Ni hao aus München

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Angelika
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Re: Ni hao aus München

Beitrag von Angelika »

Das geht ja fix hier - danke für all die Infos, Laogai! (Das mit dem Schuhzubinden habe ich gerade ausprobiert und ähnliche Gefühle verspürt! :shock: )

Ich meine, ich bin damals diese Strecke von Jinshanling nach Simatai gelaufen. Da gibt es doch auch einen schönen blauen Stausee irgendwo in der Mitte, oder? Außerdem mussten wir zwischendrin mal eine Bank aufsuchen und sind zu diesem Zweck nach Chengde gefahren - passt das von der Geographie her?

In Badaling war mein Mann vor zwei Jahren, da müssen ganze Völkerwanderungen stattfinden.

Danke, danke für die Fotos! Da sind sehr geeignete Türme dabei! Hast du vielleicht noch eine Erinnerung, wie es da innen drinnen aussehen könnte? Und riecht? Eventuell hallt oder tropft oder modert? Wieviel Platz ist? Der Boden und die Wände aussehen?

Wenn es kein Verbrechen gibt - (dann will ich mal an die Wirklichkeit denken und froh sein - wenngleich die Schnirklichkeit dabei zu kurz kommt :cry: ), tuts auch ein Unfall. Wäre es denkbar, dass jemand (das muss nicht unbedingt ein Ausländer sein), der dort hilflos herum liegt, von einem Strolch auch noch beraubt wird? Mir fällt allerdings selber die Vorstellung schwer, dass ein einigermaßen rationeller Strolch sich die Mauer hoch kämpft, um dort auf zufällig durch die Gegend kullernde reiche Deppen zu lauern. Andererseits erinnere ich mich an den Ausspruch unseres Wanderführers, dass die Taschentücher und Wasser verkaufenden Menschen auf der Mauer (meist Mongolen, hieß es) neben dieser erkennbaren merkantilen Funktion auch noch einen gewissen Schutz gegen Diebe und Räuber böten. Wenn dir dazu irgendwas einfiele ...?

Die Polizisten, die du erwähnst, sind das Ortsansässige oder werden die aus den Städten aufs Land geholt? (Hat man mir erzählt, aber sicher bin ich mir nicht, ob das stimmt).

Toll, dass du so viel weißt. Ich weiß gar nicht, wie ich mich bedanken soll. Meinem letzten Interviewpartner saß ich leibhaftig gegenüber und konnte ihn dann zum Essen einladen. Darf ich dir wenigstens eine virtuelle Erdrosselung anbieten? Als Ersatz für die Bäuerin?

Angelika
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Re: Mord auf der Mauer

Beitrag von Angelika »

Ah, das habe ich noch vergessen:
laogai hat geschrieben:Bis in die späten 1990er Jahre oder Anfang dieses Jahrhunderts (das genaue Jahr der Sperrung weiß ich leider nicht) durfte man auch noch bis zum 18 Turm kraxeln. Man hatte den Weg halbwegs trittsicher gemacht, aber es war trotzdem sauanstrengend und schweinegefährlich. Nicht unbedingt Eiger Nordwand, aber dort sind ja auch Touris hochgestiefelt, die nicht entsprechend ausgerüstet und trainiert waren. Daher hat es wohl einige Abstürze, auch tödliche, gegeben und man hat den Teil dicht gemacht.
Wenn jemand irgendwas dazu hat - Zeitungsausschnitte, Erinnerungen: Art der Unfälle, wann ungefähr passiert, Konsequenzen der Behörden: schnell oder langsam - bitte her damit. Das würde mir enorm helfen.

Und noch was: Vielleicht ist es eine albernen Vorstellung meinerseits, aber gibt es so was wie eine behördliche Konfliktscheu bei solchen Vorfällen? Dass man es nicht gerne publik machen möchte, sich erst mal vor Konsequenzen drückt oder dergleichen, weil es dem Ansehen des Landes schaden könnte? (In Kreta z.B., das weiß ich zufällig, ging eine Weile lang alle Welt davon aus, dass es auf dieser Insel "nichts Giftiges" gibt. Als dann doch mal jemand von einer Giftschlange gebissen wurde, bedurfte es längerer Verhandlungen, bis ein Arzt entsprechend tätig wurde.)

