Dann stelle ich mich mal vor...
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hibbedi-hop
- Neuling
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- Registriert: 09.05.2013, 14:53
Dann stelle ich mich mal vor...
Hallo!
Wie in dem anderen Post versprochen:
Hier nun mein Einstandspost. Hatte urspruenglich geplant, Info's zu China an hier dranzuhaengen. Das passt wahrscheinlich besser in einen eigenen Thread. Der ist hier zu finden:
Kleiner Einsteiger-Guide 2013 (Miete, Lebenskosten & Tipps)
http://forum.chinaseite.de/ftopic18260.html
Am besten fange ich da an, wo's angefangen hat.
Das erste mal mit China kam ich Kontakt als meine Mutter mich zur Einschulung in ein China-Restaurant geschleppt hat. Kein Eck-Imbiss, sondern so richtig mit Stein-Wasserfall-Miniatur-Aufbaute. Das war dufte. Das Essen war lecker (Ente und Schweinefleisch). Ich fand's cool. Der Mini-Angler (vielleicht 1-2 cm gross) auf 'nem Vorsprung von dem Wasserfall war ganz klar das Highlight.
Momentan hocke ich hier in unserer Wohnung in Sanya, rauche ne Qi Pi Lang Light (von wegen Light...) und bin am ueberlegen ob ein Tarantino-maessiger Aufbau dieses Threads gut kommt. Wie man sieht, habe ich mich dafuer entschieden, werde es aber wahrscheinlich vergessen einzuhalten.
Als naechstes, nach dem Angler, kamen Cartoon's, Jackie Chan, Fruehlingsrollen und so weiter (wobei der Unterschied zwischen Japan und China noch nicht ganz klar war).
Irgendwie fand' ich so "Asia-Zeugs" ganz cool. Schriftzeichen faszinieren eh jedes westliche Kind und kein Junge hat nicht schonmal vor'm Spiegel seine Kung-Fu-Moves trainiert, glaube ich. (Erwaehnenswert: Das einzige mal richtig Dresche von Mama habe ich bekommen als ich bei besagtem "Training" ihr Bett durch einen meisterlich ausgefuehrten Sprung von einem Schrank kaputtgemacht habe.)
Also irgendwie hat's mich fasziniert.
Irgendwann war ich dann mal in Holland bei Freunden und habe die Eroeffnung zu irgendwelchen Olympischen Spielen gesehen und da hiess es, dass die naechsten Olympischen Spiele in in China sind. Das war dann fuer ein Jahr ein Traum, der allerdings eher nicht zu erreichen war.
Naja. Dann habe ich meine Ex-Freundin kennengelernt. Ueber ICQ. Erst nur 'ne Online-Bekanntschaft. Sie war dann irgendwann in Deutschland, wir haben uns getroffen, sind zusammen gekommen, dann ist sie wieder heim und ich habe mit ans Internet gehockt und nach 'nem Weg gesucht.
Jugendlicher Leichtsinn. Moechte man meinen... Meinte ich auf jeden Fall.
Hab' dann schlussendlich mit 19 ein Zertifikat als Englisch-Lehrer gemacht und bin 'ne Woche nach meinem 20. Geburtstag nach China. Finanziert wurde die Geschichte durch einen Job als Headhunter, in dem ich mich als alles moegliche ausgegeben habe um Fuehrungs-Etagen von Unternehmen auszuleuchten damit die Maedels im Buero nebenan denen Jobangebote machen konnten. Ironischerweise habe ich mich, um den Job zu bekommen, als Student ausgeben. Haha.
(Hab 'n gutes Abi hingelegt, damit war meine Schullaufbahn beendet. Vielleicht kommt nochmal was, aber ich glaube mein Weg zur Millionen fuehrt eher durch irgendeine Seitengasse.)
Naja. Dann nach China. Von Frankfurt aus geflogen, Mutter ihr Freund hat mich hingeschafft. Und die Reise ging nach Shijiazhuang, Hebei. Der Job war... Im Rueckblick betrachtet, ein verdammter Gluecksgriff, obwohl ich das erste Angebot angenommen habe was kam. Lupenreines Visa, 6000元 pro Monat, Doppelstock-Appartment mit 2 anderen Lehrern... Damals ging sowas anscheinend noch.
Die Stadt war langweilig. Hebei ist eigentlich fast ausnahmlos industrielle Einoede ohne viel Kultur und Sehenswuerdigkeiten. Allerdings bin ich froh, dass es mich dahin verschlagen hat, denn die Chinesen dort sind unglaublich liebe Menschen. Was fuer eine Freundlichkeit einem da entegegen kam, das war Hammer. Gut, dass das die erste Perspektive war. Das haette auf anders laufen koennen und ich haette ziemlich schnell Hass aufbauen koennen.
(Das kam dann allerdings andererorts trotzdem noch.)
In der ersten Nacht in Shijiazhuang haette ich fast geheult, weil es auf einmal Realitaet war.
Kollegen waren Gott sei Dank nett und haben mich gut aufgenommen und am ersten Tag in 'ne Bar geschleppt. Hab nichts getrunken, aber die Bekanntschaft mit "Hugh" gemacht, der einen genialen Satz von sich gegeben hat, der mir noch heute im Gedaechtnis haengt:
"I don't speak Chinese, I don't eat Chinese and I don't shit Chinese."
Legendaer, der Typ. Der war irgendwie 64 oder so, hat an 'ner Uni gearbeitet und auf dem Campus gelebt, ist Abends immer einen trinken gegangen und ist dann Nachts ueber'n Zaun zurueck nach Hause geklettert. Legende.
Weitere erwaehnenswerte Bekanntschaften bei dem Job waren mein bester Freund, der 3 Wochen nach meiner Ankunft nach Peking gezogen ist. Ehemaliger Polizei-Psychologe, dessen Liebesleben hauptsaechlich aus Frustration ueber die Genital-Groesse und Angst vorm Outing seiner Partner bestand. Er hat mich – und das ist kein Scheiss – nachdem er nach Peking gezogen ist irgendwann spontan und ohne die Vorgeschichte zu kennen auf die Paralympics, die direkt im Anschluss an die Olympischen Spiele waren, zu 'nem Rollstuhl-Basketball-Spiel im Olypia-Park eingeladen. Sued-Afrika gegen irgendwen. Das Leben ist schon lustig. Danke an das Karma und an Gert an dieser Stelle.
In Shijiazhuang hab' ich mir uebrigens auch mein erstes Tattoo stechen lassen. Ein Kollege kam auf die Idee:
“Kommt Leute, wir lassen uns heute alle Tattoo's stechen und dann sind wir Tattoo-Brueder.”
