Chinesen studieren in Deutschland Chinesisch?

Übersetzungen, Computerprobleme, Chinesische Zeichen, Studium in China, Sinologie usw.
knaa
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Chinesen studieren in Deutschland Chinesisch?

Beitrag von knaa »

:?: Hallo liebes Forum :)
Ich habe eine Frage an Leute, die sich vielleicht ein bisschen im Sprachensektor an den Unis auskennen. Ich interessiere mich dafür Chinesisch an einer Uni zu wählen, für das Fach braucht man keine grundsätzlichen Kenntnisse und man fängt wirklich bei null und "Hallo, wie gehts?" an. Aus Interesse hab ich mal auf Facebook nach dem Studiengang geguckt und die entsprechende Gruppe der Uni aufgerufen. Und siehe da: 1/3 bis die Hälfte der Leute in der Gruppe scheinen Chinesen zu sein (oder sehen zumindest so aus und haben entsprechende Namen, man weiß auf Facebook ja nie :D). Ist das normal? Sind das wohl tatsächlich Studenten des Fachs oder vielleicht eher sowas wie "Lernpaten", die dann halt auch in die Gruppe gehen?
Wenn nämlich tatsächlich in so einem Studiengang ein großer Teil Muttersprachler sind, fände ich das schon unfair und viel zu schwer zu meistern für einen "Neuling".

Deshalb meine Frage (gelten wohl auch für andere Sprachen, aber ich beziehe mich jetzt auf Chinesisch):
Studieren viele Muttersprachler hier ihre Sprache als Muttersprache? Kann man da überhaupt ohne weiteres mithalten? Hat irgendwer vielleicht sogar Statistiken von Universitäten? :)
Klar, eine Facebookgruppe kann vieles bedeuten, aber wenn ich da nur zwischen Leuten sitzen würde, die Chinesisch sprechen wie ich Deutsch oder Englisch, dann kann das ja nur schief gehen. Vielen Dank schonmal für eure Antworten, bin grade wirklich verunsichert. :oops:

liebe Grüße
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Re: Chinesen studieren in Deutschland Chinesisch?

Beitrag von Laogai »

knaa hat geschrieben:Deshalb meine Frage (gelten wohl auch für andere Sprachen, aber ich beziehe mich jetzt auf Chinesisch):
Studieren viele Muttersprachler hier ihre Sprache als Muttersprache?
Nein. Aber es studieren viele Chinesen in Deutschland Sinologie. Und Sinologie ist kein reiner Sprachstudiengang. Informiere dich mal über die Inhalte der Studiengänge, dann wirst du sehen, dass an den wenigsten Unis nur Chinesisch als Sprache gelehrt wird.
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Re: Chinesen studieren in Deutschland Chinesisch?

Beitrag von sweetpanda »

Viele Chinesen glauben, dass sie mit einem Sinologiestudium Sprachprobleme leicht umgehen können und das sie neben der angenehmen Auslanderfahrung eine erhöhte Abschlusswahrscheinlichkeit haben. Was aber häufig ein Trugschluss ist.
Denn die Analyse und Diskussion über irgendwelche chinesische Gedichte aus der XY-Dynastie findet natürlich auf Deutsch statt und um diesen Diskussionen folgen zu können, braucht man wiederum ein wesentlich besseres Deutsch als bei einem Mathematik- oder Informatikstudium.
Ich kann mir vorstellen, dass man als Deutscher dort von der Unterstützung seiner chinesischen Kommilitonen mehr profitieren kann als umgekehrt.
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Re: Chinesen studieren in Deutschland Chinesisch?

Beitrag von Laogai »

sweetpanda hat geschrieben:Viele Chinesen glauben, dass sie mit einem Sinologiestudium Sprachprobleme leicht umgehen können und das sie neben der angenehmen Auslanderfahrung eine erhöhte Abschlusswahrscheinlichkeit haben.
Nicht ganz. Die meisten Chinesen studieren Sinologie nämlich im Nebenfach, weil ihr Studiengang ein solches erfordert. Das Hauptfach ist meist fernab von Sprach- und Kulturwissenschaften.

