Friedensnobelpreis

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Bernhard
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Re: Friedensnobelpreis

Beitrag von Bernhard »

Grufti hat geschrieben:Hier eine Liste von Dissidenten, die in der Vergangenheit Träger des Friedensnobelpreises waren:


Nobel Peace Prize-winning dissidents

* 2003 Iranian lawyer and activist Shirin Ebadi
* 1991 Aung San Suu Kyi, Burmese pro-democracy campaigner and opposition leader
* 1983 Lech Walesa, head of Poland's Solidarity trade union movement that spearheaded the east European anti-communist movement
* 1980 Adolfo Esquivel, Argentine human rights activist imprisoned during the country's "dirty war"
* 1975 Andrei Sakharov, Russian top nuclear physicist, human rights campaigner
* 1960 Albert Lutuli, South African anti-apartheid campaigner
* 1935 Carl von Ossietzky, German journalist imprisoned by the Nazis in 1933

siehe auch Wiki-Liste

Ich bin mir 100 Pro sicher, daß die VR China in keinem Falle etwas dagegen gehabt hatte, daß die betreffenden Personen diesen Preis bekommen hatten...
Na ja, es kommt drauf an, ob es Friedensstifter und Volksfreunde oder Imperialisten und Unruhestifter sind.

Gehen wir die Liste einmal durch:

2003 Iranian lawyer and activist Shirin Ebadi: Wenn er seine "Ding" ohne Betiligung des Auslands durchzieht, dann ist das eine inner-iranische Angelegenheit und er ist weder gut, noch schlecht. Er hat zwar für seine Aktivitäten keinen internationalen Preis verdient, ist aber auch nicht notwendigerweise schlecht.

1991 Aung San Suu Kyi, Burmese pro-democracy campaigner and opposition leader: Unruhestifterin ersten Grades! Schuldig des Widerstands gegen die legitime Regierung Myanmars sowie anderer Verbrechen!

1983 Lech Walesa, head of Poland's Solidarity trade union movement that spearheaded the east European anti-communist movement: Ebenfalls Unruhestifter ersten Grades! Schuldig des Widerstands gegen die legitime polnische anti-imperialistische Regierung, Saboteur der polnisch-sowjetischen Freundschaft, Handlanger des Vatikans, Amerikas und anderer imperialistischer Kräfte. Er ist letztlich dafür verantwortlich, dass die Konterrevolution die friedfertigen Regierungen der Werktätigen auf der ganzen Welt zu Fall brachte und den Sieg des Sozialismus auf unbestimmte Zeit verschoben ist.

1980 Adolfo Esquivel, Argentine human rights activist imprisoned during the country's "dirty war": vollkommen gerechtfertigt! Wer sich gegen ein verbrecherisches Regime und gegen die Handlanger der imperialistischen Großmacht stellt, verdient alle Anerkennung!

1975 Andrei Sakharov, Russian top nuclear physicist, human rights campaigner: Wiederum ein Unruhestifter par excellence. Ihm fiel wohl nichts Besseres ein, als mit seiner Propaganda die sowjetische Regierung zu stabilisieren.

1960 Albert Lutuli, South African anti-apartheid campaigner: Wer sich gegen ein rassistisches Unrechtsregime mit deutlich sklavenhalterischen Tendenzen stellt, verdient uneingeschränkte Anerkennung!

1935 Carl von Ossietzky, German journalist imprisoned by the Nazis in 1933: Dass er volle Anerkennung verdient, muss nicht weiter diskutiert werden
beowulf
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Re: Friedensnobelpreis

Beitrag von beowulf »

2003 Iranian lawyer and activist Shirin Ebadi: Wenn er seine "Ding" ohne Betiligung des Auslands durchzieht, dann ist das eine inner-iranische Angelegenheit und er ist weder gut, noch schlecht. Er hat zwar für seine Aktivitäten keinen internationalen Preis verdient, ist aber auch nicht notwendigerweise schlecht.