Gut. Ich bin dabei. Anfangs waren wir 4, einer ist abgesprungen.
Also gehen wir nach Feierabend hin und kommen um 10 an. Der Kollege hat es, nach eigener Aussage, schon mit dem Besitzer geklaert und “er wartet auf uns.”
Wir klopfen, keiner macht auf. Wir klopfen nochmal. Nix. Wir gehen. Ein verschlafener Typ kommt von irgendwo her und fragt was wir wollen.
“Tattoos!”
Wir sollen kurz warten. Er geht und kommt wieder mit 'einer Heckenschere und schneidet das Schloss durch. Mach das Rolltor auf und 7 Welpen kommen angelaufen.
“Wollt ihr auch noch 'nen Hund?”
“Nee. Ist das dein Laden?”
“Ja. Wer ist der Erste und was fuer Motive wollt ihr?”
Ich habe waehrend der Prozedur ca. 3 Liter Wasser getrunken, waere zweimal fast umgekippt (oder aus'm Stuhl gefallen) und musste Pause machen aber ich habe meine Maennlichkeit bewiesen, oder so...
Eine weitere skurrile Geschichte ist die vom Porno-Laden. Kollege wollte Porno's kaufen. Anderer Kollege auch. (Die beiden Tattoo-Brueder, meine Mitbewohner.)
Ich dachte: “Na gut, kann nix schaden sich das mal anzugucken.”
Also zum kleinen dunklen Laden. Ein Typ in verschwitztem Unterhemd macht den kleinen Laden auf und bittet uns rein. Die Jungs versuchen nach DVD's zu fragen. Er versteht's nicht. Irgendwann springt er auf VCD an und laechelt, weil er jetzt endlich weiss was gemeint ist. Er nuschelt irgendwas in Chinesisch und ein Vorhang geht auf. Ein kleinwuechsiger anderer Typ, auf einem Bett in Unterhosen und Unterhemd sitzend laechelt und “huepft” vom Bett (ich sage huepft weil seine Beine nicht bis an den Boden gereicht haben) und bringt 'ne Kiste von hinten an die Theke. Geht zurueck, zieht den Vorhand zu. Die Jungs zahlen, wir gehen.
Wir haben geschwiegen (absolut nichts zu einander gesagt), bis wir um 2 Ecken waren und sind dann auf dem Boden rumgekullert vor Lachen.
(Uebrigens: Hat einer schonmal 'nen Chinesisch synchronisierten Porno geschaut? Ebenfalls legendaer.)
Eine andere Geschichte mit den beiden: Wir kommen aus der Disko. Eine Seltenheit, mich mal in 'ner Disko zu sehen, aber okay. Die beiden nach (zusammen) 40 Flaschen Bier gut dabei. Ich hab' nach einer Flasche Bier, nach der ich beschwipst war, kameradschaftlichen Spott geerntet. Aber ich trinke eben nicht. Wir fahren mit dem Taxi nach Hause. An der Ampel haelt ein grosses Auto neben uns. Die Jungs, total besoffen, schreien: “Jia na da hao!” aus dem Fenster. (Sind Kanadier.)
Die Typen im Auto fuehlen sich provoziert. Die zwei merken es und provozieren weiter.
Einer steigt aus, reisst die Tuer vom Taxi auf. Die zwei springen aus dem Taxi. Einer holt einen Teleskop-Knueppel aus dem Armaturenbrett. Ich hab' versucht mir meine Angst nicht ansehen zu lassen, haette mir aber in Wirklichkeit fast in die Hose gemacht. Nicht wegen mir selbst, aber wegen den beiden Idioten, die einfach nur besoffen und nicht in Kontrolle waren.
Einer von den Kanadiern macht sich bereit, ich werf mich vor ihn und halte ihn zurueck. Nuschel in meinem (zu der Zeit noch sau schlechten) Chinesisch: “Die sind besoffen. Und dumm. Entschuldigung, entschuldigung. Wir gehen jetzt, entschuldigung.”
Lange Rede, kurzer Sinn: Ich hab' am naechsten den grossen KFC-Eimer ausgegeben bekommen, weil die beiden wahrscheinlich der Tracht Pruegel ihres Lebens entgangen sind.
Bin einmal in der Zeit in Shijiazhuang nach Hong Kong, zur Ex. Und danach nochmal.
Die Geschichte ging dann irgendwann auseinander, weil sie sich nicht entscheiden konnte und ich dachte: "Alter, Maedchen... Ich hab' hier mal gerade einfach so die Aktion des Jahrzehnts fuer dich vollbracht und du weisst nicht was du willst?"
Naja. Dann ging's (als Englisch-Lehrer) weiter nach Wuhan, Hubei. Die Stadt war mir von Anfang an unsympathisch. Laut, dreckig, unfreundlich... Und die Leute erst... Dort habe ich zum Beispiel gesehen, dass sich Frauen ueber 60 noch miteinander pruegeln koennen. Oder, dass ein Radfahrer einem 2 Yuan abverlangt wenn man nach einer Luftpumpe fragt. Deswegen hab ich's da wahrscheinlich auch nur 3 Monate ausgehalten. Fuer den Lebenslauf habe ich dann aus dem Job ein Praktikum gemacht.
Dort habe ich allerdings auch meine Freundin kennengelernt. Das einzig Gute.
Zu der Zeit hatte ich ziemliche Depressionen (nicht wirklich, aber schon irgendwie) und mein Leben bestand mehr oder weniger daraus, Final Fantasy zu spielen und Bratreis zu futtern, oder ins Internet-Cafe zu gehen. Lustiger Fakt zu Internet-Cafe's in Wuhan: Nach 11 Uhr sieht man da (in fast jedem) allerhand jugendliche die sich weisses Zeug in die Nase ziehen und Spiele in billigster 2D-Grafik spielen. Das war interessant in Anbetracht der Tatsache, dass ich immer dachte hier gibt es keine (oder fast keine) Drogen-Kultur.
Naja, auf jeden Fall – Freundin kennengelernt.
Wir sind nach 4 Jahren (oder so...) noch zusammen. Habe sie ueber einen Klassenkamerad von ihr kennengelernt, der irgendwas mit dem Typ zu tun hatte, dem der Imbiss gehoerte wo ich mir immer Bratreis geholt hab. Wir sind direkt beim ersten Treffen uebereinander hergefallen (noch nicht komplett). Sie konnte kein Englisch und ich kein Chinesisch.
Das war schon lustig am Anfang. Kennt einer den Film, wo Antonio Banderas irgendwie durch zuhoeren ueber einen laengeren Zeitraum eine Sprache lernt? So war das.