Danke vielmals,
Angelika
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bossel
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Re: Ni hao aus München

Beitrag von bossel »

Angelika hat geschrieben:zu (1) Hättest du da vielleicht einen (am besten schön triefenden) wahren Fall (aus der Zeitung vielleicht)?
Leider nicht, da ich diesen Teil der Nachrichten für gewöhnlich nicht lese.
Die erste Assoziation dazu war allerdings eher Kleinkriminalität.
Das meinte ich auch. Du schriebst "Kriminalität". Da gehe ich natürlich erstmal von Kleinkriminalität aus, da diese den weitaus größten Anteil ausmacht.
Allerdings sind auch Wanderarbeiter im härteren Geschäft tätig. Schwerer Raub, Diebstahl mit Körperverletzung, oä. Im Wohnort meiner Freundin ist es so, daß sich kaum noch jemand traut, auf offener Straße das Handy zu benutzen. Scheint normal zu sein, daß dort mit vorgehaltenem Messer Handys geklaut werden.
Was auch oft vorkommt, ist der Handtaschendiebstahl vom Motorrad aus. Wenn Du Pech hast, wirst Du dann mitgerissen & landest schwerverletzt im Krankenhaus (einer Bekannten meiner Freundin passiert).
Zu (3) Worauf - äh - kommt es an?
Auf die Situation:
- was für ein Verbrechen
- von wem an wem verübt (in Zusammenhang damit auch Aufmerksamkeit der Medien)
- & vermutlich die Laune des zuständigen Polizeihäuptlings
- etc.
Zu (4) Verhaftung wäre sehr gut!
Mir scheint, Du willst da auf ganz bestimmte Situationen hinaus. Damit kann ich leider nicht dienen (v.a. auch wg meines schlechten Gedächtnisses). Da aber schon China Daily erwähnt wurde: Guck Dich mal im dortigen Forum um. Meine, mich zu entsinnen, da auch schon Geschichten von Ausländern in China gelesen zu haben, wie sie beraubt wurden & wie die Polizei reagierte. An Verhaftungen kann ich mich jetzt nicht erinnern, könnte man uU aber auch dort finden.

Eine weitere Idee wäre Google:
foreigner (arrested OR jailed OR imprisoned OR jail OR prison) china





Angelika hat geschrieben:Sehr interessant, was du zu den Fassadenkletterern und ihren Kollegen schreibst. Falls du irgendwas Näheres dazu gelesen hast (Raubmord in einer solchen Situation - waren Waffen im Spiel?) - bitte beliefere mich!

Dass die Polizei das Gebiet für Ausländer sperren würde, habe ich befürchtet, dann müsste ich mir was Neues einfallen lassen. Wäre es möglich, dass man so was wie eine "Streife" gehen lässt
Als Schriftstellerin solltest Du vielleicht ruhig mal Deine Phantasie spielen lassen. Erfahrungen & Hörensagen sind mit Vorsicht zu genießen. Wenn Du Dir das Forum ansiehst, wirst Du feststellen, daß die Leute oft total entgegengesetzte Erfahrungen gemacht haben.

Bloß, weil ich noch nie von einem Einbruch via Fassadenkletterei gehört habe, heißt das nicht, daß es keine solchen Fälle gibt. Wenn jemand irgendwelche Horrorgeschichten darüber gehört oder gelesen hat, heißt das noch nicht, daß es sich so zugetragen hat, oder daß es häufiger vorkommt.



