichen Welt. (Das ist natürlich wieder eine reine Mutmassung von mir.)
Auf einer Seite schreiben Sie von Verharmlosung auf Kosten der Menschen in China und gleichzeitig prangeln Sie die Produktpiraterie scharf an. Nun, das eine hat aber mit dem anderen nicht wirklich was zu tun. Die Produktpiraterie betreiben meistens die chinesischen Unternehmer. Die Regierung geht nur nicht klar dagegen vor, weil es auch zur Wohlstandsvermehrung der Bevölkerung beiträgt. Natürlich ist das nicht fair. Wenn Sie auf die Gefahr der chinesichen Industriespionage aufmerksam machen wollen, dann ist das völlig berechtigt.
Meine Frage wäre aber, warum die Unternehmen sich trotzdem in China engagieren. Also, ich denke nicht, dass die deutschen Unternehmer alle blöd sind. Und die Gefahr der Spionage kennt man sehr wohl. Trotzdem springt unter dem Strich so viel für die deutsche Wirtschaft heraus, dass es sich lohnt. Klar hört man gern über die gelbe Gefahr in Medien. Alle Missstände in Deutschland werden durch das Tun und Machen der Chinesen verursacht: Wenn Benzin teuer wird, dann ist es weil die Chinesen alle Autos fahren; Wenn Milch knapp wird, dann haben alle Chinesen angefangen Milch zu trinken; Wenn deutsche Unternehmen pleite gehen, dann ist das durch die chinesische Produktpiraterie... Aber Deutschland ist immer noch der Exportweltmeister. Gucken Sie dochmal den Wirtschaftsbericht der Bundesregierung an, wie viel Prozent der Exportgüter nach China verschifft werden. Die Stahl- und Beton-Industrie in Deutschland boomt schon seit Jahren, obwohl die Bauwirtschaft hier zu Lande eher flau ist. Wo verkauft man das ganze Zeug hin? Gerade die Schwer- und Hightechindustriegüter wie Automobil und Flugzeugbau sind die Hauptstütze des deutschen Exports und das hat sicherlich mit der Entwicklung in China nichts zu tun.
Bitte machen Sie ein gesamtes Bild, bevor Sie fordern auf die bösen Chinesen verzichten zu wollen. Eine ziemlich typische Denkweise hier in Deutschland ist, dass man sich tierisch darüber freut, dass viele Autos exportiert werden. Aber gleichzeitig schimpft man darüber, dass die Chinesen unsere schöne Luft mit ihrem Verkehr und Staus verpesten. Am bestens soll also jeder Chinese ein deutsches Auto kaufen, aber nur zum Angucken.
Nur Ihr Vorwurf darüber, dass die deutschen Unternehmen nicht gern über die Menschenrechtsverletzung in China reden mögen, kann ich unterstützen. In meiner Sicht sind die Großkapitalisten sowieso ein notwendiges Übel auf der Welt, die ich eigentlich nicht mag. Dass die meisten Unternehmen eher profitorientiert statt Menschfreundlich sind, wissen wir doch alle. Dazu muss man nicht Richtung China glotzen, sondern können auch den Gehaltsspiegel mancher Vorstandsmitglieder in Relation zu ihren Entscheidungen hier zu Lande anprangeln.
yohanesu hat geschrieben:Der Artikel aus der FAZ hat mir persönlich nicht weitergeholfen, obwohl er interessant war.
Schade, denn in dem Artikel sind genau die Art von Kritik beschrieben, die Sie hier gern publizieren.
yohanesu hat geschrieben:Ich möchte hier niemanden bestrafen. Ich möchte, dass mehr Menschen auf die Mißstände aufmerksam werden und sich der Druck dadurch von außen und von innen verstärkt Änderungen am bestehenden System vorzunehmen
Ja, ok. Das ist ein schöner Satz.
Und wie ist denn die Vorstellung von Ihnen, was wir hierfür tun sollen? Wie ich bereits versucht habe zu erläutern, sind hier nicht bloss "China-Fan"s, sondern gucken die meisten von uns sehr wohl kritisch und diffrenziert auf das Land. Das reicht aber anscheinend für Sie nicht. Sollen wir also in jeden Satz erwähnen, dass in China Menschenrechtsverletzung herrscht?