Aber das...
sweetpanda hat geschrieben:Ich kann mir vorstellen, dass man als Deutscher dort von der Unterstützung seiner chinesischen Kommilitonen mehr profitieren kann als umgekehrt.
... kann ich zumindest für mich bestätigen.
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Re: Chinesen studieren in Deutschland Chinesisch?

Beitrag von knaa »

Danke euch schonmal :)

Also in diesem Studiengang fallen ca. 100 von 180 Punkten auf das Erlernen der Sprache. Ist also nicht so sehr Sinologie wie vielleicht an anderen Unis.

Dass man von Muttersprachlern gut (grade die Aussprache) lernen kann, kann ich mir auch vorstellen. Ich möchte halt nur nicht - schon von den Startvoraussetzungen völlig abgeschlagen sein... Aber danke schonmal! :)
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Re: Chinesen studieren in Deutschland Chinesisch?

Beitrag von Laogai »

knaa hat geschrieben:Also in diesem Studiengang fallen ca. 100 von 180 Punkten auf das Erlernen der Sprache. Ist also nicht so sehr Sinologie wie vielleicht an anderen Unis.
Dann lass mich bitte nicht dumm sterben und verrate sowohl die Uni als auch den Studiengang. Vielleicht sogar noch ein Link zu der Facebook-Gruppe (mit dem ich wahrscheinlich jedoch nicht viel anfangen kann, da sich Facebook weigert mich aufzunehmen :D).
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Re: Chinesen studieren in Deutschland Chinesisch?

Beitrag von alanos »

In studiere Sinologie in Tübingen und bei uns ist ein guter Teil asiatischer Herkunft, jedoch sind nur wenige "echte" Chinesen. Wir haben Thailänder, Vietnamesen, Kantonesen, in der Regel Auswandererkinder erster Generation, die alle natürlich kein Hochchinesisch und keine Zeichen können. Die paar "echten" Chinesen, die wir haben, sind ebenfalls Einwandererkinder und können die Sprache zwar mehr oder minder gut (laut unseren Lektorinnen haben alle nen dicken Akzent :mrgreen: ), aber nur zwei davon können die Zeichen einigermaßen, weil sie die früher mal an einer chinesischen Schule hier in Deutschland gelernt hatten.
Chinesische Chinesen aus China gibt es sehr wenige. Ich kenne beispielsweise eine Masterstudentin, die in China Geschichte studiert und jetzt hier in Deutschland für den Master auf Sinologie gewechselt hat. Die hatte so etwa den von sweetpanda beschriebenen Gedankengang, in Deutschland erstmal schön die Füße hochlegen und am Ende den Master einstreichen. Die Hausarbeiten, die jetzt nach dem ersten Semester fällig waren, waren erstmal ein großer Stolperstein, denn ihr Deutsch ist so, wie Deutsch eben nach einem Jahr Sprachschule nunmal so ist :mrgreen:
Ich kann mir vorstellen, dass man als Deutscher dort von der Unterstützung seiner chinesischen Kommilitonen mehr profitieren kann als umgekehrt.
Kann ich so unterschreiben :wink:
Nicht ganz. Die meisten Chinesen studieren Sinologie nämlich im Nebenfach, weil ihr Studiengang ein solches erfordert. Das Hauptfach ist meist fernab von Sprach- und Kulturwissenschaften.
Im Nebenfach haben wir afaik sogar überhaupt keine Chinesen, die, die es im Nebenfach machen, machen im Hauptfach entweder Wirtschaft und wollen mit dem bisschen Chinesisch, das sie während des Studiums lernen, im Lebenslauf punkten oder Koreanistik oder Japanologie, weil sie Mangas ja so unglaublich geil finden und Asien sowieso das Paradies auf Erden ist :roll: :twisted: Diese beiden Gruppen machen so ca. 90% aus. Kommt aber auch glaube ich immer auf die Uni an, Ingenieurswissenschaften gibt es bei uns überhaupt nicht und Informatik ist eigentlich auch mehr so eine Randerscheinung :wink:

Welche Uni hast du denn ins Auge gefasst?
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Re: Chinesen studieren in Deutschland Chinesisch?