Roger hat geschrieben:Wanderarbeiter sind das eher nicht, da ist leider die Assoziation zum fahrenden Volk in Europa geknüpft worden.
Ah, mal wieder jemand im Projektionsbusiness...
Bloß, weil Du Vorurteile ggü dem "fahrenden Volk" (was immer das ist) hast, heißt das noch lange nicht, daß andere dementsprechende Vorurteile gg Wanderarbeiter haben.
Wanderarbeiter sind meist brave Familienväter, die für wenig Lohn, weitab von der Familie ihr Leben fristen und sich auch noch was für die Familie vom Munde absparen.
Ei, verbibsch! Von denen habe ich aber gar nicht gesprochen.
Ich habe als Beispiel (zB für z.B., was für "zum Beispiel" steht, ähem) für Individual(!)kriminalität Wanderarbeiter ohne Stelle gebracht. Weitab von zuhause, ohne Geld, ohne familiäres Netzwerk kann die Not so groß werden, daß man sich keinen anderen Ausweg mehr weiß.
Gelegenheit macht Diebe. Not macht Kriminelle.
Kleinkriminelle suchen sich erst gar keine Arbeit, sie stehlen dort, wo viele Menschen zusammengedrängt sind und sind meistens Einzelgänger.
Sind sie das? Gerade Taschendiebe scheinen mir oft Profis zu sein, die noch dazu nicht selten in Banden organisiert sind.
Das 3. Mal war es ein Trickdieb auf dem Markt, vorne wurde ich abgelenkt, hinten bestohlen.
Ein Trickdieb, der Dich gleichzeitig vorne ablenkte & hinten bestahl? Muß aber gelenkig gewesen sein...
Besonders gefährlich mit Dieben ist es in Fernzügen, da fährt deshalb immer in den Schlafabteils Polizei mit.
Hmm, habe bis jetzt noch von niemandem gehört, der tatsächlich im Zug beklaut wurde. Nur Warnungen hört man oft.
Wohnungseinbrüche besonders durch Fassadenkletterer sind sehr häufig.
Woher weißt Du das?
Die Polizei würde auf jeden Fall mit einem masiven Aufgebot in Erscheinung treten.
Tatsächlich? Nur, weil es in einem touristisch interessanten Gebiet passiert? Oder vielleicht nicht doch, weil das bei einem Schwerverbrechen eher der Normalfall ist?

Treffe mich später mit einer Polizistin auf'n Tee. Mal sehen, ob ich daran denke, das zur Sprache zu bringen.
Angelika
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Re: Ni hao aus München

Beitrag von Angelika »

Vielen Dank, Bossel und ja, bitte, frag der Dame große Löcher in den Bauch.

Was das Individuelle beim Kriminell-Werden werden betrifft, sprechen wir, glaube ich schon die gleiche Sprache. Den Übergang kann eigentlich fast jeder hinkriegen, wenn die Umstände sich entsprechend zuspitzen.
Was die Phantasie betrifft, ist es so, dass die Haupthandlung meiner Geschichte von drei Personen aus meinem Kulturkreis beherrscht wird und vollkommen ausgedacht ist. China stellt den Hintergrund für die Konflikte, die die drei untereinander haben, und der sollte von der Realität nicht allzuweit entfernt sein.

Danke nochmal, und schon gespannt auf mögliche Infos aus Polizistinnenmund.
Herzlich,
Angelika
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Re: Ni hao aus München

Beitrag von Laogai »

