Bei mir war's ähnlich wie beim Thread-Ersteller, als es zur Heirat kam, kam das Brautgeld ins Gespräch. Die Eltern meiner Frau kommen aus Hunan, also auch eher Südchina. Sie kommen vom platten Land und sind Reisbauern. Als mir meine Frau (damals noch Verlobte) davon erzählt hat, war ich natürlich entsetzt und habe ihr unmissverständlich zu verstehen gegeben, dass ich keinen Cent bezahle (da wusste ich noch nicht, um wie viel es hier geht). Nachdem das immer mehr zum Drama wurde (auch zwischen ihren Eltern und ihr selbst), habe ich mich mehr um das Thema gekümmert. Erstens habe ich mal gefragt, wie viel denn ihre Eltern haben möchten (dachte mir: wenns 1.000,00EUR sind, dann ist's ja billig und der Streit vom Tisch

). Die Forderung: 20.000,00 - 30.000,00 EUR !!!! Da hats mir ja schon die Sprache verschlagen

. Ich habe angefangen, bei diversen Chinesen nachzufragen und mich über dieses Brautgeld zu informieren. Hier meine Erfahrungen:
- Brautgeld ist in China verboten, aber von Region zu Region unterschiedlich (je weiter aufs Land, desto eher Brautgeld. In der Stadt nicht sehr verbreitet)
- Je ärmer, desto eher Brautgeld: in armen Familien - also solchen meiner Frau - sind Kinder immer noch die einzige Mögichkeit, sich im Alter abzusichern. Dabei gilt folgendes: Eine Familie braucht 2 Söhne, um im Alter abgesichert zu sein. Nur Söhne zählen, weil ja die Mädels in die anderen Familien einheiraten. Somit scheiden Mädels für die Altersvorsorge aus. Wenn also nur 1 Sohn da ist, dann braucht die Familie das Geld, um zu überleben.
- Verwendung des Brautgeldes: Normalerweise wird es teilweise dafür genutzt, eine Wohnung für das Brautpaar zu kaufen oder Einrichtungsgegenstände. Somit wird durch die Forderung des Brautgeldes eine gewisse Lebensgrundlage für die Braut sichergestellt.
- Höhe des Brautgeldes: Das hängt von der Einkommenssituation des Bräutigams ab. Hier war aber die eindeutige Aussage vieler der befragten Chinesen: 20.000,00 - 30.000,00 EUR ist für einen Deutschen Bräutigam eine ganz normal Forderung, weil die Eltern davon ausgehen, dass wir in Milch und Honig baden. Eine Aussage einer Chinesin war aber interessant: Wenn die Eltern 20.000,00 fordern, dann gib Ihnen 2.000,00

. Es scheint dort wirklich eine Art Verhandlungsbasis zu sein - ich will das jetzt nicht gut- oder schlechtheissen - aber: andere Länder, andere Sitten.
Wie war unsere Lösung: Ich habe damals meine Firma aufgebaut und bei mir war's wirklich eng auf dem Konto, also habe ich meiner Frau folgende Lösung angeboten: Die Kosten für die Hochzeit wurden von mir auf 5.000,00 EUR taxiert. Ich habe vorgeschlagen, Einsparungen vorzunehmen (Günstigerer Ehering, kein Fotograf, nicht so teure Location, nicht so viele Gäste etc.). Alles, was unter 5.000,00 EUR bleibt, würden ihre Eltern bekommen. Dazu habe ich den Gästen mitgeteilt, dass wir keine Geschenke wollen, sondern eine Box aufstellen, in dem jeder den Betrag reinschmeissen solle, den er für richtig erdenkt. Dieses Geld würde auch noch an die Eltern gehen. Dazu kommt noch eine jährliche Unterstützung von 1000,00 EUR (was normal ist, wenn Du eine Chinesin vom Land heiratest).
Insgesamt habe ich also damals ca. 2000,00 EUR Brautgeld an die Eltern gezahlt + 1000,00 EUR für das erste Jahr.
Das wars, alle waren glücklich und ich im Reinen mit mir, weil die Hochzeit keinen Cent mehr gekostet hat als eingeplant