Beitrag von Taiyang »

In Goettingen hatten wir damals auch viele Chinesen (HF/NF Magister), die aber (sofern Muttersprachler aus China) alle vom Sprachunterricht fuer Nicht-Muttersprachler ausgeschlossen wurden & dafuer andere Leistungen zu erbringen hatten.
Einzig an den Klassisch Chinesisch Kursen mussten sie teilnehmen, aber da waren sie oft genauso schlau wie alle anderen :mrgreen:
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Re: Chinesen studieren in Deutschland Chinesisch?

Beitrag von knaa »

Die Uni in Köln :) Da gibt es einmal Chinastudien (mit den eben genannten 2/3 Sprachunterricht) und dann einen Zweifachbachelor (da sind es dann 1/6 vom Gesamtbachelor).

So "Manga"-Studentinnen sind im übrigen auch die, die mich am meisten abschrecken :D Aber das ist in Japanisch wohl viel schlimmer als in Chinesisch ;)

Aber habt wohl schon recht und habt mir auf jeden Fall Mut gemacht da weiterzuforschen! :)
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Re: Chinesen studieren in Deutschland Chinesisch?

Beitrag von DaLongRen »

[quote="Taiyang"]In Goettingen hatten wir damals auch viele Chinesen (HF/NF Magister), die aber (sofern Muttersprachler aus China) alle vom Sprachunterricht fuer Nicht-Muttersprachler ausgeschlossen wurden & dafuer andere Leistungen zu erbringen hatten. [/qrein uote]

Hmm... das stelle ich mir rein rechtlich schon etwas schwierig vor, wenn sie die normalen Zugangsvoraussetzungen erfüllt haben und den normalen Zulassungsweg gegangen sind, also z.B. das deutsche Abi gemacht haben.

Wenn sie dagegen aus dem Ausland kommen (und auf einem Platz für Internationale Studenten sitzen) dann ist das sicherlich möglich, aber ansonsten glaube ich nicht, dass das vor Gericht Bestand haben würde... auf welcher Rechtsgrundlage denn? Und wie grenzt man diesen Fall z.B. von den bilingual aufgewachsenen Inländern ab?

An der Hochschule meiner Freundin ist der Anfängerkurs Chinesisch darum z.B. ein beliebter Kurs unter Chinesen, weil sie damit recht einfach ihren Schnitt ein wenig nach oben pushen können.

Das macht bei einem BWL oder Ingenieurstudium vielleicht auch noch irgendwie Sinn, aber was macht ein muttersprachlicher Chinese anschließend mit einem Sinologiestudium? Ich meine außer an die Uni zu gehen?
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Re: Chinesen studieren in Deutschland Chinesisch?

Beitrag von Yingxiong »

Warum studieren Deutsche Germanistik?
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Re: Chinesen studieren in Deutschland Chinesisch?

Beitrag von blackrice »

Yingxiong hat geschrieben:Warum studieren Deutsche Germanistik?
da "Deutsche" heutzutage ein seeeehr dehnbarer Begriff ist :lol:
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Re: Chinesen studieren in Deutschland Chinesisch?

Beitrag von Taiyang »

DaLongRen hat geschrieben: Hmm... das stelle ich mir rein rechtlich schon etwas schwierig vor, wenn sie die normalen Zugangsvoraussetzungen erfüllt haben und den normalen Zulassungsweg gegangen sind, also z.B. das deutsche Abi gemacht haben.