Danach erstmal wieder Heim, nach Deutschland. Musste zurueck. Mich erst mal wieder ausbalancieren. Fernbeziehung also.
Bin daheim dann im 'nem Call-Center untergekommen... War ein hartes Erwachen, aber hab' ein paar nette Leute kennengelernt. Und bin jetzt uebrigens auch Profi was Auto-Versicherungen angeht.
Also... Gespart was das Zeug hielt und dann wieder nach China. Nach Hebei - Hengshui. Auf's Dorf. 50,000 Einwohner-Kaff. Das war hart. Keine Ahnung wie ich das Jahr durchgehalten hab. Ohne sie waere ich da eingegangen. Hab versucht mir da das Trinken anzugewoehnen. Erfolglos.
Aber wir waren zusammen. Und haben uns nochmal gescheit kennengelernt, nachdem wir vorher ja nur 3-4 Monate zusammen hatten. Es war wundervoll, aber der Post soll nicht hauptsaechlich mit Liebesgesuelze befassen.
Im Kaff, in dem es nicht mal ein Fast Food Restaurant gab, war ich die ersten 4 Monate der einzige Auslaender (bis auf die Wochenenden die wir in Peking verbracht haben.)
Dann kam Milli. Aus Ghana. Ganz nett. Nach 3 Wochen hat es ihr aber anscheinend nicht mehr gepasst und sie hatte Probleme mit dem Visa. Ist irgendwo anders hin.
Dann kam Ben, auch aus Ghana. Er hat schon vorher in China gelebt. Wir haben im Essen gekocht am ersten Tag und anscheinend hatte er auf der ganzen Zugfahrt nix gefuttert, er war auf jeden Fall sehr dankbar und hat sich am naechsten Tag revanchiert. Sehr netter Typ, ist aber nach ner Woche weg, weil er einen Job gefunden hat, wo sie ihm ein Visum stellen. Dann kamen Ben & Cosmos, auch aus Ghana. Auch sau nette Typen, die ihr ganzes Erspartes in den China-Trip gesteckt haben um Geld zu machen. Die Schule konnte ihnen kein Visum stellen. Also zurueck nach Hause. In der letzten Nacht haben die beiden geheult bis zum geht nicht mehr. Das war schon hart.
Naja. Dann ging's nach Peking. Endlich. Meine Traumstadt. Peking ist der Hammer.
Ist mir bis heute die liebste Stadt in China. Allerdings kann man da nicht mehr Leben. Da ist Krebs fast schon versprochen, bei dem Zeug was da in der Luft rumschwirrt.
Hab' dort als Deutschlehrer angefangen und dann zum ersten Mal in China in einen Beruf ausserhalb von Lehrer-Taetigkeiten gewechselt - Uebersetzer und Schreiberling fuer Online-Spiele. Das war mit Abstand die beste Zeit. Da jeden Morgen einzutrudeln, sich durch die erste Stunde zu kaempfen, 2 Kaffee's trinken und dann endlich Kippenpause. Dann mit meinen Kollegen, von denen mir ein paar richtig ans Herz gewachsen sind auf den Treppen sitzen und jeder erzaehlt warum er so sau muede ist. Einige noch ein bisschen angetrunken von gestern, andere noch ein wenig (oder schon wieder...) bekifft, ich meistens einfach nur muede vom Skypen mit der Familie, oder nach Nachtwanderungen durch die Stadt. Aber jeder so sau happy. Jeder hatte seine Probleme, mit der Beziehung, dem Visum, der Miete (einmal kam es vor, das jeder von uns vier so ca. 3 Tage nach Zahltag nix mehr vom aktuellen Gehalt uebrig hatten, aber ausser Lachen ging da nix). Oder, dass der eine Kollege mal 3 Tage nicht auftaucht und keiner weiss was los ist und er dann ankommt und sagt: “Ey Leute. Ich bin seit 3 Tagen wach, wir waren gerade in Shanghai und haben ein Konzert gespielt. Ich hab 20000元 gemacht und wir gehen jetzt Essen!”
Oder allgemein Mittagspause. Jeden Tag ins Yummie House, entweder Spaghetti Carbonara oder irgendetwas das vage Curry imitiert essen und uebers Leben philosophieren, mit den Maedels Beziehungsprobleme bereden, Alice's esoterische Tricks ueber sich ergehen lassen.
Einer meiner besseren Freunde, hat in China seine Playboy-Seite entdeckt und angefangen offene Beziehungen zu fuehren. Anfangs waren es zwei. Spaeter fuenf. Noch ein wenig spaeter hab ich fuer ihn in allen moeglichen Krankenhauesern angerufen um nachzufragen, wer mal nachschauen kann ob der Ausschlag da unten normal ist. (War er nicht, haha.)
Einen Krankenhausaufenthalt spaeter waren es wahrscheinlich nur noch 4 offene Beziehungen.
Oder ein anderer Freund, der sich auf das verbreiten von Dingen, die einem das Hoeren von Raggae-Musik angenehmer machen spezialisiert hat... Wir hatten 2-3 Monate keinen Kontakt, weil wir beide anderes zu tun hatten. Dann rufe ich ihn mal wieder an und frage ob er was machen will. Ist aber irgendwie nix geworden an dem Tag. Vier Tage spaeter fahr ich bei seiner Freundin in der Wohnung vorbei und klingel. Eine aeltere Dame mit Umzugskisten macht auf: “Die sind umgezogen.” …Also zu seiner Wohnung. Keiner macht auf. Ich guck mir ein paar Prospekte an, die vor der Tuer lagen – 1 Monat alt. Also weiter in eine Bar wo er immer hin ist.
“Der x. Nee. Der x ist weg. Der ist im Knast. Hier ist die neue Nummer von seiner Freundin.”
Freundin angerufen: “Ja. Ein halbes Jahr bis zur Anhoerung.”
Wurde, nach dem halben Jahr, ausgewiesen. Schade.
Einmal kam mich ein Freund aus Deutschland besuchen. Wir gehen nach San Li Tun (Szene-Viertel). Ich gehe sonst nie nach San Li Tun. Ich hasse es. Aber gut. Besichtigung und so.