Angelika hat geschrieben:Ich meine, ich bin damals diese Strecke von Jinshanling nach Simatai gelaufen. Da gibt es doch auch einen schönen blauen Stausee irgendwo in der Mitte, oder? Außerdem mussten wir zwischendrin mal eine Bank aufsuchen und sind zu diesem Zweck nach Chengde gefahren - passt das von der Geographie her?
Ja, das klingt nach der Wanderung von Simatai nach Jinshanling oder umgekehrt. Liegt auch an der Strecke von Beijing nach Chengde (man buddelt gerade einen Tunnel unter der Mauer durch für die neue Autobahn :shock:). Der Stausee ist bei Simatai, siehe Google Maps. Dort gibt es auch nochmal ganz viele Fotos.
Angelika hat geschrieben:Danke, danke für die Fotos! Da sind sehr geeignete Türme dabei! Hast du vielleicht noch eine Erinnerung, wie es da innen drinnen aussehen könnte? Und riecht? Eventuell hallt oder tropft oder modert? Wieviel Platz ist? Der Boden und die Wände aussehen?
Ich kenne eigentlich nur die Türme der touristisch erschlossenen Abschnitte, wobei die natürlich nicht immer restauriert sind (z.B. auf der Simatai-Jinshanling Strecke). So nicht jemand eine Ecke als Stilles Örtchen missbraucht hat riecht es in den Türmen nicht anders als draußen auch. Sind ja keine geschlossenen Räume (mehr), sondern der Wind pfeift durch die Fenster. Der Boden und die Wände sind gebrannte schwarze Ziegelsteine, das übliche Baumaterial für den äußeren Teil der Mauer im Osten Chinas. Die Türme sind unterschiedlich groß, aber selbst in den kleineren können bequem mindestens fünf Leute übernachten (so war es ja auch zu der Zeit, als die Mauer noch ihre militärische Bedeutung hatte). Eine Übernachtung auf der Mauer ist übrigens recht beliebt bei den Backpackern. Habe ich leider noch nicht gemacht :(
Angelika hat geschrieben:Andererseits erinnere ich mich an den Ausspruch unseres Wanderführers, dass die Taschentücher und Wasser verkaufenden Menschen auf der Mauer (meist Mongolen, hieß es) neben dieser erkennbaren merkantilen Funktion auch noch einen gewissen Schutz gegen Diebe und Räuber böten. Wenn dir dazu irgendwas einfiele ...?
Diese manchmal recht lästigen Mütterchen sind keine Mongolen, sondern Chinesinnen aus den umliegenden Dörfern. Und Schutz vor Dieben oder Räubern bieten die bestimmt nicht. Die würden eher mitmachen, wenn es ums Stehlen geht :roll:.
Angelika hat geschrieben:Die Polizisten, die du erwähnst, sind das Ortsansässige oder werden die aus den Städten aufs Land geholt? (Hat man mir erzählt, aber sicher bin ich mir nicht, ob das stimmt).
Kann ich dir leider nicht sagen. Als ich das erste (und letzte) Mal vor denen stand habe ich mich nicht länger mit ihnen unterhalten.

Ich bin eben gerade über das Great Wall Forum gestolpert (wer hat mir denn das bisher vorenthalten :?: :shock: :(). Dort gibt es Fotos von und Infos über die Mauer ohne Ende! Heute Abend werde ich mich dort mal durchackern.

Und auch mal bei William Lindesays Wild Wall schmökern. Der Kerl hat die ganze Mauer abgewandert!
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Kuschel
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Re: Ni hao aus München

Beitrag von Kuschel »

Huhu Leute! :oops:

Ich kann zwar nix zu dem aktuellen Thema sagen, weil ich in Shanghai bin, aber............ :idea:
Ich finde das Thema so spannend, dass ich jeden link.......jedes interessante gleich bei google nachschlagen muss!
@Angelika: wenn der Roma fertig ist, sagst mir bescheid, wann und wo ich den erwerben kann? Das klingt so schon nach Spannung pur, dass ich den fertigen Roman gerne lesen wuerde!

Viele liebe Gruesse,
Kuschel :oops: :oops: :oops: :oops:
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Re: Ni hao aus München

Beitrag von Angelika »

Laogai - ich bin überwältigt!!

Schon das Stöbern in diesem Great Wall Forum bringt neue begehbare Spuren. Die Google Map Seite ist auch wertvoll für mich. William Lindsays Buch habe ich gestern schon bestellt. Es ist sogar auf Deutsch erschienen.

Zwei gleich entstandene Fragen hätte ich jetzt schon:

1. Simatai und Jinshanling - diese Namen bezeichnen einerseits - wie aus den Karten hervorgeht, größere Bereiche, andererseits sind es ja wohl auch irgendwie punktuell verortbar, oder wie anders kann man einer Strecke Simatai nach Jinshanling oder umgekehrt sprechen? Das verwirrt mich gerade noch etwas.

2. Im Great Wall Forum war die Rede von einer "zib line", das Foto dazu zeigte einen ziemlich schaudervollen Abgrund hinab zu einem See, überhangen von Drahtseilen. AufdemSchlauchsteh: zib line? Es gibt ein cable car = Seilbahn - und dies hier? Es wurde auch als gefährlich besprochen - das weckt dann natürlich gleich dramatische Gelüste in mir.