Wenn sie dagegen aus dem Ausland kommen (und auf einem Platz für Internationale Studenten sitzen) dann ist das sicherlich möglich, aber ansonsten glaube ich nicht, dass das vor Gericht Bestand haben würde... auf welcher Rechtsgrundlage denn? Und wie grenzt man diesen Fall z.B. von den bilingual aufgewachsenen Inländern ab?
Deswegen schrieb ich auch "(sofern Muttersprachler aus China)".
Soweit ich weiss koennen chinesischstaemmige Studenten mit deutschem Abi an manchen Unis vorher eine Pruefung ablegen, in der Sprachkompetenz gemessen und bewertet wird. Die wenigsten zweisprachigen Chinesen, die in Deutschland aufgewachsen und zur Schule gegangen sind, sind Chinesen in China ebenbuertig was die Lese- und Schreibkompetenz angeht, von daher koennen sie im Sprachkurs auch tatsaechlich noch etwas lernen, oder eben von bestimmten Veranstaltungen freigestellt werden. Es waere fuer die anderen, nicht-Chinesischen, Mitstudenten mehr als unfair, wenn im Sprachkurs Muttersprachler sitzen, die den Schein (oder Creditpunkte) praktisch hinterhergeschmissen kriegen. Das waere dann auch durchaus ein Grund zur Klage, vor allem weil die Sprachkurse an der Uni vornehmlich fuer Teilnehmer ohne Vorkenntnisse konzipiert sind.
Yingxiong hat geschrieben: Warum studieren Deutsche Germanistik?
Ist nicht dasselbe. Die wenigsten Germanistikkurse verlangen dass man als Deutscher vorher noch mehrere Semester Sprachkurse besucht (obwohl das sicherlich fuer einige nicht verkehrt waere).
Sinologie, Japanologie etc. sind in Deutschland meistens fuer Teilnehmer ohne Sprachkenntnisse konzipiert, weswegen ein Grossteil der ersten paar Semester aus Sprachkursen besteht, um dann irgendwann sich tatsaechlich mit sinologischen/japanologischen Themen in Originalsprache auseinandersetzen zu koennen. Das sollten deutsche Germanistikstudenten bereits schon vorher koennen. Warum muttersprachlich Chinesische Teilnehmer sich in Deutschland fuer Sinologie einschreiben ist durchaus eine berechtigte Frage.
Wie das ist wenn ich als Deutscher in China Germanistik studiere weiss ich nicht; ich kenne auch niemanden, der das gemacht hat.
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Re: Chinesen studieren in Deutschland Chinesisch?

Beitrag von punisher2008 »

alanos hat geschrieben:In studiere Sinologie in Tübingen und bei uns ist ein guter Teil asiatischer Herkunft, jedoch sind nur wenige "echte" Chinesen. Wir haben Thailänder, Vietnamesen, Kantonesen,
Was zum Teufel sind "Kantonesen"? Normalerweise bezeichnet man damit Leute die aus Guangdong (wenn du mal einen Blick auf eine Landkarte werfen würdest würdest du womöglich erkennen dass Guangdong eine der Provinzen Chinas ist) kommen bzw. 粤语 als Muttersprache haben. Also sind das jetzt keine "echten" Chinesen? Was ist für dich echt? Warst wohl zu lange im Norden und hast dich indoktrinieren lassen dass nur "echt" ist wer aus Beijing kommt? Setzen 6! Bei dem unsäglichen Dialekt dort würde ich sogar sagen dass das dort die unechtesten Chinesen überhaupt sind. :lol:
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Re: Chinesen studieren in Deutschland Chinesisch?

Beitrag von alanos »

punisher2008 hat geschrieben:
alanos hat geschrieben:In studiere Sinologie in Tübingen und bei uns ist ein guter Teil asiatischer Herkunft, jedoch sind nur wenige "echte" Chinesen. Wir haben Thailänder, Vietnamesen, Kantonesen,
Was zum Teufel sind "Kantonesen"? Normalerweise bezeichnet man damit Leute die aus Guangdong (wenn du mal einen Blick auf eine Landkarte werfen würdest würdest du womöglich erkennen dass Guangdong eine der Provinzen Chinas ist) kommen bzw. 粤语 als Muttersprache haben. Also sind das jetzt keine "echten" Chinesen? Was ist für dich echt? Warst wohl zu lange im Norden und hast dich indoktrinieren lassen dass nur "echt" ist wer aus Beijing kommt? Setzen 6! Bei dem unsäglichen Dialekt dort würde ich sogar sagen dass das dort die unechtesten Chinesen überhaupt sind. :lol:
Kantonesen sind Leute, die Kantonesisch sprechen, dachte das wäre klar, sorry. Genau wie Mandarinen Leute sind die... nee Moment :mrgreen:
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