Kurze Erklaerung: Da laufen Kinder mit Rosen rum. Die Verkaufen die. Auch Nachts um 2 laufen da noch Grundschueler rum und verkaufen Rosen. Die Eltern (im besten Falle sind es die Eltern...) stehen irgendwo daneben und beobachten, dass den Kindern nix passiert... Oder die sich kein Geld wegstecken. Eins von den Kindern nervt einen Typ extrem. Der schreit. Eine “Aufsichtsperson” von dem Kind kommt. Streit geht los. Der genervte Typ schlaegt. Die Bande kommt angerannt. Innerhalb von 15 Sekunden stehen 20 Typen um den rum, einer schnappt sich einen Hocker und zieht den dem Typen ueber den Schaedel. Hocker geht kaputt. Polizei loest es auf, Barbesitzer nuschelt wuetend. Wieder 30 Sekunden spaeter ist alles normal, Kind will dem naechsten eine Rose andrehen. Ganz normaler Abend. Zum Glueck ist es “nicht” ausgeartet.
Peking hat schon seine eigene besondere Magie.
Da ist 'ne Kultur am entstehen... Aber das steckt noch so in den Kinderschuhen.
Man erlebt da praktisch wie sich eine neue Sub-Kultur formt. Und formt die mit. Gute Zeiten um in Peking zu leben. Leider nicht mehr moeglich wegen dem Smog. Oder man tut's sich an. Der Gefahren-Faktor macht's wahrscheinlich sogar noch eine Stufe interessanter.
Und schlussendlich... Nach der Entscheidung, dass wir morgens nicht mehr hustend ueber'm Waschbecken haengen wollen sind wir nun in Sanya. Bin jetzt (frisch) 26 und wieder Englisch-Lehrer, was etwas nervt. Aber ich hab' es auch vermisst mit den Kindern rumzubloedeln. Einfach mal einen Erstklaessler ueber'm Kopf wie einen Helikopter-Rotor rumzuwirbeln und das Strahlen in den Augen von den Kiddies dabei zu sehen. Oder sich irgendein Experiment auszudenken und da so 'ne Show abzuziehen, dass 30 unerzogene Kinder ploetzlich komplett still sind und die Augen aufreissen um bloss nix zu verpassen... Das ist Balsam fuer die Seele. Ausserdem gehen da bestimmt auch ein paar Plus-Punkte auf's Karma-Konto, wenn man der naechsten Generation ein bisschen Wissen, ein paar Werte und 'ne Portion Gelassenheit vermittelt, bevor sie ihre Fantasie von der Bildungsmangel zerstoert kriegen.
Und vor allem: Jeden Tag Strand und saubere Luft. Oh Gott.
Der naechste Schritt ist zurueck nach Deutschland.
Ich will's ihr zeigen. Sie muss wissen, wo ich herkomme. Ich glaube, das ist ein wichtiger Punkt in der Beziehung gerade. Wir kennen uns jetzt in- und auswendig, aber ihr fehlt das Wissen, was mich gepraegt hat. Ich hab dreimal mit ihrer Familie auf'm Dorf Neujahr gefeiert. Ihr fehlen so Erlebnisse. Vorher sollten wir Heiraten. Ich persoenlich halte nix von Heirat. Das ist ein ueberholtes Konzept, was in der heutigen Zeit nicht mehr wirklich passt. Aber ihre Mutter draengt (zwar schon seit 3 Jahren) und es ist ihr wichtig. Ich wuerde auch so mein Leben mit ihr verbringen.
Aber anscheinend interpretieren Leute irgendeine Garantie in die Sache.
In Zeiten wie diesen hilft einem Stueck Papier auch nicht viel sage ich da mal zu.
Aber gut. Ihr zu Liebe lasse ich mich mal drauf ein. Mit schniekem Ring und Vivi Wang Kleid (Gott sei Dank will sie es nur mieten, weil sie etwas geizig ist) und so...
Hoffen wir mal, dass es unsere wundervoll-gluecklich-harmonische-ich-strampel-heulend-auf-dem-boden-aber-will-nie-mehr-was-anderes-tun-weil-ich-dich-liebe-du-arschloch-und-ich-wuerde-dich-gern-erwuergen-weil-ich-dich-so-sehr-liebe-Beziehung nicht ins Verderben stuerzt.
Im Moment laeuft doch alles gut. Alles passt, die meisten Kaempfe sind ausgetragen. (Bis auf den ob die Klimaanlage nachts laeuft, alle Maenner mit chinesischer Partnerin die diesen Kampf gefuehrt haben bitte einmal: “Oh Gott jaaa...” sagen.) Naja. Mal schauen.
So. Das war mein Senf. Passt auf euch auf!
Wie in dem anderen Post versprochen:
Hier nun mein Einstandspost. Hatte urspruenglich geplant, Info's zu China an hier dranzuhaengen. Das passt wahrscheinlich besser in einen eigenen Thread. Der ist hier zu finden:
Kleiner Einsteiger-Guide 2013 (Miete, Lebenskosten & Tipps)
http://forum.chinaseite.de/ftopic18260.html
Am besten fange ich da an, wo's angefangen hat.
Das erste mal mit China kam ich Kontakt als meine Mutter mich zur Einschulung in ein China-Restaurant geschleppt hat. Kein Eck-Imbiss, sondern so richtig mit Stein-Wasserfall-Miniatur-Aufbaute. Das war dufte. Das Essen war lecker (Ente und Schweinefleisch). Ich fand's cool. Der Mini-Angler (vielleicht 1-2 cm gross) auf 'nem Vorsprung von dem Wasserfall war ganz klar das Highlight.
Momentan hocke ich hier in unserer Wohnung in Sanya, rauche ne Qi Pi Lang Light (von wegen Light...) und bin am ueberlegen ob ein Tarantino-maessiger Aufbau dieses Threads gut kommt. Wie man sieht, habe ich mich dafuer entschieden, werde es aber wahrscheinlich vergessen einzuhalten.
Als naechstes, nach dem Angler, kamen Cartoon's, Jackie Chan, Fruehlingsrollen und so weiter (wobei der Unterschied zwischen Japan und China noch nicht ganz klar war).
Irgendwie fand' ich so "Asia-Zeugs" ganz cool. Schriftzeichen faszinieren eh jedes westliche Kind und kein Junge hat nicht schonmal vor'm Spiegel seine Kung-Fu-Moves trainiert, glaube ich. (Erwaehnenswert: Das einzige mal richtig Dresche von Mama habe ich bekommen als ich bei besagtem "Training" ihr Bett durch einen meisterlich ausgefuehrten Sprung von einem Schrank kaputtgemacht habe.)
Also irgendwie hat's mich fasziniert.
Irgendwann war ich dann mal in Holland bei Freunden und habe die Eroeffnung zu irgendwelchen Olympischen Spielen gesehen und da hiess es, dass die naechsten Olympischen Spiele in in China sind. Das war dann fuer ein Jahr ein Traum, der allerdings eher nicht zu erreichen war.