1. "Er" ist eine "Sie"
2. Ist Frau Ebadi eine klare Vertreterin des westlichen Universalismus. Dadurch natürlich ein Paradebeispiel für unseren Eurozentren Preis:
I hope the example of Saddam Hussein will give a lesson to leaders of other countries where human rights are not respected.
Human rights is a universal standard. It is a component of every religion and every civilization.
The idea of cultural relativism is nothing but an excuse to violate human rights.
Interessant (und natürlich begrüssenswert) ist aber bei ihr, dass sie nach der Katastrophe des Irakkrieges davon abgekommen ist, selbiges für ihr Land zu wünschen:
"No American soldier should be allowed to set foot on Iranian soil, regardless of the criticism we have of the Iranian government."
Bernhard
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Re: Friedensnobelpreis

Beitrag von Bernhard »

beowulf hat geschrieben: 1. "Er" ist eine "Sie"
gleichviel.

Du glaubst hoffentlich nicht, dass mein Beitrag ernst gemeint war
ghormax
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Re: Friedensnobelpreis

Beitrag von ghormax »

Zunächst einmal gratuliere ich Liu Xiaobo und China für den Friedensnobelpreis!

Ich weiß nicht, warum hier so viel parteische Kommentare kommen, die die chinesische Regierung verteidigen. Jede Regierung bzw. Gruppe muss sich Kritik stellen, so auch die chinesche Regierung. Der Nobel-Preis an Liu geht für seine Mühen wichtige Refromen in China auf friedliche Weise voranzutreiben. Und genau deswegen ist der Preis so gefährlich für China, dass die Regierung jede Meldung über den Preis zensiert. Dies zeigt Angst und Unsicherheit und auch fehlende Legitimität. Ein Regime dass legitim ist muss sich immer offen der Kritik stellen und sich verteidigen. Das gleiche gilt auch für Aung San Suu Kyi, die unter Hausarrest gestellt wurde weil das Regime so wenig Legitimität hat. Es kann Aung nicht einmal töten. Stattdessen muss das Regime Repressionen benutzen.

Möge der Friedensnobelpreis China auf Dauer Frieden bringen!!!
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Re: Friedensnobelpreis

Beitrag von Grufti »

wieviel politischen Sprengstoff doch der Friedensnobelpreis bietet.... :roll: :lol:
Früher ging es uns gut. heute geht es uns besser...
Es wäre aber besser , es ginge uns wieder gut !
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Natal
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Re: Friedensnobelpreis

Beitrag von Natal »

Habe eben mal meine frau gefragt , was sie so als chinesin von der ganzen sache hält ; die antwort war etwas verblüffend für mich , zumal meine frau sich für die verschiedensten politischen themen chinas interessiert : " ich kenne den mann nicht - wer ist das ... aber er hat einen chinesischen namen .
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Re: Friedensnobelpreis

Beitrag von Aremonus »

Das Problem dürfte wohl eher sein, dass viele Chinesen zu arm sind, um überhaupt einmal das Land zu verlassen und sich mit anderen Kulturen auseinander zu setzen. Sie nehmen daher den "Westen" als eine kulturelle Identität an und kommen mit dem kulturellen Pluralismus nicht klar. Umgekehrt ist es auch so, dass sich viele automatisch selbst angegriffen fühlen, wenn die chinesische Regierung angegriffen wird.
Ich denke, hier liegt das grösste Entwicklungspotential in der chinesischen Gesellschaft: zu erkennen, dass man selbst jemand ist und Ansprüche gegenüber seiner Umwelt haben darf.
Erst wenn der letzte Baum gefällt, der letzte Fluss gestaut und der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr feststellen, dass man Biber nicht essen kann!
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Re: Friedensnobelpreis

Beitrag von beowulf »

Der Nobel-Preis an Liu geht für seine Mühen wichtige Refromen in China auf friedliche Weise voranzutreiben.
Man muss hier einmal etwas klar stellen, Liu Xiaobo ist KEIN REFORMER!
Eine Reformer versucht, wie der Name schon sagt, zu reformieren. Liu Xiaobao fordert aber eine vollständige Abschaffung des Systems und die Einführung einer föderalistischen Demokratie. Eine Abschaffung eines Systems ist keine Reform, sondern eine Ersetzung. Zweitens richtet Liu seine Aufforderungen auch nicht an die KP, sondern an die Bevölkerung. Liu aberkennt explizit die Fähigkeit der KP zu Reformen. Das zieht sich übrigens durch die ganze Charta 08.