Liebe/r Kuschel,

danke für dein Interesse. Es dauert immer ewig lange bis was recherchiert, geplottet und geschrieben ist. Und dann nochmal so lange bis es zu einem Verlag findet. Aber sobald sich da was tut, gebe ich natürlich Bescheid hier! Großer Schwur!

Angelika
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Tod im Tower

Beitrag von Laogai »

Angelika hat geschrieben:Laogai - ich bin überwältigt!!
Warte mal ab bis meine Rechnung für die Recherchearbeit in deinem Briefkasten liegt. Denn dann bekommt das Wort "überwältigt" eine ganz andere Bedeutung für dich... :wink:
BTW, ich möchte nicht im Vorwort erwähnt werden!
Angelika hat geschrieben:1. Simatai und Jinshanling - diese Namen bezeichnen einerseits - wie aus den Karten hervorgeht, größere Bereiche, andererseits sind es ja wohl auch irgendwie punktuell verortbar, oder wie anders kann man einer Strecke Simatai nach Jinshanling oder umgekehrt sprechen? Das verwirrt mich gerade noch etwas.
Eiskalt erwischt :(
Ich habe mir ehrlich gesagt noch keine Gedanken darüber gemacht, woher die Bezeichnungen Jinshanling und Simatai kommen. Jinshanling (金山岭) bedeutet übersetzt etwa Goldener Bergrücken oder Kamm des Goldenen Berges.
Simatai (司马台) lässt sich ohne geschichtliche Hintergrundinfos noch schwerer übersetzen. Sima (司马) ist einerseits der Meister der Pferde, sprich jemand, der für die Kavallerie zuständig ist, und andererseits ein chinesischer Familienname (natürlich vom Beruf abgeleitet, ähnlich wie Meier, Müller oder Schulz im Deutschen). Tai (台) hat noch mehr Bedeutungsmöglichkeiten. Hier würde z.B. Erhebung passen, denn die Wachtürme heißen Fenghuotai (烽火台, Signaltürme). Also entweder hat jemand mit dem Familiennamen Sima diesen Abschnitt der Mauer betreut oder es gibt eine andere Bedeutung.
Aber ich schweife vom Roman ab, sorry!

Für mich ist Jinshanling der Ort (bzw. die paar Häuser, eine richtige Siedlung gibt es dort nicht!), wo man auf die Mauer an dem Abschnitt gelangt. Das gleiche gilt für Simatai.
Angelika hat geschrieben:2. Im Great Wall Forum war die Rede von einer "zib line", das Foto dazu zeigte einen ziemlich schaudervollen Abgrund hinab zu einem See, überhangen von Drahtseilen. AufdemSchlauchsteh: zib line? Es gibt ein cable car = Seilbahn - und dies hier? Es wurde auch als gefährlich besprochen - das weckt dann natürlich gleich dramatische Gelüste in mir.
Puhh, endlich wieder auf sicherem Terrain! :D
Eine zip line ist ein Drahtseil von einem höher zu einem tiefer gelegenen Punkt. Im Prinzip eine Seilbahn, allerdings für den Personentransport nur in eine Richtung. Nämlich nach unten. Oben wird ein Haltegeschirr angelegt, welches einem Fallschirm nicht unähnlich ist. Dieses Geschirr wird dann in das Stahlseil eingehängt. So gesichert saust man dank der Gravitation zur Talstation. Sieht gefährlich aus, aber man überlebt es in 99,9999% der Fahrten!

Nachgeschoben: Hier mal viele Bilder von zip lines. Bei der Durchsicht der Fotos ist mir aufgegangen: Diese Seilbahnen gibt es ja in einer abgespeckten Version auf jedem gut sortierten Spielplatz in Deutschland!
Fotos von der zip line über den ersten (sprich oberen) Stausee bei Simatai gibt es auch massenhaft im Web (klick). Bin selbst noch nicht damit geflogen, wohl aber etliche Teilnehmer meiner Reisegruppen (alle haben überlebt :().
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maxule
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Re: Ni hao aus München

Beitrag von maxule »