Naja. Dann habe ich meine Ex-Freundin kennengelernt. Ueber ICQ. Erst nur 'ne Online-Bekanntschaft. Sie war dann irgendwann in Deutschland, wir haben uns getroffen, sind zusammen gekommen, dann ist sie wieder heim und ich habe mit ans Internet gehockt und nach 'nem Weg gesucht.
Jugendlicher Leichtsinn. Moechte man meinen... Meinte ich auf jeden Fall.
Hab' dann schlussendlich mit 19 ein Zertifikat als Englisch-Lehrer gemacht und bin 'ne Woche nach meinem 20. Geburtstag nach China. Finanziert wurde die Geschichte durch einen Job als Headhunter, in dem ich mich als alles moegliche ausgegeben habe um Fuehrungs-Etagen von Unternehmen auszuleuchten damit die Maedels im Buero nebenan denen Jobangebote machen konnten. Ironischerweise habe ich mich, um den Job zu bekommen, als Student ausgeben. Haha.
(Hab 'n gutes Abi hingelegt, damit war meine Schullaufbahn beendet. Vielleicht kommt nochmal was, aber ich glaube mein Weg zur Millionen fuehrt eher durch irgendeine Seitengasse.)
Naja. Dann nach China. Von Frankfurt aus geflogen, Mutter ihr Freund hat mich hingeschafft. Und die Reise ging nach Shijiazhuang, Hebei. Der Job war... Im Rueckblick betrachtet, ein verdammter Gluecksgriff, obwohl ich das erste Angebot angenommen habe was kam. Lupenreines Visa, 6000元 pro Monat, Doppelstock-Appartment mit 2 anderen Lehrern... Damals ging sowas anscheinend noch.
Die Stadt war langweilig. Hebei ist eigentlich fast ausnahmlos industrielle Einoede ohne viel Kultur und Sehenswuerdigkeiten. Allerdings bin ich froh, dass es mich dahin verschlagen hat, denn die Chinesen dort sind unglaublich liebe Menschen. Was fuer eine Freundlichkeit einem da entegegen kam, das war Hammer. Gut, dass das die erste Perspektive war. Das haette auf anders laufen koennen und ich haette ziemlich schnell Hass aufbauen koennen.
(Das kam dann allerdings andererorts trotzdem noch.)
In der ersten Nacht in Shijiazhuang haette ich fast geheult, weil es auf einmal Realitaet war.
Kollegen waren Gott sei Dank nett und haben mich gut aufgenommen und am ersten Tag in 'ne Bar geschleppt. Hab nichts getrunken, aber die Bekanntschaft mit "Hugh" gemacht, der einen genialen Satz von sich gegeben hat, der mir noch heute im Gedaechtnis haengt:
"I don't speak Chinese, I don't eat Chinese and I don't shit Chinese."
Legendaer, der Typ. Der war irgendwie 64 oder so, hat an 'ner Uni gearbeitet und auf dem Campus gelebt, ist Abends immer einen trinken gegangen und ist dann Nachts ueber'n Zaun zurueck nach Hause geklettert. Legende.
Weitere erwaehnenswerte Bekanntschaften bei dem Job waren mein bester Freund, der 3 Wochen nach meiner Ankunft nach Peking gezogen ist. Ehemaliger Polizei-Psychologe, dessen Liebesleben hauptsaechlich aus Frustration ueber die Genital-Groesse und Angst vorm Outing seiner Partner bestand. Er hat mich – und das ist kein Scheiss – nachdem er nach Peking gezogen ist irgendwann spontan und ohne die Vorgeschichte zu kennen auf die Paralympics, die direkt im Anschluss an die Olympischen Spiele waren, zu 'nem Rollstuhl-Basketball-Spiel im Olypia-Park eingeladen. Sued-Afrika gegen irgendwen. Das Leben ist schon lustig. Danke an das Karma und an Gert an dieser Stelle.
In Shijiazhuang hab' ich mir uebrigens auch mein erstes Tattoo stechen lassen. Ein Kollege kam auf die Idee:
“Kommt Leute, wir lassen uns heute alle Tattoo's stechen und dann sind wir Tattoo-Brueder.”
Gut. Ich bin dabei. Anfangs waren wir 4, einer ist abgesprungen.
Also gehen wir nach Feierabend hin und kommen um 10 an. Der Kollege hat es, nach eigener Aussage, schon mit dem Besitzer geklaert und “er wartet auf uns.”
Wir klopfen, keiner macht auf. Wir klopfen nochmal. Nix. Wir gehen. Ein verschlafener Typ kommt von irgendwo her und fragt was wir wollen.
“Tattoos!”
Wir sollen kurz warten. Er geht und kommt wieder mit 'einer Heckenschere und schneidet das Schloss durch. Mach das Rolltor auf und 7 Welpen kommen angelaufen.
“Wollt ihr auch noch 'nen Hund?”
“Nee. Ist das dein Laden?”
“Ja. Wer ist der Erste und was fuer Motive wollt ihr?”
Ich habe waehrend der Prozedur ca. 3 Liter Wasser getrunken, waere zweimal fast umgekippt (oder aus'm Stuhl gefallen) und musste Pause machen aber ich habe meine Maennlichkeit bewiesen, oder so...
Eine weitere skurrile Geschichte ist die vom Porno-Laden. Kollege wollte Porno's kaufen. Anderer Kollege auch. (Die beiden Tattoo-Brueder, meine Mitbewohner.)
Ich dachte: “Na gut, kann nix schaden sich das mal anzugucken.”
Also zum kleinen dunklen Laden. Ein Typ in verschwitztem Unterhemd macht den kleinen Laden auf und bittet uns rein. Die Jungs versuchen nach DVD's zu fragen. Er versteht's nicht. Irgendwann springt er auf VCD an und laechelt, weil er jetzt endlich weiss was gemeint ist. Er nuschelt irgendwas in Chinesisch und ein Vorhang geht auf. Ein kleinwuechsiger anderer Typ, auf einem Bett in Unterhosen und Unterhemd sitzend laechelt und “huepft” vom Bett (ich sage huepft weil seine Beine nicht bis an den Boden gereicht haben) und bringt 'ne Kiste von hinten an die Theke. Geht zurueck, zieht den Vorhand zu. Die Jungs zahlen, wir gehen.
Wir haben geschwiegen (absolut nichts zu einander gesagt), bis wir um 2 Ecken waren und sind dann auf dem Boden rumgekullert vor Lachen.
(Uebrigens: Hat einer schonmal 'nen Chinesisch synchronisierten Porno geschaut? Ebenfalls legendaer.)