“Expecting a free China to appear from the ‘new policies’ of the rulers is far less likely that hoping for it to come through the steady expansion of ‘new forces’ among the people.”

“Change the Society to Change the Regime”

“Expecting a free China to appear from the ‘new forces’ of the rulers is far less likely that hoping for it to come through the steady expansion of ‘new forces’ among the people.”

Liu richtet sich also nicht an die Regierung, sondern an die Bevölkerung gegen die Regierung aktiv zu werden. Er fordert auch nicht eine Reform des Systems sondern eine Ersetzung durch ein neues.


Dazu kann man jetzt stehen wie man will, ich bin mir übrigens sicher das die breite Masse der Bevölkerung eine Revolution in China begrüßen würde. Der Idealfall wäre ein Zusammenbruch des Systems ala Sowjetunion. Aber nennt den Herren nicht dauernd einen Reformer, wenn er eben keiner ist. Gorbatschow war ein Reformer, aber ein erfolgloser Reformer, da seine Reformen nicht das System verändert sondern zerstört haben. Weswegen er auch von den meisten Russen als schwacher Politiker eingeordnet wird. Er selbst sieht das übrigens nicht anders und geht inzwischen auch schon selbstkritisch mit sich ins Gericht.

Für mich hat das eine Geschmack nach Manipulation. Durch die Einordnung "Liu ist ja nur ein Reformer" soll der Eindruck verstärkt werden, dass die KP sich gegen Reformen wehrt und China ein totalitärer Staat ist, indem man nicht einmal Denkanstöße setzen kann, ohne im Gefängnis zu landen.
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Re: Friedensnobelpreis

Beitrag von beowulf »

Aremonus hat geschrieben:Das Problem dürfte wohl eher sein, dass viele Chinesen zu arm sind, um überhaupt einmal das Land zu verlassen und sich mit anderen Kulturen auseinander zu setzen. Sie nehmen daher den "Westen" als eine kulturelle Identität an und kommen mit dem kulturellen Pluralismus nicht klar. Umgekehrt ist es auch so, dass sich viele automatisch selbst angegriffen fühlen, wenn die chinesische Regierung angegriffen wird.
Ich denke, hier liegt das grösste Entwicklungspotential in der chinesischen Gesellschaft: zu erkennen, dass man selbst jemand ist und Ansprüche gegenüber seiner Umwelt haben darf.
Ist es nicht so, dass die vehementesten Kritiker des Westens Chinesen sind die längere Zeit im Ausland verbracht haben? Übrigens glaube ich eher, dass wir im Westen mit kulturellen Pluralismus nicht klarkommen. Hier wird eher ein moralischer Universalismus vertreten, der konträr zu kulturellen Pluralismus steht.
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Red Duck
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Re: Friedensnobelpreis

Beitrag von Red Duck »

ghormax hat geschrieben:Zunächst einmal gratuliere ich Liu Xiaobo und China für den Friedensnobelpreis!

Ich weiß nicht, warum hier so viel parteische Kommentare kommen, die die chinesische Regierung verteidigen. Jede Regierung bzw. Gruppe muss sich Kritik stellen, so auch die chinesche Regierung. Der Nobel-Preis an Liu geht für seine Mühen wichtige Refromen in China auf friedliche Weise voranzutreiben. Und genau deswegen ist der Preis so gefährlich für China, dass die Regierung jede Meldung über den Preis zensiert. Dies zeigt Angst und Unsicherheit und auch fehlende Legitimität. Ein Regime dass legitim ist muss sich immer offen der Kritik stellen und sich verteidigen. Das gleiche gilt auch für Aung San Suu Kyi, die unter Hausarrest gestellt wurde weil das Regime so wenig Legitimität hat. Es kann Aung nicht einmal töten. Stattdessen muss das Regime Repressionen benutzen.