Und jetzt noch die Oberfrage: Gab es jemals irgendein Verbrechen auf irgendeinem Abschnitt der Mauer?
Naja ein paar Schwerverbrecher haben auf einem Teilstueck ein Transparent mit Herausgabeanspruechen bzgl. irgendwelcher Landesteile heruntergelassen. Das duerften Auslaender gewesen sein, alle anderen kennen die Konsequenzen, bzw. kaemen nie auf die Idee.
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Re: Ni hao aus München

Beitrag von Angelika »

laogai hat geschrieben:Warte mal ab bis meine Rechnung für die Recherchearbeit in deinem Briefkasten liegt. Denn dann bekommt das Wort "überwältigt" eine ganz andere Bedeutung für dich... :wink:
Na, deshalb habe ich es doch in seiner ganzen Vieldeutigkeit ausgesucht! :P
BTW, ich möchte nicht im Vorwort erwähnt werden!
Kein Problem, verantwortungsbewusste Autoren erfüllen heutzutage auch die ausgefallensten Wünsche.
Tai (台) hat noch mehr Bedeutungsmöglichkeiten. Hier würde z.B. Erhebung passen, denn die Wachtürme heißen Fenghuotai (烽火台, Signaltürme). Also entweder hat jemand mit dem Familiennamen Sima diesen Abschnitt der Mauer betreut oder es gibt eine andere Bedeutung.
Die Bedeutung klingt schön genug, um von einem chinesischen Reiseführer erzählt zu werden - das reicht für meine Bedürfnisse voll und ganz, merci! Bei der Etymologie von Tai verlasse ich mich selbstverständlich auf den Sinologen. Ich habe inzwischen auch noch Lou ausfindig gemacht, das steht immer hinter den Turmnamen und heißt "Turm", ja?
Für mich ist Jinshanling der Ort (bzw. die paar Häuser, eine richtige Siedlung gibt es dort nicht!), wo man auf die Mauer an dem Abschnitt gelangt. Das gleiche gilt für Simatai.
Ja, das leuchtet mir sehr ein.
Eine zip line ist ein Drahtseil von einem höher zu einem tiefer gelegenen Punkt. Im Prinzip eine Seilbahn, allerdings für den Personentransport nur in eine Richtung. Nämlich nach unten. Oben wird ein Haltegeschirr angelegt, welches einem Fallschirm nicht unähnlich ist. Dieses Geschirr wird dann in das Stahlseil eingehängt. So gesichert saust man dank der Gravitation zur Talstation. Sieht gefährlich aus, aber man überlebt es in 99,9999% der Fahrten!
Jaa! Ich habe sogar auf dieser Plattform gestanden - heute Morgen habe ich mich daran erinnert - und habe damals gedacht Ogottogottogottosmopskotzt oder so ähnlich. Wie hoch mag die Geschwindigkeit sein, mit der man da gen Tal braust? :shock:

Laogai, danke noch einmal! Das hat bis jetzt ausgesprochen viel gebracht hier. Mein Plot marschiert gerade ab in eine Ecke, die mir wesentlich sympathischer ist als das, was ich bisher geplant hatte.

Ich darf wiederkommen und weiter fragen, wenn nochmal Ungewissheiten auftreten? (Viele Fragen ergeben sich aus dem Schreibprozess, das sind dann aber mehr die Feinheiten).

Und wem immer noch zusätzlich was einfällt zu all dem - bittegernedanke!

Herzlich,
Angelika


Lieber maxule,

ich glaub, ich habs verstanden. :wink:
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Re: Tod im Tower

Beitrag von Linnea »

laogai hat geschrieben:Simatai (司马台) lässt sich ohne geschichtliche Hintergrundinfos noch schwerer übersetzen. Sima (司马) ist einerseits der Meister der Pferde, sprich jemand, der für die Kavallerie zuständig ist, und andererseits ein chinesischer Familienname (natürlich vom Beruf abgeleitet, ähnlich wie Meier, Müller oder Schulz im Deutschen). Tai (台) hat noch mehr Bedeutungsmöglichkeiten.
Ich hab mal gesucht und auch etwas gefunden: Klick mich
Angelika hat geschrieben:[ Ich habe inzwischen auch noch Lou ausfindig gemacht, das steht immer hinter den Turmnamen und heißt "Turm", ja?
楼 lou heißt erst einmal lediglich "Gebäude" (oder auch "Stockwerk"), lässt sich aber im entsprechenden Kontext meiner Meinung nach durchaus als "Turm" übersetzen.
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Re: Ni hao aus München