Eine andere Geschichte mit den beiden: Wir kommen aus der Disko. Eine Seltenheit, mich mal in 'ner Disko zu sehen, aber okay. Die beiden nach (zusammen) 40 Flaschen Bier gut dabei. Ich hab' nach einer Flasche Bier, nach der ich beschwipst war, kameradschaftlichen Spott geerntet. Aber ich trinke eben nicht. Wir fahren mit dem Taxi nach Hause. An der Ampel haelt ein grosses Auto neben uns. Die Jungs, total besoffen, schreien: “Jia na da hao!” aus dem Fenster. (Sind Kanadier.)
Die Typen im Auto fuehlen sich provoziert. Die zwei merken es und provozieren weiter.
Einer steigt aus, reisst die Tuer vom Taxi auf. Die zwei springen aus dem Taxi. Einer holt einen Teleskop-Knueppel aus dem Armaturenbrett. Ich hab' versucht mir meine Angst nicht ansehen zu lassen, haette mir aber in Wirklichkeit fast in die Hose gemacht. Nicht wegen mir selbst, aber wegen den beiden Idioten, die einfach nur besoffen und nicht in Kontrolle waren.
Einer von den Kanadiern macht sich bereit, ich werf mich vor ihn und halte ihn zurueck. Nuschel in meinem (zu der Zeit noch sau schlechten) Chinesisch: “Die sind besoffen. Und dumm. Entschuldigung, entschuldigung. Wir gehen jetzt, entschuldigung.”
Lange Rede, kurzer Sinn: Ich hab' am naechsten den grossen KFC-Eimer ausgegeben bekommen, weil die beiden wahrscheinlich der Tracht Pruegel ihres Lebens entgangen sind.
Bin einmal in der Zeit in Shijiazhuang nach Hong Kong, zur Ex. Und danach nochmal.
Die Geschichte ging dann irgendwann auseinander, weil sie sich nicht entscheiden konnte und ich dachte: "Alter, Maedchen... Ich hab' hier mal gerade einfach so die Aktion des Jahrzehnts fuer dich vollbracht und du weisst nicht was du willst?"
Naja. Dann ging's (als Englisch-Lehrer) weiter nach Wuhan, Hubei. Die Stadt war mir von Anfang an unsympathisch. Laut, dreckig, unfreundlich... Und die Leute erst... Dort habe ich zum Beispiel gesehen, dass sich Frauen ueber 60 noch miteinander pruegeln koennen. Oder, dass ein Radfahrer einem 2 Yuan abverlangt wenn man nach einer Luftpumpe fragt. Deswegen hab ich's da wahrscheinlich auch nur 3 Monate ausgehalten. Fuer den Lebenslauf habe ich dann aus dem Job ein Praktikum gemacht.
Dort habe ich allerdings auch meine Freundin kennengelernt. Das einzig Gute.
Zu der Zeit hatte ich ziemliche Depressionen (nicht wirklich, aber schon irgendwie) und mein Leben bestand mehr oder weniger daraus, Final Fantasy zu spielen und Bratreis zu futtern, oder ins Internet-Cafe zu gehen. Lustiger Fakt zu Internet-Cafe's in Wuhan: Nach 11 Uhr sieht man da (in fast jedem) allerhand jugendliche die sich weisses Zeug in die Nase ziehen und Spiele in billigster 2D-Grafik spielen. Das war interessant in Anbetracht der Tatsache, dass ich immer dachte hier gibt es keine (oder fast keine) Drogen-Kultur.
Naja, auf jeden Fall – Freundin kennengelernt.
Wir sind nach 4 Jahren (oder so...) noch zusammen. Habe sie ueber einen Klassenkamerad von ihr kennengelernt, der irgendwas mit dem Typ zu tun hatte, dem der Imbiss gehoerte wo ich mir immer Bratreis geholt hab. Wir sind direkt beim ersten Treffen uebereinander hergefallen (noch nicht komplett). Sie konnte kein Englisch und ich kein Chinesisch.
Das war schon lustig am Anfang. Kennt einer den Film, wo Antonio Banderas irgendwie durch zuhoeren ueber einen laengeren Zeitraum eine Sprache lernt? So war das.
Danach erstmal wieder Heim, nach Deutschland. Musste zurueck. Mich erst mal wieder ausbalancieren. Fernbeziehung also.
Bin daheim dann im 'nem Call-Center untergekommen... War ein hartes Erwachen, aber hab' ein paar nette Leute kennengelernt. Und bin jetzt uebrigens auch Profi was Auto-Versicherungen angeht.
Also... Gespart was das Zeug hielt und dann wieder nach China. Nach Hebei - Hengshui. Auf's Dorf. 50,000 Einwohner-Kaff. Das war hart. Keine Ahnung wie ich das Jahr durchgehalten hab. Ohne sie waere ich da eingegangen. Hab versucht mir da das Trinken anzugewoehnen. Erfolglos.
Aber wir waren zusammen. Und haben uns nochmal gescheit kennengelernt, nachdem wir vorher ja nur 3-4 Monate zusammen hatten. Es war wundervoll, aber der Post soll nicht hauptsaechlich mit Liebesgesuelze befassen.
Im Kaff, in dem es nicht mal ein Fast Food Restaurant gab, war ich die ersten 4 Monate der einzige Auslaender (bis auf die Wochenenden die wir in Peking verbracht haben.)
Dann kam Milli. Aus Ghana. Ganz nett. Nach 3 Wochen hat es ihr aber anscheinend nicht mehr gepasst und sie hatte Probleme mit dem Visa. Ist irgendwo anders hin.
Dann kam Ben, auch aus Ghana. Er hat schon vorher in China gelebt. Wir haben im Essen gekocht am ersten Tag und anscheinend hatte er auf der ganzen Zugfahrt nix gefuttert, er war auf jeden Fall sehr dankbar und hat sich am naechsten Tag revanchiert. Sehr netter Typ, ist aber nach ner Woche weg, weil er einen Job gefunden hat, wo sie ihm ein Visum stellen. Dann kamen Ben & Cosmos, auch aus Ghana. Auch sau nette Typen, die ihr ganzes Erspartes in den China-Trip gesteckt haben um Geld zu machen. Die Schule konnte ihnen kein Visum stellen. Also zurueck nach Hause. In der letzten Nacht haben die beiden geheult bis zum geht nicht mehr. Das war schon hart.
Naja. Dann ging's nach Peking. Endlich. Meine Traumstadt. Peking ist der Hammer.
Ist mir bis heute die liebste Stadt in China. Allerdings kann man da nicht mehr Leben. Da ist Krebs fast schon versprochen, bei dem Zeug was da in der Luft rumschwirrt.