Möge der Friedensnobelpreis China auf Dauer Frieden bringen!!!
Zu dem Preisträger kann man stehen, wie man will, aber wie kommst Du darauf, dass die Regierung der VRC nicht legitim ist. Sie ist von der UN anerkannt. Dann könnte man auch der Regierung der BRD die Legitimität aberkennen. Oder ist es demokratisch, dass eine 5 % Partei mitregieren darf, während eine 30 % Partei in der Opposition ist? Ich habe z. B. nicht über die wichtigste Frage nach dem 2. Weltkrieg, die Frage nach der Wiedervereinigung, abstimmen dürfen. Oder die Anerkennung der europäischen Verfassung, die Iren und die Dänen durften das, soviel ich weis.

Und wieso Frieden bringen, ich kann mich nicht daran erinnern, dass die VRC sich im Kriegszustand befindet. :?:
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Re: Friedensnobelpreis

Beitrag von beowulf »

Natal hat geschrieben:Habe eben mal meine frau gefragt , was sie so als chinesin von der ganzen sache hält ; die antwort war etwas verblüffend für mich , zumal meine frau sich für die verschiedensten politischen themen chinas interessiert : " ich kenne den mann nicht - wer ist das ... aber er hat einen chinesischen namen .
Liegt daran, dass die chinesischen Dissidenten bei uns x mal bekannter sind als in China selbst. Liegt natürlich einerseits an der chinesischen Zensur, anderseits stehen die Dissidenten dermassen außerhalb der Gesellschaft, dass sie kein Gehör bekommen. Bei uns werden sie aber von den Medien aufgepäpelt und als Stimme des Volkes verkauft. Das ist eine gefährliche Entwicklung, da der Diskurs nur über politische Randgruppen verläuft. Deswegen hat der Westen auch einen immer schlechteren Stand bei der chinesischen Bevölkerung. Diese fühlt sich auch vom Westen bevormundet und merkt, dass keinerlei Interesse an ihrer Meinung herrscht. Noch mehr, ihre Meinung ist nur dann interessant, wenn sie sich mit der westlichen Ansicht deckt - z.B. gegen Korruption. Wenn sie nicht mit dieser zusammenpasst - z.B. Status Tibets oder Taiwan - wird die Bevölkerung als "Gehirngewaschen" hingestellt. Eine sehr arrogante Haltung.
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Re: Friedensnobelpreis

Beitrag von aquadraht »

beowulf hat geschrieben:..Dazu kann man jetzt stehen wie man will, ich bin mir übrigens sicher das die breite Masse der Bevölkerung eine Revolution in China [*] begrüßen würde...
Da fehlt ein "nicht", vermute ich

a^2
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Re: Friedensnobelpreis

Beitrag von beowulf »

Du glaubst hoffentlich nicht, dass mein Beitrag ernst gemeint war
1960 Albert Lutuli, South African anti-apartheid campaigner: Wer sich gegen ein rassistisches Unrechtsregime mit deutlich sklavenhalterischen Tendenzen stellt, verdient uneingeschränkte Anerkennung!

Also bist du gegen Albert Lutuli?
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Re: Friedensnobelpreis

Beitrag von beowulf »

aquadraht hat geschrieben:
beowulf hat geschrieben:..Dazu kann man jetzt stehen wie man will, ich bin mir übrigens sicher das die breite Masse der Bevölkerung eine Revolution in China [*] begrüßen würde...
Da fehlt ein "nicht", vermute ich

a^2
Nein, ich meine die breite Masse der Bevölkerung im Westen.
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Re: Friedensnobelpreis

Beitrag von Bernhard »

beowulf hat geschrieben:
Du glaubst hoffentlich nicht, dass mein Beitrag ernst gemeint war
1960 Albert Lutuli, South African anti-apartheid campaigner: Wer sich gegen ein rassistisches Unrechtsregime mit deutlich sklavenhalterischen Tendenzen stellt, verdient uneingeschränkte Anerkennung!

Also bist du gegen Albert Lutuli?
Ich habe hier den Standpunkt eines aufrechten Kommunisten karikiert. Ist das so unklar?
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