Beitrag von Laogai »

Angelika hat geschrieben:Ich habe inzwischen auch noch Lou ausfindig gemacht, das steht immer hinter den Turmnamen und heißt "Turm", ja?
Meistens haben chinesische Silben mehrere Bedeutungen, die sich nur aus dem Kontext heraus korrekt ins Deutsche übersetzen lassen. So auch hier. Lou (楼) ist ein mehrgeschossiges Gebäude. Kann ein Turm sein, muss aber nicht. Daher wäre ich vorsichtig mit der Erwähnung von chinesischen Begriffen und deren vermeintliche Übersetzung. Eine PN dazu bekommst du gleich.
Angelika hat geschrieben:Jaa! Ich habe sogar auf dieser Plattform gestanden - heute Morgen habe ich mich daran erinnert - und habe damals gedacht Ogottogottogottosmopskotzt oder so ähnlich. Wie hoch mag die Geschwindigkeit sein, mit der man da gen Tal braust? :shock:
Habe mein Posting wohl in der Zeit editiert, als du deine Antwort verfasst hast :(
Schau nochmal zurück! Auch wenn keine Geschwindigkeitsangaben gemacht werden.
Angelika hat geschrieben:Ich darf wiederkommen und weiter fragen, wenn nochmal Ungewissheiten auftreten? (Viele Fragen ergeben sich aus dem Schreibprozess, das sind dann aber mehr die Feinheiten).
Nimmer! Wir wollen nie wieder was von dir hören oder lesen! :P

Vor etlichen Jahren hatte ich auch mal die Idee, einen China-Krimi zu schreiben. Ich hatte sogar schon 1/3 des Plots. Aber dann musste ich erkennen, dass mir für die restlichen 2/3 die Phantasie fehlte und für das gesamte Werk die literarische Fähigkeit... :cry:
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Beat a Dead Horse

Beitrag von Laogai »

Linnea hat geschrieben:Ich hab mal gesucht und auch etwas gefunden: Klick mich
Das ist der Stoff, aus dem Legenden gemacht werden! :P
Hier mal eine mehr down to earth Erklärung zum Namen Simatai :wink:
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Re: Ni hao aus München

Beitrag von Angelika »

Hallo linnea und danke für deine Informationen!

Das mit der Mehrdeutigkeit im Chinesischen ist mir prinzipiell klar, aber nicht im Einzelfall natürlich. Die Legende vom toten Pferd - aha. ich hatte irgendwo mal den Namen Streitrossturm gelesen, de mir für meine zwecke außerordentlich gut gefiel, aber ich weiß weder, ob es sich dabei um einen Turm in Simatai handelt noch ob es überhaupt einen Turm dieses Namens gibt.

Danke nochmal!
Angelika
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Re: Beat a Dead Horse

Beitrag von Angelika »

laogai hat geschrieben:Das ist der Stoff, aus dem Legenden gemacht werden! :P
Ja, aber Legenden brauchts doch auch, lieber Laogai!
Hier mal eine mehr down to earth Erklärung zum Namen Simatai :wink:
Also, da konnte ich mich jetzt nur am oberen Bildrand laben - aber die Einstellung mit den 1000000 Personen auf schmalem Pfad hat den Realismusknopf in mir betätigt. War das gemeint mit down to earth?

Das:
Vor etlichen Jahren hatte ich auch mal die Idee, einen China-Krimi zu schreiben. Ich hatte sogar schon 1/3 des Plots. Aber dann musste ich erkennen, dass mir für die restlichen 2/3 die Phantasie fehlte und für das gesamte Werk die literarische Fähigkeit...
ist aber schade. Und unglaublich auch. Da sprechen wir noch drüber!

Angelika
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