Hab' dort als Deutschlehrer angefangen und dann zum ersten Mal in China in einen Beruf ausserhalb von Lehrer-Taetigkeiten gewechselt - Uebersetzer und Schreiberling fuer Online-Spiele. Das war mit Abstand die beste Zeit. Da jeden Morgen einzutrudeln, sich durch die erste Stunde zu kaempfen, 2 Kaffee's trinken und dann endlich Kippenpause. Dann mit meinen Kollegen, von denen mir ein paar richtig ans Herz gewachsen sind auf den Treppen sitzen und jeder erzaehlt warum er so sau muede ist. Einige noch ein bisschen angetrunken von gestern, andere noch ein wenig (oder schon wieder...) bekifft, ich meistens einfach nur muede vom Skypen mit der Familie, oder nach Nachtwanderungen durch die Stadt. Aber jeder so sau happy. Jeder hatte seine Probleme, mit der Beziehung, dem Visum, der Miete (einmal kam es vor, das jeder von uns vier so ca. 3 Tage nach Zahltag nix mehr vom aktuellen Gehalt uebrig hatten, aber ausser Lachen ging da nix). Oder, dass der eine Kollege mal 3 Tage nicht auftaucht und keiner weiss was los ist und er dann ankommt und sagt: “Ey Leute. Ich bin seit 3 Tagen wach, wir waren gerade in Shanghai und haben ein Konzert gespielt. Ich hab 20000元 gemacht und wir gehen jetzt Essen!”
Oder allgemein Mittagspause. Jeden Tag ins Yummie House, entweder Spaghetti Carbonara oder irgendetwas das vage Curry imitiert essen und uebers Leben philosophieren, mit den Maedels Beziehungsprobleme bereden, Alice's esoterische Tricks ueber sich ergehen lassen.
Einer meiner besseren Freunde, hat in China seine Playboy-Seite entdeckt und angefangen offene Beziehungen zu fuehren. Anfangs waren es zwei. Spaeter fuenf. Noch ein wenig spaeter hab ich fuer ihn in allen moeglichen Krankenhauesern angerufen um nachzufragen, wer mal nachschauen kann ob der Ausschlag da unten normal ist. (War er nicht, haha.)
Einen Krankenhausaufenthalt spaeter waren es wahrscheinlich nur noch 4 offene Beziehungen.
Oder ein anderer Freund, der sich auf das verbreiten von Dingen, die einem das Hoeren von Raggae-Musik angenehmer machen spezialisiert hat... Wir hatten 2-3 Monate keinen Kontakt, weil wir beide anderes zu tun hatten. Dann rufe ich ihn mal wieder an und frage ob er was machen will. Ist aber irgendwie nix geworden an dem Tag. Vier Tage spaeter fahr ich bei seiner Freundin in der Wohnung vorbei und klingel. Eine aeltere Dame mit Umzugskisten macht auf: “Die sind umgezogen.” …Also zu seiner Wohnung. Keiner macht auf. Ich guck mir ein paar Prospekte an, die vor der Tuer lagen – 1 Monat alt. Also weiter in eine Bar wo er immer hin ist.
“Der x. Nee. Der x ist weg. Der ist im Knast. Hier ist die neue Nummer von seiner Freundin.”
Freundin angerufen: “Ja. Ein halbes Jahr bis zur Anhoerung.”
Wurde, nach dem halben Jahr, ausgewiesen. Schade.
Einmal kam mich ein Freund aus Deutschland besuchen. Wir gehen nach San Li Tun (Szene-Viertel). Ich gehe sonst nie nach San Li Tun. Ich hasse es. Aber gut. Besichtigung und so.
Kurze Erklaerung: Da laufen Kinder mit Rosen rum. Die Verkaufen die. Auch Nachts um 2 laufen da noch Grundschueler rum und verkaufen Rosen. Die Eltern (im besten Falle sind es die Eltern...) stehen irgendwo daneben und beobachten, dass den Kindern nix passiert... Oder die sich kein Geld wegstecken. Eins von den Kindern nervt einen Typ extrem. Der schreit. Eine “Aufsichtsperson” von dem Kind kommt. Streit geht los. Der genervte Typ schlaegt. Die Bande kommt angerannt. Innerhalb von 15 Sekunden stehen 20 Typen um den rum, einer schnappt sich einen Hocker und zieht den dem Typen ueber den Schaedel. Hocker geht kaputt. Polizei loest es auf, Barbesitzer nuschelt wuetend. Wieder 30 Sekunden spaeter ist alles normal, Kind will dem naechsten eine Rose andrehen. Ganz normaler Abend. Zum Glueck ist es “nicht” ausgeartet.
Peking hat schon seine eigene besondere Magie.
Da ist 'ne Kultur am entstehen... Aber das steckt noch so in den Kinderschuhen.
Man erlebt da praktisch wie sich eine neue Sub-Kultur formt. Und formt die mit. Gute Zeiten um in Peking zu leben. Leider nicht mehr moeglich wegen dem Smog. Oder man tut's sich an. Der Gefahren-Faktor macht's wahrscheinlich sogar noch eine Stufe interessanter.
Und schlussendlich... Nach der Entscheidung, dass wir morgens nicht mehr hustend ueber'm Waschbecken haengen wollen sind wir nun in Sanya. Bin jetzt (frisch) 26 und wieder Englisch-Lehrer, was etwas nervt. Aber ich hab' es auch vermisst mit den Kindern rumzubloedeln. Einfach mal einen Erstklaessler ueber'm Kopf wie einen Helikopter-Rotor rumzuwirbeln und das Strahlen in den Augen von den Kiddies dabei zu sehen. Oder sich irgendein Experiment auszudenken und da so 'ne Show abzuziehen, dass 30 unerzogene Kinder ploetzlich komplett still sind und die Augen aufreissen um bloss nix zu verpassen... Das ist Balsam fuer die Seele. Ausserdem gehen da bestimmt auch ein paar Plus-Punkte auf's Karma-Konto, wenn man der naechsten Generation ein bisschen Wissen, ein paar Werte und 'ne Portion Gelassenheit vermittelt, bevor sie ihre Fantasie von der Bildungsmangel zerstoert kriegen.
Und vor allem: Jeden Tag Strand und saubere Luft. Oh Gott.
Der naechste Schritt ist zurueck nach Deutschland.
Ich will's ihr zeigen. Sie muss wissen, wo ich herkomme. Ich glaube, das ist ein wichtiger Punkt in der Beziehung gerade. Wir kennen uns jetzt in- und auswendig, aber ihr fehlt das Wissen, was mich gepraegt hat. Ich hab dreimal mit ihrer Familie auf'm Dorf Neujahr gefeiert. Ihr fehlen so Erlebnisse. Vorher sollten wir Heiraten. Ich persoenlich halte nix von Heirat. Das ist ein ueberholtes Konzept, was in der heutigen Zeit nicht mehr wirklich passt. Aber ihre Mutter draengt (zwar schon seit 3 Jahren) und es ist ihr wichtig. Ich wuerde auch so mein Leben mit ihr verbringen.
Aber anscheinend interpretieren Leute irgendeine Garantie in die Sache.
In Zeiten wie diesen hilft einem Stueck Papier auch nicht viel sage ich da mal zu.
Aber gut. Ihr zu Liebe lasse ich mich mal drauf ein. Mit schniekem Ring und Vivi Wang Kleid (Gott sei Dank will sie es nur mieten, weil sie etwas geizig ist) und so...
Hoffen wir mal, dass es unsere wundervoll-gluecklich-harmonische-ich-strampel-heulend-auf-dem-boden-aber-will-nie-mehr-was-anderes-tun-weil-ich-dich-liebe-du-arschloch-und-ich-wuerde-dich-gern-erwuergen-weil-ich-dich-so-sehr-liebe-Beziehung nicht ins Verderben stuerzt.
Im Moment laeuft doch alles gut. Alles passt, die meisten Kaempfe sind ausgetragen. (Bis auf den ob die Klimaanlage nachts laeuft, alle Maenner mit chinesischer Partnerin die diesen Kampf gefuehrt haben bitte einmal: “Oh Gott jaaa...” sagen.) Naja. Mal schauen.
So. Das war mein Senf. Passt auf euch auf!
Re: Dann stelle ich mich mal vor...
Es gibt bestimmt große Unterscheid zwischen verschiedene Städte in China. Ich glaube, das passt fast in allen Entwickungsländer. Hatte ich hier auch mal Komilitone aus India und Brazil, bei ihnen sind genau so... Im Gegenteil dazu ist hier, ich bin in Berlin, hier sehe ich alles aber ich war auch in viele westliche kleine Stadte in Deutschland, die sind auch wunderschön und sogar schöner meiner Meinung nach, Menschen hier sind auch super, meine Srachekenntnis hat also dazu sehr gehofen.
Ich finde es ist nicht schlecht dass du Englisch Lehrer bist. Ich kann mich immer erinnern, dass ich immer sehr happy im Englisch Unterricht beim ausländischen Lehren war, weil sie immer sehr nett im Vergleich zu Chinesischen Englisch Lehren waren, darum habe ich sogar Fremdsprache gemocht. Mit kinder sind immer alles einfacher, kompliert werden sie niemals.
PS:ich habe auch das längsteste Wort in meinem Leben gesehen wundervoll------Beziehnung
Ich wunsche dir und deiner Freundin Alles Gute.
Re: Dann stelle ich mich mal vor...
Willkommen im Klub... der Wuhan-Freundin-Frau-Spezialisten
Nach der Forumsstatistik haben die meisten hier eine Frau aus Hubei. Da muss was dran sein...
Auch sonst gut geschrieben, und eine Geschichte so erzählt wie richtig erlebt
Nach der Forumsstatistik haben die meisten hier eine Frau aus Hubei. Da muss was dran sein...
Auch sonst gut geschrieben, und eine Geschichte so erzählt wie richtig erlebt
- JensWensing
- Teilnehmer

- Beiträge: 46
- Registriert: 29.01.2013, 12:46
Re: Dann stelle ich mich mal vor...
Danke für den Bericht!
Hast ja schon viel erlebt, jungejunge... da meine Herzdame (Aufgewachsen in Guizhou, Lebt seit 8 Jahren in Peking) im Juni zu mir kommt (Microkosmos mit 20.000 Einwohnern
bin ich auch schon ganz schön nervös ...
BTW: Die Hochzeitskiste ist schon sehr wichtig für die chinesinnen (Speziell aus dem Süden)... da darf ich nicht mal nen Scherz drüber machen! Finde ich aber OK, mich macht es glücklich, wenn sie glücklich ist, warum sollte man es also nicht machen?
Nur wer wagt, gewinnt!
Hast ja schon viel erlebt, jungejunge... da meine Herzdame (Aufgewachsen in Guizhou, Lebt seit 8 Jahren in Peking) im Juni zu mir kommt (Microkosmos mit 20.000 Einwohnern
BTW: Die Hochzeitskiste ist schon sehr wichtig für die chinesinnen (Speziell aus dem Süden)... da darf ich nicht mal nen Scherz drüber machen! Finde ich aber OK, mich macht es glücklich, wenn sie glücklich ist, warum sollte man es also nicht machen?
Nur wer wagt, gewinnt!
Re: Dann stelle ich mich mal vor...
Dann schliesse ich mich mal an in der Reihe derer, die Dich hier bereits begruesst haben, und sage
Hallo und herzlich willkommen!
Normalerweise lese ich nur immer fuer ein paar Minuten waehrend meiner Kaffee- oder Zigarettenpausen in unserem Forum. Deine Vorstellung allerdings hat mich etwas mehr Zeit gekostet. Sehr unterhaltsam war dieser kleine Einblick in Deine China-Erfahrungen dennoch.
Ein Wenig wehmuetig wurde mir zu Mute, als Du von Sanya, den Strand und das Meer geschrieben hast. Meine Frau und ich hatten uns erst vor wenigen Wochen dazu entschieden unsere Bar auf Weizhou Island aufzugeben. Nun leben wir weit auf dem Festland in Sichuan und vom Meer direkt vor der Haustuere kann ich auf absehbare Zeit nur noch traeumen.
Ich bin gespannt, wie es bei Dir/Euch weiter geht.
Beste Gruesse
Mario
Hallo und herzlich willkommen!
Normalerweise lese ich nur immer fuer ein paar Minuten waehrend meiner Kaffee- oder Zigarettenpausen in unserem Forum. Deine Vorstellung allerdings hat mich etwas mehr Zeit gekostet. Sehr unterhaltsam war dieser kleine Einblick in Deine China-Erfahrungen dennoch.
Ein Wenig wehmuetig wurde mir zu Mute, als Du von Sanya, den Strand und das Meer geschrieben hast. Meine Frau und ich hatten uns erst vor wenigen Wochen dazu entschieden unsere Bar auf Weizhou Island aufzugeben. Nun leben wir weit auf dem Festland in Sichuan und vom Meer direkt vor der Haustuere kann ich auf absehbare Zeit nur noch traeumen.
Ich bin gespannt, wie es bei Dir/Euch weiter geht.
Beste Gruesse
Mario
世上无难事,只怕有心人。 - Wo ein Wille ist, da ist ein Weg.
(Chinesisches Sprichwort)
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